Wer auf des andern Schuhe wartet, bis er tot ist, der geht barfuß
Form & Grammatik
- Stichwort
- Wer auf des andern Schuhe wartet, bis er tot ist, der geht barfuß.
- Form
- Wer-Satz mit eingeschobenem bis-Satz und wiederaufnehmendem der.
Gebrauch: Historisch überliefert; drastisches Erbschaftsbild, heutige Häufigkeit nicht bestimmt.
Definition · kurz erklärt
Wer den eigenen Bedarf nur durch eine ungewisse spätere Hinterlassenschaft decken will, kann lange leer ausgehen.
Bedeutungen
Nicht ausschließlich auf einen ungewissen Nachlass warten
Die Schuhe gehören noch einem anderen Menschen. Die wartende Person rechnet damit, sie nach dessen Tod zu erhalten, und bleibt bis dahin selbst ohne Schuhe. Das drastische Bild warnt vor einer Abhängigkeit von einem Vorteil, dessen Eintritt und Zeitpunkt man nicht bestimmen kann.
Paul kaufte kein benötigtes Werkzeug, weil er irgendwann die Werkstatt eines entfernten Verwandten zu erben hoffte. Wer auf des andern Schuhe wartet, bis er tot ist, der geht barfuß.
Das Beispiel zeigt einen gegenwärtigen Bedarf und eine ungewisse spätere Erwartung. Paul hat weder einen Zeitpunkt noch eine sichere Zusage, auf die er seine Arbeit stützen könnte.
Ein erwarteter Nachlass ist kein Anspruch auf den Besitz lebender Menschen. Der Spruch empfiehlt auch nicht, auf ihren Tod hinzuwirken oder ihn herbeizuwünschen. Ebenso wenig verlangt er einen Kauf, für den die Mittel fehlen; andere mögliche Lösungen bleiben zu prüfen.
Ähnliche Sprichwörter und ihre Unterschiede
Die Hoffnung stirbt zuletzt
Die Hoffnungsformel beschreibt fortbestehende Zuversicht. Das Schuhbild warnt enger davor, einen aktuellen Bedarf allein von einem ungewissen späteren Besitzwechsel abhängig zu machen.
Ich hoffe weiter auf eine gute Nachricht: zuletzt sterbende Hoffnung. Ich lasse einen nötigen Schritt aus, weil ich irgendwann fremde Dinge erwarte: das Warten auf Schuhe.
Beispiele und Verwendung
Eine gegenwärtige Lösung suchen
Können wir das Werkzeug zunächst ausleihen, statt auf eine ungewisse Erbschaft zu warten?
Die Frage löst den aktuellen Bedarf von der Erwartung an den Besitz eines anderen.
Grammatik
Des andern ist ein Genitiv vor Schuhe. Im bis-Satz bezieht sich er im Bild auf den Besitzer der Schuhe. Der nimmt im Hauptsatz die wartende Person aus dem wer-Satz wieder auf. Geht steht im Singular; barfuß beschreibt die Art des Gehens und bleibt ungebeugt.
