Bulle
Form & Grammatik
- Stichwort
- Bulle
- Worttrennung
- Bul·le
- Artikel
- der Bulle (Tier/Person); die Bulle (Urkunde)
- Geschlecht
- Maskulinum (Tier/Person); Femininum (Urkunde)
- Genitiv
- des Bullen (Tier/Person); der Bulle (Urkunde)
- Plural
- Bullen in beiden Bedeutungsbereichen
Ein Bulle ist ein geschlechtsreifes männliches Rind. In dieser Bedeutung ist Stier eine gebräuchliche Entsprechung. Auf Menschen übertragen kann Bulle einen kräftigen, massigen Mann bezeichnen oder als saloppe, oft abwertende Bezeichnung für einen Polizisten dienen.
Tierbezeichnung und Personenbezeichnung
Im landwirtschaftlichen Zusammenhang benennt Bulle das Tier. Die Bezeichnung enthält dort nicht von sich aus einen Vorwurf. Ein Bulle kann ruhig stehen; das Wort bedeutet nicht automatisch aggressives Verhalten.
Wird ein Mensch als Bulle bezeichnet, wird dagegen ein Vergleich mit körperlicher Kraft oder massiger Erscheinung hergestellt. Das kann grob und herabsetzend wirken. Körperbau und Verhalten bleiben verschiedene Dinge: Ein kräftiger Mann ist nicht allein deshalb rücksichtslos oder gewalttätig.
Bei der Polizeibedeutung ist besonders das Register wichtig. In einem sachlichen Bericht ist Polizist oder Polizeibeamter die angemessene neutrale Bezeichnung. Wird Bulle in einer Erzählung oder einem Gespräch benutzt, kann gerade die Wortwahl die Haltung des Sprechers sichtbar machen.
Ein anderes Wort ist die Bulle: Mit weiblichem Artikel kann eine historische Urkunde gemeint sein. Der Artikel verändert hier die Bedeutung, nicht das Geschlecht eines Tieres.
Welche Wörter sind wirklich austauschbar?
| Gebrauch | Alternative | Hinweis |
|---|---|---|
| Männliches Rind | Stier | Eine nahe Entsprechung im Tiergebrauch. |
| Kräftiger Mann | massiger Mann | Beschreibt sachlicher die Erscheinung, sofern sie tatsächlich gemeint ist. |
| Polizeibedeutung | Polizist | Entfernt die saloppe beziehungsweise abwertende Färbung. |
Ochse ist kein beliebiger Ersatz für Bulle: Die Tierbezeichnungen unterscheiden sich. Ebenso ist jeder Bulle ein Rind, aber nicht jedes Rind ein Bulle.
Zwei Satzpaare
Die Beispiele sind eigens formuliert.
Im Tiergebrauch
Ausgangssatz: „Der Bulle steht abseits von den Kühen auf der Weide.“
Alternative: „Der Stier steht abseits von den Kühen auf der Weide.“
Die Tierbedeutung bleibt erhalten. Aus keinem der beiden Sätze folgt, dass das Tier angreifen will. Eine solche Deutung benötigte weitere Beobachtungen.
Die Sprecherhaltung verändert sich
Ausgangssatz: „Die Figur warnt ihre Freunde, dass ein Bulle vor dem Haus steht.“
Neutrale Alternative bei Polizeibedeutung: „Die Figur warnt ihre Freunde, dass ein Polizist vor dem Haus steht.“
Die Information über die Anwesenheit bleibt bestehen. Der umgangssprachliche, möglicherweise feindselige Ton tritt zurück. Bei einer Analyse darf diese Wirkung nicht mit einer tatsächlichen Eigenschaft des Polizisten verwechselt werden.
Grammatik: schwache Deklination
Deklination von BulleDie vier Fälle
| Fall | Tier/Person: Singular | Tier/Person: Plural | Urkunde: Singular | Urkunde: Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | der Bulle | die Bullen | die Bulle | die Bullen |
| Genitiv | des Bullen | der Bullen | der Bulle | der Bullen |
| Dativ | dem Bullen | den Bullen | der Bulle | den Bullen |
| Akkusativ | den Bullen | die Bullen | die Bulle | die Bullen |
Beim maskulinen Tier- und Personenwort steht außer im Nominativ Singular die Endung -n. Das verwandte Adjektiv bullig beschreibt vor allem eine kräftige, gedrungene Erscheinung und wird im eigenen Artikel von Verhaltensurteilen abgegrenzt.
