ein Auge zudrücken
Form & Grammatik
- Stichwort
- ein Auge zudrücken
- Form
- Verbale Wendung mit dem trennbaren Verb zudrücken und dem Akkusativ ein Auge.
Gebrauch: Umgangssprachliche bildliche Wendung für wohlwollendes Übergehen eines Fehlers oder einer Abweichung.
Formen und Verwendung im Detail
Das Verb wird angepasst: sie drückt ein Auge zu, sie drückte ein Auge zu, sie hat ein Auge zugedrückt. Im Nebensatz steht es zusammen: weil sie ein Auge zudrückt. Mit zu heißt es ein Auge zuzudrücken.
Definition · kurz erklärt
Ein Auge zudrücken bedeutet, einen Fehler oder eine Abweichung nachsichtig zu übergehen.
Bedeutungen
Eine Abweichung aus Nachsicht übergehen
Wer ein Auge zudrückt, bemerkt eine Abweichung, reagiert darauf aber wohlwollend oder weniger streng. Es geht um Nachsicht in der konkreten Situation. Das Bild kann eine einmalige Ausnahme beschreiben; ob jemand auch sonst großzügig urteilt, ergibt sich daraus noch nicht.
Bei einer Übungsrunde im Kegelverein tritt Leyla beim ersten Wurf knapp über die vereinbarte Markierung. Spielleiter Martin bemerkt es, wertet den Wurf aber trotzdem: „Diesmal drücke ich ein Auge zu.“
Martin hat das Übertreten bemerkt. Er verzichtet in dieser Übungsrunde auf die sonst vorgesehene Folge. Die Wendung beschreibt seine Nachsicht; sie bedeutet hier nicht, dass ihm die Abweichung entgangen wäre.
Eine ausdrücklich auf diesmal begrenzte Ausnahme hebt die vereinbarte Regel nicht für alle weiteren Würfe auf.
Nachsicht und bewusste Ausnahmen
nachsichtig
Nachsichtig beschreibt eine verständnisvolle Beurteilung von Fehlern und Schwächen. Ein Auge zudrücken stellt das wohlwollende Übergehen einer konkreten Abweichung in den Mittelpunkt. Eine nachsichtige Reaktion kann aber auch darin bestehen, einen Fehler ruhig zu besprechen und seine Korrektur zu verlangen.
„Martin reagiert nachsichtig“ beschreibt seine milde Reaktion. „Martin drückt diesmal ein Auge zu“ sagt genauer, dass er die Abweichung in diesem Fall übergeht.
durchgehen lassen
Jemandem etwas durchgehen lassen ist eine nahe Alternative: Ein Verhalten oder Fehler wird nicht beanstandet oder bestraft. Ein Auge zudrücken bringt die Nachsicht bildhaft zum Ausdruck. Beide Wendungen können denselben Vorgang beschreiben.
„Martin lässt ihr das Übertreten diesmal durchgehen“ und „Martin drückt diesmal ein Auge zu“ können hier dieselbe Ausnahme benennen.
Beispiele und Verwendung
Die Grenze der Ausnahme nennen
„Bei diesem Versuch drücke ich ein Auge zu. Ab der nächsten Runde gilt die Markierung wieder für jeden Wurf.“
Die Fortsetzung legt die Reichweite der Ausnahme fest. Ohne den Zusatz bleibt offen, wie die Person beim nächsten Mal reagieren wird.
Grammatik
Das Verb wird angepasst: sie drückt ein Auge zu, sie drückte ein Auge zu, sie hat ein Auge zugedrückt. Im Nebensatz steht es zusammen: weil sie ein Auge zudrückt. Mit zu heißt es ein Auge zuzudrücken. Auge ist hier ein neutrales Nomen im Akkusativ Singular. Die belegte Fassung beide Augen verwendet den Akkusativ Plural. Auge und Augen werden großgeschrieben.
Varianten
Auch „beide Augen zudrücken“ ist als Fassung derselben Wendung belegt.
