Meine Wörter

werden

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
werden
Worttrennung
wer·den
Präsens
wird; du wirst
Präteritum
wurde; älter/veraltet auch ward (Singular)
Partizip II
geworden (Veränderung/Entstehen); worden (Passiv-Hilfsverb)
Perfekt
ist geworden; im Vorgangspassiv ist + anderes Partizip II + worden
Hilfsverb
sein bei geworden; werden selbst dient auch als Hilfsverb
Infinitiv
werden
Trennbarkeit
nicht trennbar; zu werden
Kasus
Gleichsetzungsnominativ; zu + Dativ; jemandem wird kalt mit Dativ

Die Tabellen zeigen das Entwicklungsverb mit geworden. Ward/wardst veraltet beziehungsweise dichterisch; Voll- und Hilfsverwendung unterscheiden.

Gebrauch: Eigenständiges Entwicklungs-/Zustandsverb; Hilfsverb bei Zukunft, Vermutung, Vorgangspassiv und würde-Umschreibung.

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Werden kann eine Veränderung, Entwicklung oder Entstehung ausdrücken: wird, wurde, ist geworden. Als Hilfsverb bildet es außerdem Zukunftsformen, Vermutungen und das Vorgangspassiv. Würde dient unter anderem zur Umschreibung des Konjunktivs. Geworden und worden gehören dabei zu unterschiedlichen Verwendungen.

Bedeutungen

1 Einen anderen Zustand oder eine Eigenschaft bekommen

Werden verbindet ein Subjekt mit einer neuen Eigenschaft oder einem neuen Zustand: größer werden, ruhiger werden, spät werden. Unpersönlich kann ein Gefühl auftreten, etwa jemandem wird kalt.

„Nach der lebhaften Diskussion wird die Gruppe wieder ruhiger.“

Die Beschreibung nennt eine Veränderung in dieser Situation. Sie behauptet keinen unveränderlichen Charakterzug aller Beteiligten.

2 Sich zu etwas oder aus etwas entwickeln

Mit einer Personen- oder Sachbezeichnung kann werden eine Entwicklung benennen: Eine Person wird Lehrerin, ein Vorschlag wird ein Plan. Mit zu wird ein Ergebnis angeschlossen; mit aus der Ausgangspunkt.

„Aus der ersten Skizze wurde im Laufe der Arbeit ein Bühnenmodell.“

Das Modell ist ein Entwicklungsergebnis. Welches Material verwendet wurde und wer welche Arbeit leistete, bleibt zunächst offen.

3 Sich einem Zeitpunkt nähern

Unpersönlich kann werden ausdrücken, dass eine Uhrzeit, ein Zeitpunkt oder eine Zeitspanne erreicht wird. Es wird Zeit benennt, dass eine Handlung nun ansteht.

„Es wird bald neun Uhr; die Gruppe sollte zum Probenraum gehen.“

Der Zeitpunkt rückt näher. Ob neun Uhr tatsächlich der Beginn der Probe ist, muss die Situation zusätzlich erklären.

4 Entstehen oder sich herausbilden

Werden kann das Entstehen selbst benennen. Dieser Gebrauch begegnet etwa bei einer Entwicklung, die noch im Werden ist. Ward klingt heute veraltet beziehungsweise dichterisch.

„Die Ausstellung zeigt Entwürfe für ein noch werdendes Stadtviertel.“

Das Viertel entsteht erst. Die Beschreibung behauptet nicht, dass bereits alle geplanten Gebäude vorhanden sind.

5 Umgangssprachlich: im gewünschten Ergebnis gelingen

Ein Vorhaben wird, wenn es allmählich die beabsichtigte Gestalt annimmt oder gelingt. Die knappe umgangssprachliche Aussage hängt stark vom vorher besprochenen Gegenstand ab.

„Nach mehreren Proben sagt die Gruppe erleichtert: Das Stück wird langsam.“

Die Inszenierung entwickelt sich erkennbar zum gewünschten Ergebnis. Ein vollkommen fertiger oder in jeder Hinsicht gelungener Stand wird damit noch nicht zugesichert.

6 Gehoben: jemandem zuteilwerden

Gehoben kann jemandem etwas werden bedeuten, dass es ihm zuteilwird. Die empfangende Person kann im Dativ genannt werden. Diese Verwendung gehört nicht zur gewöhnlichen Zukunftsform jedes Satzes.

„Im feierlichen Text soll jeder Beteiligten gerechte Anerkennung werden.“

Die Anerkennung soll ihr zukommen. Der Satz beschreibt ein Ziel, nicht bereits die erfolgte Würdigung.

7 Als Hilfsverb: Zukunft oder Vermutung ausdrücken

Werden mit einem Infinitiv kann auf ein zukünftiges Geschehen verweisen. Dieselbe Verbindung kann auch eine Vermutung ausdrücken, die sich auf die Gegenwart bezieht. Die zeitliche Einordnung muss aus dem Zusammenhang hervorgehen.

„Sie wird morgen den Entwurf vorstellen; jetzt wird sie wohl noch daran arbeiten.“

Morgen weist in die Zukunft. Die zweite Satzhälfte enthält dagegen eine Vermutung über die gegenwärtige Beschäftigung, keinen sicheren Nachweis.

8 Als Hilfsverb: ein Geschehen im Passiv darstellen

Werden mit einem Partizip II bildet ein Vorgangspassiv. Die Handlung kann so aus Sicht des betroffenen Gegenstands oder der betroffenen Person beschrieben werden. Ein handelnder Urheber muss nicht genannt sein.

„Der Entwurf wird von zwei Mitgliedern der Gruppe geprüft.“

Die Prüfung steht im Mittelpunkt. Geprüft bedeutet nicht automatisch als fehlerfrei bestätigt; der Satz beschreibt den Vorgang.

9 Mit würde: Bedingungen, Möglichkeiten oder eine höfliche Bitte formulieren

Würde mit Infinitiv kann eine Konjunktivumschreibung bilden. Sie begegnet bei Bedingungen und vorgestellten Situationen, bei höflichen Bitten sowie in der Wiedergabe eines angekündigten späteren Geschehens.

„Mit mehr Zeit würde sie die Schlussfassung noch einmal überarbeiten.“

Die Überarbeitung ist an eine vorgestellte Bedingung gebunden. Es wird nicht behauptet, dass sie schon stattgefunden hat.

werden: Synonyme und andere Wörter

Werden oder sich entwickeln?

Sich entwickeln hebt einen Verlauf mit Veränderungen hervor. Werden kann dessen Ergebnis mit einer Eigenschaft, einer Bezeichnung oder einer zu-Ergänzung benennen.

Der Satzbau verändert sich beim Ersatz. Ein Hilfsverb in einem Passivsatz wird dadurch nicht ersetzt.

„Aus der Skizze wird ein Modell“ und „die Skizze entwickelt sich zu einem Modell“ können dieselbe Entwicklung aus etwas unterschiedlichem Blickwinkel beschreiben.

Werden oder entstehen?

Entstehen richtet den Blick auf den Beginn des Vorhandenseins. Werden ist in dieser Bedeutung ähnlich, kann daneben aber einen neuen Zustand eines schon vorhandenen Gegenstands ausdrücken.

Ein Raum, der ruhiger wird, entsteht nicht erst. Für Zukunfts- und Passivformen ist entstehen ebenfalls kein bloßer Ersatz.

„Ein neuer Plan entsteht“ beschreibt das Herausbilden. „Der Plan wird genauer“ betrifft dagegen die Veränderung eines bereits vorhandenen Plans.

Beim Empfangen und bei grammatischen Funktionen

Zuteilwerden erklärt die gehobene Verbindung jemandem etwas werden. Bei Zukunft, Vermutung und Passiv gibt es dagegen kein einziges austauschbares Synonym, das jeden Satz unverändert erhält.

Eine Umschreibung muss sowohl Aussage als auch Satzbau bewahren. Das bloße Vermeiden des häufigen Worts werden ist kein Grund für einen sinnverändernden Ersatz.

„Ihr wird Anerkennung“ kann gehoben „ihr wird Anerkennung zuteil“ heißen. „Sie wird gelobt“ ist dagegen ein Passivsatz mit einer anderen Konstruktion.

Beispiele und Verwendung

Geworden und worden unterscheiden

„Das Modell ist größer geworden.“ – „Das Modell ist geprüft worden.“

Geworden bezeichnet hier eine Veränderung der Größe. Worden gehört zum Perfekt des Vorgangspassivs; geprüft nennt die ausgeführte Handlung. Größer und geprüft erfüllen unterschiedliche Aufgaben.

Nominativ und Dativ nicht verwechseln

„Sie wird die neue Sprecherin.“ – „Ihr wird bei dem Gedanken kalt.“

Die neue Sprecherin ist eine Gleichsetzungsnominativ-Ergänzung. Ihr steht im zweiten Satz im Dativ und nennt die Person, bei der das Gefühl auftritt.

Eine Vermutung erkennbar lassen

„Die Theatergruppe wird die Kulissen schon abgebaut haben, vermutet Mara beim Blick auf die leere Bühne.“

Werden mit Infinitiv Perfekt drückt hier eine Vermutung über einen bereits abgeschlossenen Abbau aus. Die leere Bühne ist ein Anhaltspunkt, aber kein Beweis dafür, wer die Kulissen entfernt hat.

Grammatik und Beugung

Werden ist unregelmäßig und nicht trennbar. Die Worttrennung lautet wer·den, der zu-Infinitiv zu werden. Die gegenwärtigen Formen sind ich werde, du wirst, er/sie/es wird, wir werden, ihr werdet, sie werden. Das gewöhnliche Präteritum ist wurde; ward und wardst sind ältere, heute veraltete beziehungsweise dichterische Singularvarianten. Der Konjunktiv II lautet würde.

Beim eigenständigen Verändern oder Entstehen lautet das Partizip II geworden, das Perfekt steht mit sein: ist geworden. Als Hilfsverb des Vorgangspassivs lautet das Partizip worden: Das Modell ist geprüft worden. Ein bloßes ist worden ohne das andere Partizip ist keine vollständige Erklärung dieses Passivsatzes.

Mit einer gleichsetzenden Nomen-Ergänzung steht Nominativ: Sie wird eine gute Sprecherin. Mit zu heißt es zu einer guten Sprecherin werden, also Dativ nach zu. Bei jemandem wird kalt ist die erlebende Person Dativ. Diese Fälle sind nicht frei austauschbare Objekte desselben Satzmusters.

Die folgenden vollständigen Konjugationstabellen zeigen werden als eigenständiges Entwicklungsverb mit geworden. Die einfachen finiten Formen gelten auch für die Hilfsverwendungen; dort wird der übrige Verbteil nach Funktion ergänzt: wird prüfen, wird geprüft oder würde prüfen. Die Klammerformen sei(e)st und wär(e)st zeigen belegte Alternativen, keine Zusatzbuchstaben zur Endungsmarkierung.

werden (Veränderung/Entstehen): Indikativ Aktiv
PersonPräsensPräteritumPerfektPlusquamperfektFutur IFutur II
ichwerdeward, wurdebin gewordenwar gewordenwerde werdenwerde geworden sein
duwirstwardst, wurdestbist gewordenwarst gewordenwirst werdenwirst geworden sein
er/sie/eswirdward, wurdeist gewordenwar gewordenwird werdenwird geworden sein
wirwerdenwurdensind gewordenwaren gewordenwerden werdenwerden geworden sein
ihrwerdetwurdetseid gewordenwart gewordenwerdet werdenwerdet geworden sein
siewerdenwurdensind gewordenwaren gewordenwerden werdenwerden geworden sein
werden (Veränderung/Entstehen): Konjunktiv I Aktiv
PersonGegenwartVergangenheitFutur IFutur II
ichwerdesei gewordenwerde werdenwerde geworden sein
duwerdestsei(e)st gewordenwerdest werdenwerdest geworden sein
er/sie/eswerdesei gewordenwerde werdenwerde geworden sein
wirwerdenseien gewordenwerden werdenwerden geworden sein
ihrwerdetseiet gewordenwerdet werdenwerdet geworden sein
siewerdenseien gewordenwerden werdenwerden geworden sein
werden (Veränderung/Entstehen): Konjunktiv II Aktiv
PersonGegenwartVergangenheitwürde-Formwürde-Form der Vergangenheit
ichwürdewäre gewordenwürde werdenwürde geworden sein
duwürdestwär(e)st gewordenwürdest werdenwürdest geworden sein
er/sie/eswürdewäre gewordenwürde werdenwürde geworden sein
wirwürdenwären gewordenwürden werdenwürden geworden sein
ihrwürdetwär(e)t gewordenwürdet werdenwürdet geworden sein
siewürdenwären gewordenwürden werdenwürden geworden sein
Aufforderungsformen des Entwicklungsverbs
Formtyp/AnredeForm
duwerd! / werde!
ihrwerdet!
Infinitiv und Partizipien
Formtyp/AnredeForm
Infinitivwerden
zu-Infinitivzu werden
Partizip Iwerdend
Partizip II: Entwicklunggeworden
Partizip II: Passiv-Hilfsverbworden

Was bedeutet was nicht ist, kann noch werden?

Die Verbindung hält offen, dass etwas bisher Fehlendes später entstehen oder gelingen kann. Sie drückt eine Möglichkeit aus, keine Garantie für den erhofften Erfolg.

„Noch spielt die Gruppe nicht sicher zusammen. Was nicht ist, kann noch werden, meint ihre Leiterin und plant weitere Proben.“

Die Ermutigung wird durch einen konkreten nächsten Schritt ergänzt. Dass jede Probe zwangsläufig zum Erfolg führt, behauptet die Wendung nicht.

Wird’s bald?

Die knappe umgangssprachliche Frage kann eine energische Aufforderung sein, sich zu beeilen. Ihr Ton hängt von der Situation ab und kann ungeduldig wirken.

„Wird’s bald?“, ruft die wartende Figur zur offenen Tür.

Gemeint ist hier der gewünschte baldige Fortgang. In einer höflichen eigenen Nachricht wäre eine konkrete Bitte um einen Zeitpunkt häufig klarer.