Bauer
Form & Grammatik
- Stichwort
- Bauer
- Worttrennung
- Bau·er
- Artikel
- der Bauer; beim Vogelkäfig: das Bauer, auch der Bauer
- Geschlecht
- maskulin; Vogelkäfig: neutrum, auch maskulin
- Genitiv
- Landwirtschaft und Spiel: des Bauern, selten des Bauers; Erbauer und Vogelkäfig: des Bauers
- Plural
- Landwirtschaft, Stand, Beschimpfung und Spiel: die Bauern. Erbauer und Vogelkäfig: die Bauer; Dativ jeweils den Bauern.
Gebrauch: Mehrere Nomen mit bedeutungsabhängigen Formen. Personenbezeichnungen können je nach Kontext geschlechtsübergreifend gebraucht werden. Als Beschimpfung abwertend; Kartenbezeichnungen je nach regionalem Spiel.
Definition · kurz erklärt
Ein Bauer betreibt Landwirtschaft; das Wort bezeichnet außerdem einen Angehörigen des historischen Bauernstandes sowie Figuren beim Schach und bestimmte Spielkarten. Davon zu unterscheiden sind Bauer für einen Erbauer und das oder der Bauer für einen Vogelkäfig. Die Bedeutung entscheidet über Formen und Gegenbezeichnung: Bäuerin gehört zur Landwirtschaft, Bauerin ohne Umlaut zum Erbauen.
Bedeutungen
Eine Person, die Landwirtschaft betreibt
Ein Bauer betreibt Ackerbau, Viehhaltung oder andere landwirtschaftliche Arbeit als Beruf. Landwirt ist eine naheliegende Entsprechung. Die Bezeichnung sagt nicht allein, wie groß der Betrieb ist oder wem der Boden gehört.
„Der Bauer erntet das Getreide auf dem Feld hinter dem Hof.“
Gemeint ist eine Tätigkeit in der Landwirtschaft. Das Nomen ist grammatisch maskulin, kann je nach Zusammenhang aber auch geschlechtsübergreifend verwendet werden. Die ausdrücklich weibliche Bezeichnung lautet Bäuerin.
Ein Angehöriger des historischen Bauernstandes
In Texten über eine Ständegesellschaft kann Bauer die Zugehörigkeit zum Bauernstand bezeichnen. Dann steht die gesellschaftliche Einordnung im Vordergrund, nicht nur eine einzelne landwirtschaftliche Tätigkeit.
„Das Geschichtsbuch vergleicht die Lebensbedingungen von Bauern und Angehörigen des Adels.“
Der Satz unterscheidet gesellschaftliche Gruppen. Welche Rechte und Abhängigkeiten bestanden, muss für die jeweilige Zeit und Region gesondert erklärt werden.
Abwertend: ein grober oder ungehobelter Mensch
Umgangssprachlich kann Bauer als Beschimpfung für einen Menschen mit als grob oder schlecht empfundenen Manieren stehen. Diese Wertung ist von der neutralen Berufsbezeichnung zu trennen.
„Weil er alle anderen unterbricht, beschimpft ihn eine Figur der Erzählung als Bauern.“
Die Beschimpfung bewertet das Verhalten und belegt keinen landwirtschaftlichen Beruf. Sie setzt eine Person herab und kann zugleich ein abwertendes Bild von Bauern transportieren.
Eine Figur beim Schach
Beim Schach heißt die im üblichen Figurenvergleich niedrig bewertete Figur Bauer. Der Ausdruck bezeichnet einen Spielstein und keine Person, die Landwirtschaft betreibt.
„Um ihre Dame zu retten, opfert die Spielerin einen Bauern.“
Die Aussage beschreibt eine Entscheidung auf dem Schachbrett. Die konkrete Stellung und die Güte des Zuges gehen aus dem Wort Bauer allein nicht hervor.
Eine Spielkarte: Bube oder Unter
Je nach regionalem Sprach- und Spielgebrauch heißt auch eine Karte, die als Bube oder Unter bezeichnet wird, Bauer. Welches Blatt gemeint ist, zeigt das jeweilige Spiel.
„In dieser Kartenrunde nennt Ben den Herzbuben Herzbauer und legt den Bauern auf den Tisch.“
Die Bezeichnung gehört zu diesem Spielzusammenhang. Die Rangfolge der Karten lässt sich nicht ohne Kenntnis des Spiels pauschal festlegen.
Eine Person, die etwas baut oder erbaut
Ein anderes Bauer bezeichnet eine Person, die etwas baut beziehungsweise erbaut. Diese Bedeutung steckt auch in vielen Zusammensetzungen. Der Genitiv lautet hier des Bauers, der Plural die Bauer. Die weibliche Gegenbezeichnung ist Bauerin ohne Umlaut.
„Der Bauer des hölzernen Modells erklärt, wie die Einzelteile zusammengefügt wurden.“
Erbauer wäre hier eine deutlichere Umschreibung. Es geht weder um einen landwirtschaftlichen Beruf noch um einen Vogelkäfig.
Ein Vogelkäfig
Auch ein Vogelkäfig kann Bauer heißen. In dieser Bedeutung sind das Bauer und der Bauer möglich; der Genitiv lautet des Bauers, der Plural die Bauer.
„Der Vogel sitzt im Bauer auf einer schmalen Stange.“
Der Vogel und die Sitzstange machen den Käfigbezug deutlich. Aus der verkürzten Verbindung im Bauer lässt sich das neutrale oder maskuline Genus nicht ablesen, weil beide im Dativ dem Bauer lauten.
Synonyme: andere Wörter für Bauer
In der Landwirtschaft: Landwirt oder Farmer
Landwirt beschreibt die berufliche Tätigkeit meist sachlich. Farmer passt besonders zum Betrieb einer Farm und kann einen anderen regionalen Zusammenhang anklingen lassen. Keines der Wörter ersetzt den historischen Stand oder die Spielfigur ohne Bedeutungsänderung.
„Der Bauer bewirtschaftet die Felder.“ → „Der Landwirt bewirtschaftet die Felder.“
In diesem Berufskontext bleibt die Aussage ähnlich. Die Spielerin zieht den Landwirt wäre dagegen keine übliche Umformulierung eines Schachzugs.
Bei der Beschimpfung: Flegel oder ungehobelter Mensch
Flegel · ungehobelter Mensch
Diese Wörter können die abwertende Verhaltensbeschreibung wiedergeben. Sie sind ebenso wenig neutrale Berufsbezeichnungen. Eine sachliche Kritik benennt besser das konkrete Verhalten.
„Er benimmt sich wie ein Bauer.“ → „Er benimmt sich wie ein Flegel.“
Beide Sätze werten die Person ab. Er unterbricht die anderen ständig würde den beobachteten Anlass konkreter beschreiben.
Beim Bauen: Erbauer
Erbauer · Hersteller
Erbauer macht die Bautätigkeit deutlich. Hersteller ist allgemeiner und kann sich auch auf Erzeugnisse beziehen, die nicht im engeren Sinn gebaut werden.
„Der Bauer des Modells erklärt seine Arbeit.“ → „Der Erbauer des Modells erklärt seine Arbeit.“
Hier passen beide Wörter für dieselbe Person. Beim landwirtschaftlichen Bauer würde der Austausch eine andere Tätigkeit behaupten.
Beim Käfig: Vogelkäfig
Vogelkäfig
Vogelkäfig benennt den Gegenstand eindeutig. Der kurze Ausdruck Bauer benötigt eher einen passenden Zusammenhang, weil dieselbe Schreibung mehrere andere Bedeutungen hat.
„Der Vogel sitzt im Bauer.“ → „Der Vogel sitzt im Vogelkäfig.“
Beide Sätze können denselben Aufenthaltsort nennen. Das Synonym betrifft ausschließlich die Käfigbedeutung.
Beispiele und Verwendung
Bäuerin: Landwirtschaft und traditioneller Familienbezug
„Die Bäuerin bewirtschaftet den Hof gemeinsam mit ihrer Familie.“
Hier wird eine Frau bei landwirtschaftlicher Arbeit bezeichnet. Bäuerin kann traditionell außerdem die Ehefrau eines Bauern meinen; eine solche Beziehungsbezeichnung allein sagt noch nicht, welche Arbeit sie tatsächlich ausübt.
Bauerin ohne Umlaut: eine andere Gegenbezeichnung
„Die Bauerin des Modells zeigt die fertige Konstruktion.“
Gemeint ist die Frau, die das Modell gebaut hat. Bäuerin mit Umlaut würde einen anderen Wortzusammenhang aufrufen. Die beiden femininen Nomen sind keine frei austauschbaren Schreibweisen.
Bauern kann mehrere grammatische Aufgaben erfüllen
„Die Bauern treffen sich; im Museum werden mehrere Bauer gezeigt, und an den Bauern hängen kleine Beschriftungen.“
Im ersten Teil ist Bauern die Mehrzahl der landwirtschaftlichen Personenbezeichnung. Im zweiten Teil sind Vogelkäfige gemeint: die Bauer, aber im Dativ an den Bauern. Die Form allein reicht ohne Kontext nicht immer zur Bedeutungsbestimmung.
Eine Berufsgruppe genauer bezeichnen
„Zur Versammlung kommen Bäuerinnen und Bauern aus der Region.“
Die Paarform nennt Frauen und Männer ausdrücklich. Die maskuline Form Bauern kann kontextabhängig auch geschlechtsübergreifend gebraucht werden, ohne dass dieser Bezug in jedem Satz eindeutig wäre.
Grammatik und Beugung
Für Landwirtschaft, Bauernstand, Beschimpfung sowie Schach- und Kartenbezeichnung ist die Reihe mit des Bauern, dem Bauern, den Bauern wichtig. Daneben sind des Bauers sowie dem Bauer und den Bauer belegt; der Genitiv Bauers ist in diesem Wortzusammenhang selten. Der Plural lautet immer Bauern. Bei Bauer für einen Erbauer und für einen Vogelkäfig lautet der Nominativ Plural dagegen Bauer, mit n nur im Dativ Plural. Beim Käfig sind beide Genera gesondert gezeigt. Die femininen Gegenbezeichnungen folgen danach in eigenen Tabellen.
| Fall | Singular: Reihe mit -n | Weitere Singularformen | Plural |
|---|---|---|---|
| Nominativ | der Bauer | der Bauer | die Bauern |
| Genitiv | des Bauern | des Bauers (selten) | der Bauern |
| Dativ | dem Bauern | dem Bauer | den Bauern |
| Akkusativ | den Bauern | den Bauer | die Bauern |
| Fall | Singular | Plural |
|---|---|---|
| Nominativ | der Bauer | die Bauer |
| Genitiv | des Bauers | der Bauer |
| Dativ | dem Bauer | den Bauern |
| Akkusativ | den Bauer | die Bauer |
| Fall | Singular: neutrum | Singular: maskulin | Plural für beide Genera |
|---|---|---|---|
| Nominativ | das Bauer | der Bauer | die Bauer |
| Genitiv | des Bauers | des Bauers | der Bauer |
| Dativ | dem Bauer | dem Bauer | den Bauern |
| Akkusativ | das Bauer | den Bauer | die Bauer |
| Fall | Singular | Plural |
|---|---|---|
| Nominativ | die Bäuerin | die Bäuerinnen |
| Genitiv | der Bäuerin | der Bäuerinnen |
| Dativ | der Bäuerin | den Bäuerinnen |
| Akkusativ | die Bäuerin | die Bäuerinnen |
| Fall | Singular | Plural |
|---|---|---|
| Nominativ | die Bauerin | die Bauerinnen |
| Genitiv | der Bauerin | der Bauerinnen |
| Dativ | der Bauerin | den Bauerinnen |
| Akkusativ | die Bauerin | die Bauerinnen |
Schreibweise und Worttrennung
Die Worttrennung des Hauptlemmas lautet Bau·er. Der Plural der Landwirtschafts- und Spielbedeutung wird Bau·ern getrennt; für Erbauer und Käfig bleibt Bau·er. Bei den Gegenbezeichnungen gelten Bäu·e·rin und Bäu·e·rin·nen beziehungsweise Bau·e·rin und Bau·e·rin·nen. Süddeutsch und österreichisch ist außerdem die kürzere Nennform Bäurin mit der Trennung Bäu·rin gebräuchlich. Die Tabellen zeigen die vollständigen Reihen von Bäuerin und Bauerin. Der Familienname Bauer bleibt von diesen gewöhnlichen Nomen getrennt.
Redewendungen und feste Verbindungen
Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht
Das Sprichwort kommentiert, dass jemand eine unbekannte Speise ablehnt. In einem weiteren Zusammenhang kann es auch Zurückhaltung gegenüber Ungewohntem kritisieren.
„Als Tim das unbekannte Gemüse schon vor dem Probieren ablehnt, sagt seine Schwester: ‚Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht.‘“
Der Spruch kann scherzhaft, aber auch herablassend wirken. Er beschreibt keine Eigenschaft aller landwirtschaftlich tätigen Menschen. Mehr zum Gebrauch erklärt der Artikel Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht.
Die dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln
Der Spruch wird verwendet, wenn Erfolg als mühelos oder unverdient empfunden wird. Er kann Neid oder Ärger darüber ausdrücken, dass Können und Ergebnis scheinbar nicht zusammenpassen.
„Als der völlig unvorbereitete Teilnehmer den Zufallspreis gewinnt, fällt im Publikum der Satz: ‚Die dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln.‘“
Die Formulierung ist spöttisch und wertend. Sie ist keine Tatsachenbehauptung über Landwirtschaft oder Intelligenz. Der vorhandene Sprichwortartikel erläutert den Vergleich ausführlicher.
Wortfamilie und verwandte Wörter
Bauernhof, Bauernhaus und Bauernstand gehören zum landwirtschaftlichen beziehungsweise historischen Wortzusammenhang. Bauernopfer greift die Schachfigur auf. Zusammensetzungen mit -bauer müssen nach ihrer Bedeutung gelesen werden: Bauen und Landwirtschaft sind nicht dasselbe.
