Caprice

Form & Grammatik

Substantiv
Stichwort
Caprice

Formen und Verwendung im Detail

Eine Caprice, auch Kaprice geschrieben, ist eine eigenwillige Idee, Laune oder Forderung. Das Wort lässt den Wunsch häufig als wenig begründet oder schwer nachvollziehbar erscheinen. Es kann kritisch, aber auch mit nachsichtigem Humor verwendet werden.

Eine Laune mit eigener Färbung

Wer eine Entscheidung als Caprice bezeichnet, berichtet nicht bloß, dass jemand einen Wunsch hat. Er bewertet ihn als eigensinnig oder als Ausdruck einer augenblicklichen Laune. Besonders deutlich wird das, wenn eine bereits abgesprochene Lösung ohne erkennbaren sachlichen Anlass wieder geändert werden soll.

Diese Bewertung muss nicht zutreffen. Vielleicht kennt die beobachtende Person den Grund noch nicht. Ein ungewöhnlicher Gestaltungswunsch kann sorgfältig überlegt sein, auch wenn er anderen zunächst fremd erscheint. In einem sachlichen Bericht ist deshalb zwischen dem geäußerten Wunsch und seiner Bezeichnung als Caprice zu unterscheiden.

Das verwandte Adjektiv kapriziös beschreibt eine entsprechende eigenwillige oder launenhafte Art. Eine einzelne Caprice belegt jedoch noch keine dauerhafte Charaktereigenschaft. Dafür müsste ein Text wiederholtes Verhalten zeigen und mögliche Gründe berücksichtigen.

Caprice, Laune, Einfall und Marotte

WortPassende NäheUnterschied
LauneEin augenblicklicher Wunsch kann eine Laune sein.Laune bezeichnet auch die allgemeine Stimmung; diese Bedeutung hat Caprice nicht in gleicher Weise.
EinfallEine plötzlich auftauchende Idee.Neutraler und auch ausdrücklich positiv verwendbar. Die Bewertung als eigensinnig fehlt.
MarotteEine ungewöhnliche Eigenart oder Vorliebe.Legt eher eine wiederkehrende Gewohnheit nahe als einen einzelnen spontanen Wunsch.
eigenwilliger WunschEine verständliche Umschreibung.Kann zurückhaltender wirken, weil die Launenhaftigkeit nicht ausdrücklich behauptet wird.

Beispielpaar 1: Aus einer Idee wird eine Bewertung

Ausgangssatz: Kurz vor der Ausstellung äußerte der Künstler den Einfall, alle Bilder tiefer zu hängen.

Alternative: Kurz vor der Ausstellung äußerte der Künstler die Caprice, alle Bilder tiefer zu hängen.

Die eigenen Sätze nennen denselben Wunsch, bewerten ihn aber unterschiedlich. Einfall lässt dessen Qualität offen. Caprice legt nahe, dass die Änderung eigenwillig und womöglich nur einer Laune geschuldet sei. Diese Deutung sollte eine Beschreibung nicht unbemerkt einschmuggeln.

Beispielpaar 2: Einmalig oder regelmäßig?

Ausgangssatz: Den Tee heute nur aus einer grünen Tasse trinken zu wollen, war seine jüngste Caprice.

Alternative: Den Tee grundsätzlich nur aus einer grünen Tasse zu trinken, war seine Marotte.

Der erste Satz hebt einen aktuellen Wunsch hervor, der zweite eine feste Gewohnheit. Die Änderungen an heute und grundsätzlich machen den Bedeutungswechsel sichtbar. Marotte ist deshalb nicht bloß ein abwechslungsreiches Ersatzwort für jede Caprice.

Caprice als Musikbezeichnung

Caprice begegnet außerdem als Bezeichnung musikalischer Stücke, etwa in Werktiteln für Klavier oder Violine. In einer Konzertankündigung meint das Wort daher nicht ohne Weiteres eine Laune der ausführenden Person. Die konkrete Werkbezeichnung und der Komponistenname entscheiden über die Lesart. Eine Caprice zu spielen und eine Caprice zu haben sind zwei verschiedene Aussagen.

Schreibung, Herkunft und Formen

Es heißt die Caprice, im Genitiv der Caprice und im Plural die Capricen. Entsprechend wird die Variante Kaprice zu Kapricen. Innerhalb eines Textes ist eine einheitliche Schreibweise sinnvoll.

Das Wort wurde aus dem Französischen übernommen; französisch caprice bezeichnet ebenfalls eine Laune oder einen eigenwilligen Einfall. Für eine deutsche Erklärung ist diese Herkunft ein Hintergrundhinweis, kein Grund, französische Grammatik auf das Wort anzuwenden.

Wenn eher die wechselnde Stimmung als ein einzelner Wunsch gemeint ist, hilft die Abgrenzung zu launisch. So bleibt die Beschreibung bei dem, was tatsächlich beobachtet oder im Text dargestellt wird.