Mancher fragt, wie es mir geh', ging' es mir wohl, es tät' ihm weh
Form & Grammatik
- Stichwort
- Mancher fragt, wie es mir geh', ging' es mir wohl, es tät' ihm weh.
- Form
- Historischer Reimspruch aus einer Nachfrage in indirekter Rede und einer bedingenden Aussage mit ginge und täte.
Gebrauch: Historisch überliefert; misstrauischer, pointierter Kommentar zu nur scheinbarem Wohlwollen.
Definition · kurz erklärt
Nicht jede Frage nach dem Befinden ist wohlwollend gemeint. Der Spruch beschreibt scheinbares Interesse, hinter dem Missgunst auf das Wohlergehen des anderen stehen kann.
Bedeutungen
Höfliche Anteilnahme und Missgunst unterscheiden
Zuerst klingt die Frage nach dem eigenen Befinden freundlich. Die zweite Hälfte kehrt diesen Eindruck um: Ginge es der sprechenden Person gut, würde dies dem Fragenden wehtun. Gemeint ist kein körperlicher Schmerz, sondern das Nichtgönnen eines Vorteils. Der Spruch zeichnet so den Gegensatz zwischen einer höflichen Nachfrage und einer neidischen inneren Reaktion.
Im Romanentwurf fragt ein Nachbar freundlich nach Milas neuer Stelle. Später sagt er einem Bekannten ausdrücklich, er hoffe, dass sie dort bald scheitere, weil sie den Erfolg nicht verdiene. Mila denkt: „Mancher fragt, wie es mir geh’, ging’ es mir wohl, es tät’ ihm weh.“
Die spätere Äußerung begründet in dieser eigenen Szene den Verdacht der Missgunst. Nicht die freundliche Frage allein, sondern der ausdrücklich geäußerte Wunsch nach Milas Scheitern macht den Gegensatz sichtbar.
Eine gewöhnliche Frage nach dem Befinden ist kein Beweis für Neid. Für eine solche Deutung braucht es weitere Anhaltspunkte.
Ähnliche Sprichwörter und ihre Unterschiede
Neid kriecht nicht in leere Scheunen
Die Scheune steht für einen als begehrenswert wahrgenommenen Vorteil. Die Frageformel stellt genauer den Gegensatz zwischen gezeigter Anteilnahme und fehlendem Wohlwollen dar. Beide können denselben Erfolg betreffen.
Die erfolgreiche Ausstellung zieht missgünstige Kommentare an: die volle Scheune. Eine freundliche Nachfrage, der ein ausdrücklich missgünstiger Wunsch folgt, zeigt den Gegensatz der Frageformel.
Beispiele und Verwendung
Den Widerspruch in einer Figur beschreiben
„Nach außen erkundigt er sich freundlich; in seinem inneren Monolog gönnt er ihr den Erfolg nicht.“
Die Beschreibung nennt die zwei erkennbaren Seiten des Verhaltens, statt jede höfliche Frage pauschal verdächtig zu machen.
Grammatik
Mancher steht im Singular; dazu gehört fragt. Geh’ ist die verkürzte Form von gehe, hier Konjunktiv I in der indirekten Frage. Ging’ steht für ginge und tät’ für täte, beide Konjunktiv II in der vorgestellten Bedingung und ihrer Folge. Mir und ihm sind Dativformen. Die Apostrophe zeigen die ausgelassenen Endungs-e; die freie historische Wortstellung wird im Zitat erhalten. Das großgeschriebene Ging’ der zweiten Verszeile kann in fortlaufender Wiedergabe kleingeschrieben werden.
