Ein stumpf Messer ist keiner samtnen Scheide wert
Form & Grammatik
- Stichwort
- Ein stumpf Messer ist keiner samtnen Scheide wert
- Form
- Historische Form mit ungebeugtem stumpf und verkürztem samtnen.
Gebrauch: Historisch belegtes Sprichwort; heutige Geläufigkeit nicht behauptet.
Definition · kurz erklärt
Eine kostbare Hülle passt schlecht zu einem Gegenstand, der seine eigentliche Aufgabe nicht erfüllt.
Bedeutungen
Den Wert des Inhalts vor die Ausstattung stellen
Ein stumpfes Messer schneidet schlecht, auch wenn seine Scheide aus Samt besteht. Das Sprichwort stellt Brauchbarkeit und luxuriöse Verpackung gegenüber. Es kritisiert den Aufwand für eine ansehnliche Hülle, wenn die Qualität des darin Aufbewahrten nicht mithält. Der Einwand betrifft dieses Missverhältnis, nicht Samt als Material an sich.
Die aufwendig verzierte Mappe enthielt einen Text voller ungeklärter Widersprüche. Ein stumpf Messer ist keiner samtnen Scheide wert.
Die kostbare Mappe entspricht der Samtscheide. Der unzureichend ausgearbeitete Text ist das stumpfe Messer: Die Ausstattung löst sein sachliches Problem nicht.
Ein einfacher Gegenstand darf schön verpackt sein. Ob ein Messer für eine bestimmte Arbeit zu stumpf ist, muss außerdem an dieser Aufgabe beurteilt werden.
Ähnliche Sprichwörter und ihre Unterschiede
Gemalte Blumen riechen nicht
Gemalte Blumen riechen nicht trennt Abbild und wirkliche Eigenschaft. Das stumpfe Messer kritisiert eine andere Diskrepanz: Die teure Ausstattung steht nicht im Verhältnis zur Gebrauchstauglichkeit.
Das Blumenbild sieht schön aus, duftet aber nicht. Die verzierte Werkzeughülle sieht schön aus, verbessert aber nicht die Schneide.
Beispiele und Verwendung
Die eigentliche Arbeit priorisieren
Bevor wir den Umschlag gestalten, müssen die Argumente stimmen: ein stumpf Messer ist keiner samtnen Scheide wert.
Der Spruch richtet den Blick auf die noch fehlende Qualität.
Grammatik
In heutiger gewöhnlicher Flexion heißt es ein stumpfes Messer und einer samtenen Scheide. Wert ist hier ein prädikativ gebrauchtes Adjektiv; keiner samtnen Scheide steht als Genitivergänzung dazu. Der Spruch bewahrt die kürzeren historischen Adjektivformen.
