Banausin
Form & Grammatik
Substantiv- Stichwort
- Banausin
- Worttrennung
- Ba·nau·sin
- Artikel
- die Banausin
- Geschlecht
- Femininum
- Genitiv
- der Banausin
- Plural
- die Banausinnen
Banausin ist die weibliche Form von Banause. Das Wort wertet eine Person als wenig verständnisvoll oder empfänglich für Kunst und geistige Fragen ab. Bei der Verwendung sollte erkennbar bleiben, wer dieses Urteil fällt und worauf es sich stützt.
Ein Vorwurf, kein neutraler Steckbrief
Als Banausin wird eine Frau abwertend bezeichnet, wenn man ihr fehlendes Verständnis für Kunst oder geistige Fragen zuschreibt. Die weibliche Form gehört zu Banause. Beide Wörter können einen pauschalen Vorwurf enthalten, der durch die genannte Einzelbeobachtung noch nicht ausreichend begründet ist.
Es macht einen Unterschied, ob jemand ein bestimmtes Gedicht nicht versteht, sich dafür nicht interessiert oder es nach genauer Beschäftigung ablehnt. Die Bezeichnung Banausin kann diese unterschiedlichen Situationen zusammenwerfen. Eine verständliche Erklärung benennt deshalb zunächst, was die Person tatsächlich sagt oder tut.
Auch ein selbstironischer Gebrauch ist möglich: Jemand stellt sich beim Besuch einer Ausstellung scherzhaft als Banausin vor. Daraus folgt nicht, dass die Person wirklich keinerlei Kunstkenntnisse besitzt. Sie kann Unsicherheit überspielen oder überhöhte Erwartungen zurückweisen.
Synonyme: Welches Wort passt?
| Alternative | Geeigneter Zusammenhang | Unterschied |
|---|---|---|
| Kunstbanausin | eine kunstbezogene Abwertung | Nennt den Bereich ausdrücklich, bleibt aber ein Urteil über die Person. |
| kunstunverständige Frau | den Vorwurf erläutern | Erklärt die Wertung; ist nicht automatisch eine neutrale Feststellung. |
| Kulturmuffel | fehlende Lust auf kulturelle Angebote | Umgangssprachlich; Unlust und fehlendes Verständnis sind verschieden. |
| Ignorantin | vorwurfsvolle Kritik an Unwissenheit | Breiterer Vorwurf, der auch andere Wissensbereiche betreffen kann. |
Eigene Beispiele: Selbstironie
Ausgangssatz: Beim Blick auf das komplizierte Programm nannte sich Leyla lachend eine Banausin.
Alternative: Beim Blick auf das komplizierte Programm stellte Leyla sich lachend als wenig kunstverständig dar.
Die eigenen Sätze beschreiben eine Selbstdarstellung. Die zweite Fassung bewahrt die Distanz zwischen Selbstbezeichnung und tatsächlichem Wissen. Ob Leyla die Musik kennt, bleibt offen; das Lachen allein erklärt ihren Kenntnisstand nicht.
Eigene Beispiele: eine fremde Wertung
Ausgangssatz: Die Kritikerin nennt die Besucherin eine Banausin, nachdem diese nach dem Zweck der Installation gefragt hat.
Alternative: Die Kritikerin spricht der Besucherin wegen ihrer Frage das Verständnis für Kunst ab.
Die Alternative macht den wertenden Vorgang sichtbar. Eine Verständnisfrage ist aber noch kein Beweis für Unverständigkeit. In einer Analyse wäre deshalb auch zu prüfen, ob die Kritikerin andere Sichtweisen vorschnell zurückweist.
Die Banausin, die Banausinnen
Banausin ist ein feminines Substantiv. Im Singular bleibt die Form in allen vier Fällen gleich. Die Mehrzahl endet auf -innen, also mit zwei n in dieser Endung.
Deklination von Banausin
| Fall | Singular | Plural |
|---|---|---|
| Nominativ | die Banausin | die Banausinnen |
| Genitiv | der Banausin | der Banausinnen |
| Dativ | der Banausin | den Banausinnen |
| Akkusativ | die Banausin | die Banausinnen |
Es heißt mit einer Banausin und über die Banausinnen. Das Nomen wird großgeschrieben. Banausin enthält au und nur ein s. Das Adjektiv banausisch wird dagegen innerhalb eines Satzes kleingeschrieben und richtet sich vor einem Nomen nach dessen Fall und Geschlecht.
Wertungen kenntlich machen
Die Kennzeichnung abwertend beschreibt hier die herabsetzende Funktion des Wortes. Sie bedeutet nicht, dass jedes Vorkommen denselben Grad an Feindseligkeit hat. Ein vertrauter Scherz, eine Selbstbeschreibung und eine öffentliche Beschimpfung sind unterschiedliche Gesprächshandlungen.
Für eigene sachliche Texte ist eine konkrete Formulierung häufig hilfreicher: „Sie interessiert sich nicht für diese Musikrichtung“ sagt weniger über die ganze Person und mehr über den tatsächlich gemeinten Bereich. Wer ein literarisches Urteil untersucht, kann dagegen erklären, welche Maßstäbe die sprechende Figur mit Banausin durchsetzen will. Weitere Formen findest du im Substantivwörterbuch.
