auf dem Zahnfleisch gehen
Form & Grammatik
- Stichwort
- auf dem Zahnfleisch gehen
- Form
- Verbale Wendung. Präsens: geht auf dem Zahnfleisch; Präteritum: ging auf dem Zahnfleisch; Perfekt: ist auf dem Zahnfleisch gegangen. Mit zu: auf dem Zahnfleisch zu gehen. Worttrennung: auf dem Zahn·fleisch ge·hen.
Gebrauch: Umgangssprachliche bildliche Wendung für starke Erschöpfung oder eine sehr angespannte wirtschaftliche Lage. Österreichisch auch am Zahnfleisch gehen oder kriechen.
Definition · kurz erklärt
Auf dem Zahnfleisch gehen heißt, sehr erschöpft zu sein oder finanziell beziehungsweise wirtschaftlich an der Belastungsgrenze zu stehen.
Bedeutungen
An der Belastungsgrenze sein
Die umgangssprachliche Wendung kann starken körperlichen oder seelischen Kraftmangel beschreiben. Sie wird außerdem für eine äußerst angespannte finanzielle oder wirtschaftliche Lage verwendet. Der Satz und nähere Angaben wie finanziell zeigen, worauf sich das Bild bezieht.
Nele hat auf einer Messe den ganzen Tag anspruchsvolle Gespräche gedolmetscht. Als ihr Freund am Abend noch ausführlich das Wochenende planen möchte, bittet sie ihn, das Gespräch auf morgen zu verschieben: „Ich gehe heute auf dem Zahnfleisch.“
Nele beschreibt nach der konzentrierten Spracharbeit ihre starke Erschöpfung. Die Wendung bezieht sich hier auf ihre fehlende Kraft für ein weiteres längeres Gespräch.
Erschöpfung und finanzielle Bedrängnis
erschöpft
Bei Personen kann erschöpft den fehlenden Kraftvorrat unmittelbar beschreiben. Auf dem Zahnfleisch gehen formuliert einen solchen Zustand umgangssprachlich und bildhaft. Erschöpft hat außerdem Verwendungen bei verbrauchten Vorräten oder ausgeschöpften Möglichkeiten; deshalb passt die Wendung nicht als Ersatz in jeden Satz.
„Nele ist nach den Gesprächen erschöpft“ und „Nele geht nach den Gesprächen auf dem Zahnfleisch“ können hier denselben Kraftmangel beschreiben. Die zweite Fassung wählt ein nachdrückliches Bild.
mittellos
Mittellos nennt fehlende Geldmittel. Finanziell auf dem Zahnfleisch gehen beschreibt eine äußerst angespannte wirtschaftliche Lage, ohne eine bestimmte Geldmenge zu nennen. Die Aussagen können sich in einem Zusammenhang überschneiden; ob jemand mittellos ist, muss der Zusammenhang erkennen lassen.
„Tarek geht finanziell auf dem Zahnfleisch“ beschreibt seine bedrängte Lage. „Tarek ist mittellos“ würde ausdrücklich fehlende Geldmittel behaupten.
gehen
Gehen kann eine räumliche Bewegung benennen. In der festen Zahnfleisch-Wendung wird dagegen eine starke Erschöpfung oder wirtschaftliche Belastung ausgedrückt. Der gesamte Ausdruck bestimmt diesen Sinn.
„Nele geht über das Messegelände zum Ausgang“ nennt einen Weg. „Nele geht auf dem Zahnfleisch“ beschreibt in dieser Szene ihren Kraftzustand.
Beispiele und Verwendung
Eine wirtschaftliche Lage beschreiben
Mehrere größere Aufträge für Tareks kleine Fahrradwerkstatt sind ausgeblieben; die Rücklagen sind fast aufgebraucht. „Finanziell gehen wir gerade auf dem Zahnfleisch“, sagt er.
Finanziell stellt den Geldbezug her. Die knappen Rücklagen erläutern hier die angespannten Möglichkeiten des Betriebs.
Grammatik
Es heißt sie geht auf dem Zahnfleisch, sie ging auf dem Zahnfleisch und sie ist auf dem Zahnfleisch gegangen. Das Perfekt steht mit sein. Der Infinitiv mit zu lautet auf dem Zahnfleisch zu gehen. Zahnfleisch ist ein sächliches Nomen; in der festen Gruppe auf dem Zahnfleisch steht der Dativ Singular. In der österreichischen Fassung am Zahnfleisch gehen steht am für an dem.
Varianten
Belegt sind auch auf dem Zahnfleisch kriechen, auf dem Zahnfleisch laufen und auf dem Zahnfleisch daherkommen. Österreichisch wird außerdem am Zahnfleisch gehen oder kriechen verwendet.
