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Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet

Form & Grammatik

Sprichwort
Stichwort
Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.
Form
Verneinter Imperativ Plural mit anschließendem damit-Satz im Passiv.

Gebrauch: Biblisch überlieferte Mahnung; religiös oder als übertragener Kommentar zu einem persönlichen Urteil verwendbar.

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Die Aufforderung warnt vor einem verurteilenden Urteil über andere und erinnert daran, dass die Urteilenden selbst beurteilt werden.

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Bedeutungen

Die eigene Stellung beim Urteilen mitbedenken

Richten meint hier ein Urteil über andere zu fällen, nicht etwas auszurichten oder gerade zu machen. Die angesprochenen Menschen sollen sich nicht über die anderen stellen, als wären sie selbst jeder Beurteilung entzogen. Die Formel ist biblisch überliefert; ihr Zusammenhang nimmt auch den Maßstab auf, den man an andere anlegt. Als übertragener Kommentar kann sie ein vorschnelles persönliches Verdammungsurteil hinterfragen.

In einer eigenen Gesprächsszene erklärt Nora nach einem einzigen missglückten Auftritt, der neue Mitspieler sei ein völlig unfähiger Mensch. Ihre Freundin widerspricht: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. Wir können den Fehler benennen, ohne ihn deshalb als ganze Person abzuwerten.“

Die Freundin bestreitet den beobachteten Fehler nicht. Sie beanstandet, dass Nora daraus ein umfassendes persönliches Urteil macht und die Begrenztheit ihrer Beobachtung ausblendet.

Die Formel verlangt nicht, auf sachliche Prüfung oder Kritik zu verzichten. Sie garantiert auch nicht, dass man durch eigene Zurückhaltung jeder fremden Beurteilung entgeht.

Ein Verb im Zusammenhang

über jemanden richten

Dieser Gebrauch hebt ein schwerwiegendes Urteil hervor. Eine sachliche Einzelbeobachtung zu prüfen ist nicht mit jeder pauschalen Verurteilung gleichzusetzen. Der Zusammenhang muss zeigen, wie weit das Urteil reicht.

„Im zweiten Satz fehlt eine wichtige Angabe“ benennt einen prüfbaren Mangel. „Deshalb kann er überhaupt nichts“ macht daraus ein ungleich weiter reichendes Urteil.

Beispiele und Verwendung

Die Reichweite einer Kritik begrenzen

„Was haben wir tatsächlich beobachtet, und welches Urteil geht darüber hinaus?“

Die Frage hilft, einen konkreten Einwand von einer umfassenden Abwertung zu unterscheiden.

Grammatik

Richtet ist die Aufforderungsform für ihr. Im Nebensatz ist ihr das Subjekt; gerichtet werdet bildet ein Vorgangspassiv aus dem Partizip II gerichtet und der finiten Form werdet. Die Form ist hier kein Futur mit dem Infinitiv richten. Damit leitet den abhängigen Satz ein, der durch ein Komma abgetrennt wird.

Herkunft

Der Wortlaut ist im Matthäusevangelium überliefert. Dort wird die Mahnung im Zusammenhang mit den Maßstäben des Urteilens erläutert.