Wer nichts hat, dem entfällt nichts
Form & Grammatik
- Stichwort
- Wer nichts hat, dem entfällt nichts.
- Form
- Wer-Satz mit wiederaufnehmendem dem im Hauptsatz.
Gebrauch: Historisch überliefert. Entfallen hat hier die ältere allgemeine Bedeutung verloren gehen; als Trost oder Scherz auf den konkreten Besitz beziehen.
Definition · kurz erklärt
Was jemand nicht besitzt, kann ihm auch nicht verloren gehen.
Bedeutungen
Ohne Besitz kein Verlust dieses Besitzes
Entfallen bedeutet hier abhandenkommen oder verloren gehen. Der Spruch hebt zugespitzt eine Kehrseite fehlenden Besitzes hervor: Man muss den Verlust dessen nicht fürchten, was man ohnehin nicht hat. Er kann als Scherz oder als Trost gemeint sein, beschreibt aber nicht sämtliche Folgen von Armut.
Als in der Familie über die Pflege empfindlicher alter Vasen gesprochen wird, sagt Jonas: „Bei mir kann keine solche Vase zerbrechen. Ich besitze gar keine – wer nichts hat, dem entfällt nichts.“
Jonas bezieht den Spruch auf die genannten Vasen. Er kann davon keine verlieren, weil er keine besitzt; über seine übrigen Lebensumstände ist damit nichts gesagt.
Fehlender Besitz kann selbst ein ernstes Problem sein. Dass ein bestimmter Verlust ausgeschlossen ist, macht Armut nicht vorteilhaft.
Ähnliche Sprichwörter und ihre Unterschiede
Wo nichts ist, hat der Kaiser sein Recht verloren
Beide Formeln setzen bei fehlenden Mitteln oder fehlendem Besitz an. Die Kaiser-Formel beschreibt die Grenze einer Forderung: Wo nichts vorhanden ist, lässt sich nichts herausholen. Entfällt nichts betrifft den möglichen Verlust aus Sicht der Person, die nichts hat. Beide Betrachtungen können dieselbe leere Kasse betreffen.
„Aus dieser leeren Kasse ist nichts zu holen“ begrenzt eine Erwartung. „Aus dieser leeren Kasse kann auch nichts verschwinden“ betrachtet den möglichen Verlust.
Beispiele und Verwendung
Einen begrenzten Scherz erklären
„Um eine kostbare Sammlung brauche ich mir keine Sorgen zu machen: Ich habe keine.“
Der Scherz betrifft diesen einen Besitz. Gegenüber einer Person in echter Not kann der Spruch deren Lage verharmlosen.
Grammatik
Wer ist das Subjekt zu hat. Dem nimmt die gemeinte Person im Dativ wieder auf. Das zweite nichts ist das Subjekt zu entfällt; die Form steht in der dritten Person Singular von entfallen. Hier geht es um verlorenen Besitz, nicht um etwas, das jemand vergessen hat. Das Komma trennt den wer-Satz vom Hauptsatz.
Varianten
Auch „Wer nichts hat, was kann der verlieren?“ ist in der historischen Sammlung belegt. Die Fragefassung erklärt denselben Gedanken.
