Auf Tuchfühlung gehen
Form & Grammatik
- Stichwort
- Auf Tuchfühlung gehen
- Form
- geht auf Tuchfühlung · ging auf Tuchfühlung · ist auf Tuchfühlung gegangen; mit zu: auf Tuchfühlung zu gehen. Mit jemandem: Dativ.
Gebrauch: Scherzhaftes oder bildliches Sprechen über enge körperliche Nähe und Kontakte.
Definition · kurz erklärt
Auf Tuchfühlung gehen heißt, jemandem körperlich sehr nahezukommen oder übertragen einen engeren Kontakt zu suchen.
Bedeutungen
Körperlich eng zusammenrücken
Die Wendung stellt große Nähe im Bild sich berührender Kleidung dar. Im räumlichen Gebrauch rücken Menschen so eng zusammen, dass sie einander leicht berühren können.
Auf der schmalen Zuschauerbank sitzen Nela und ihr Bruder schließlich Schulter an Schulter. „Heute gehen wir wohl auf Tuchfühlung“, scherzt sie.
Die enge Sitzposition erklärt das Bild. Nela kommentiert den kleinen Abstand; über die Beziehung der beiden sagt der Satz nichts Zusätzliches.
Übertragen einen engeren Kontakt suchen
Übertragen geht es um die Annäherung zwischen Menschen oder Gruppen. Jemand sucht das Gespräch, knüpft Kontakte oder kommt anderen im Umgang näher. Die Verbindung muss dabei nicht in körperlicher Berührung bestehen.
Bei einem offenen Werkstattabend spricht Rafi die Mitglieder einer anderen Fotogruppe an und fragt nach gemeinsamen Ausstellungen. Später erzählt er: „Wir sind mit der Gruppe auf Tuchfühlung gegangen.“
Rafi beschreibt die Kontaktaufnahme und den Austausch. Ob daraus eine Zusammenarbeit entsteht, ist damit noch nicht entschieden.
Nähe und Kontakt beschreiben
einander nahekommen
Nahekommen kann eine wachsende persönliche Vertrautheit bezeichnen. Das Tuchfühlungsbild spricht anschaulich von enger Nähe und wird auch für körperliches Zusammenrücken gebraucht. Bei einem persönlichen Austausch können beide Formulierungen passen.
„Die beiden kamen einander im Gespräch näher“ beschreibt ihre Annäherung. „Sie gingen auf Tuchfühlung“ gibt der Nähe ein anschauliches Bild; der Zusammenhang klärt, wie sie gemeint ist.
mit jemandem in Verbindung stehen
In Verbindung stehen stellt einen Kontakt fest. Tuchfühlung hebt die Nähe bildlich hervor. Eine bereits bestehende Verbindung kann ebenfalls als Tuchfühlung beschrieben werden.
„Die Gruppen stehen in Verbindung und sprechen ihre Termine ab“ nennt den Kontakt sachlich. „Die Gruppen halten Tuchfühlung“ beschreibt ihn bildlich.
Beispiele und Verwendung
Die Nähe aus dem Zusammenhang erkennen
„Auf der engen Bank saßen wir auf Tuchfühlung.“ – „Nach dem ersten Treffen blieben die Gruppen auf Tuchfühlung.“
Der erste Satz benennt einen kleinen körperlichen Abstand, der zweite einen fortgesetzten Kontakt.
Grammatik
Das Verb wird angepasst: sie geht auf Tuchfühlung, sie ging auf Tuchfühlung, sie ist auf Tuchfühlung gegangen. Bei kommen heißt es kommt, kam, ist gekommen. Die Ergänzung mit jemandem steht im Dativ, etwa mit der Gruppe. Tuchfühlung ist ein großgeschriebenes Substantiv. Auf Tuchfühlung wird getrennt geschrieben. Der Infinitiv mit zu lautet auf Tuchfühlung zu gehen; bei kommen entsprechend auf Tuchfühlung zu kommen.
Varianten
Belegt sind auf Tuchfühlung kommen sowie auf Tuchfühlung sein, sitzen oder bleiben. Tuchfühlung aufnehmen bezeichnet das Herstellen eines Kontakts; Tuchfühlung halten dessen Fortsetzung.
