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Kein Müller hat Wasser und kein Schäfer Weide genug

Form & Grammatik

Sprichwort
Stichwort
Kein Müller hat Wasser und kein Schäfer Weide genug.
Form
Zwei mit und verbundene Aussagen; im zweiten Teil ist hat ausgelassen.

Gebrauch: Historisch überlieferter, kritisch zugespitzter Vergleich. Die Berufsfiguren dienen als Bild und sind kein sachliches Gesamturteil über diese Berufe.

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Menschen können von dem, was ihnen nützt, immer noch mehr haben wollen. Das Sprichwort stellt diese Unzufriedenheit an zwei Berufsfiguren dar: dem Müller mit seinem Wasser und dem Schäfer mit seiner Weide.

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Bedeutungen

Wenn das Erreichte nie als ausreichend gilt

Wasser treibt im Bild die Mühle an; Weide ernährt die Schafe. Beides steht für Mittel, von denen die jeweilige Arbeit abhängt. Die zugespitzte Aussage lautet, dass selbst ein vorhandener Bestand den Wunsch nach mehr nicht beendet. Übertragen kann damit ein immer weiter verschobener Maßstab für das Genug gemeint sein.

In einer erfundenen Töpfergruppe wird ein zusätzlicher Lagerraum frei. Obwohl nun alle vorhandenen Arbeiten hineinpassen, verlangt der Leiter gleich den nächsten Raum, ohne einen weiteren Bedarf zu nennen. Eine Teilnehmerin bemerkt: „Kein Müller hat Wasser und kein Schäfer Weide genug.“

Die Bemerkung bezieht sich auf die erkennbare Verschiebung des Anspruchs. Mehr Platz sollte zunächst ein bestimmtes Problem lösen; nun scheint auch der gelöste Zustand nicht zu genügen. Der Vergleich braucht diese konkrete Beobachtung.

Ein größerer Bedarf kann sachlich begründet sein. Der Satz beweist weder die Gier einer Berufsgruppe noch, dass jede Forderung nach besseren Bedingungen übertrieben ist. Kein ist hier eine sprichwörtliche Verallgemeinerung, keine überprüfte Aussage über alle Müller oder Schäfer.

Ähnliche Sprichwörter und ihre Unterschiede

Je mehr man hat, je mehr man haben will

Die Aussagen überschneiden sich stark. Der Mehr-Spruch verbindet wachsenden Besitz mit wachsendem Begehren. Müller und Schäfer veranschaulichen dagegen das vermeintlich nie erreichte Genug durch zwei unterschiedliche Arbeitsmittel.

Ein weiterer Lagerraum kann die nächste Forderung auslösen. Im Müller-Schäfer-Bild steht dafür die Haltung, vom jeweils Nützlichen nie ausreichend zu besitzen.

Beispiele und Verwendung

Den Maßstab offenlegen

„Welche Menge brauchen wir für das tatsächliche Vorhaben, und wann wäre genug vorhanden?“

Eine solche Rückfrage prüft den Bedarf. Der Spruch kann sie anregen, ersetzt aber keine Begründung dafür, dass ein Wunsch maßlos sei.

Grammatik

Kein Müller und kein Schäfer sind Subjektgruppen im Nominativ Singular. Hat gehört zu haben. Im zweiten Teil lässt sich hat ergänzen. Wasser und Weide sind Akkusativobjekte. Genug bezeichnet die ausreichende Menge und ist dem jeweiligen Objekt nachgestellt; im ersten Teil wird es sinngemäß mitverstanden. Die kurzen verbundenen Teile benötigen kein Komma.