Imperativ
Form & Grammatik
- Lemma
- der Imperativ
- Wortart
- Substantiv, Maskulinum
- Worttrennung
- Im·pe·ra·tiv
- Genitiv
- des Imperativs
- Plural und Gebrauch
- die Imperative; Dativ Plural: den Imperativen.
Der Imperativ ist in der Grammatik die Aufforderungsform des Verbs, etwa geh! oder geht! Außerdem kann Imperativ eine nachdrückliche Forderung oder ein als verbindlich verstandenes Gebot bedeuten.
Bedeutungen
Eine Aufforderungsform des Verbs
Mit dem Imperativ lässt sich jemand direkt zu einer Handlung auffordern. Dazu gehören Befehle, aber auch Bitten, Ratschläge und Einladungen. Imperativ kann sowohl die grammatische Kategorie als auch eine einzelne entsprechende Verbform bezeichnen.
„Wirf mir bitte den Ball zu!“
Wirf ist die Imperativform für eine angesprochene Person. Das Wort bitte macht aus der Aufforderung eine höfliche Bitte, ohne die Verbform zu verändern.
Ein nachdrückliches Gebot
Übertragen bezeichnet Imperativ eine Forderung, die als besonders dringlich oder verbindlich dargestellt wird. Ob sie tatsächlich begründet oder allgemein anerkannt ist, muss aus dem Zusammenhang hervorgehen.
„Der Schutz der Beteiligten gilt der Gruppe als moralischer Imperativ.“
Die Gruppe behandelt den Schutz als verbindliches Gebot. Der Satz beschreibt diese Bewertung und begründet sie nicht schon durch das Fremdwort.
Imperativ: Synonyme und andere Wörter
Grammatische Form und kommunikative Absicht
Befehl · Aufforderung · Bitte
Aufforderung ist weiter als Befehl und schließt Bitten ein. Imperativ benennt dagegen eine grammatische Form. Eine Aufforderung kann auch anders formuliert sein.
„Öffne bitte das Fenster!“ enthält einen Imperativ. „Könntest du das Fenster öffnen?“ kann dieselbe Bitte ausdrücken, enthält aber keinen Imperativ.
Ein verbindlich gedachtes Anliegen
Gebot · Forderung · Verpflichtung
Gebot betont den normativen Anspruch, Forderung das nachdrückliche Verlangen. Verpflichtung kann eine bindende Aufgabe bezeichnen. Nicht jedes beliebige Ziel wird damit automatisch zu einem moralischen Imperativ.
„Sorgfalt ist unser oberstes Gebot“ ist eine verständliche Annäherung an „Sorgfalt ist unser moralischer Imperativ“.
Beispiele und Verwendung
Bei Geh zur Tür! wird eine einzelne Person angesprochen, bei Geht zur Tür! eine Gruppe. Du gehst zur Tür. enthält dagegen eine Aussageform. Der Unterschied ist an der Verbform erkennbar und hängt nicht allein vom Satzzeichen ab.
Auch Ruhe! oder Du kommst jetzt mit! können im Gespräch auffordern. Ein Ausrufezeichen macht ein Wort oder einen Satz somit nicht automatisch zum grammatischen Imperativ. Die höfliche Anrede verwendet eine weitere Aufforderungsform wie Gehen Sie bitte zur Tür!.
Grammatik und Beugung
Das Substantiv ist maskulin: der Imperativ, die Bildung des Imperativs. Im Plural heißt es die Imperative, im Dativ mit den Imperativen. Der Artikel erklärt das Nomen Imperativ; die einzelnen Verbformen müssen jeweils beim betreffenden Verb geprüft werden.
| Fall | Singular | Plural |
|---|---|---|
| Nominativ | der Imperativ | die Imperative |
| Genitiv | des Imperativs | der Imperative |
| Dativ | dem Imperativ | den Imperativen |
| Akkusativ | den Imperativ | die Imperative |
Herkunft
Imperativ wurde aus lateinisch (modus) imperativus übernommen. Zugrunde liegt imperare für „befehlen“ oder „anordnen“. Die Herkunft erklärt die traditionelle Bezeichnung als Befehlsform; der heutige Gebrauch umfasst ebenso Bitten und Ratschläge.
Was bedeutet kategorischer Imperativ?
Der Ausdruck gehört zu Immanuel Kants Moralphilosophie. Er bezeichnet ein unbedingt geltendes moralisches Gebot, dessen Anspruch nicht von einem bestimmten persönlichen Zweck abhängt. Kategorisch meint hier diese Unbedingtheit; der Ausdruck ist keine bloße Verstärkung für einen besonders laut gesprochenen Befehl.
