Jeremiade
Form & Grammatik
- Stichwort
- Jeremiade
- Worttrennung
- Je·re·mi·a·de
- Artikel
- die
- Geschlecht
- feminin
- Genitiv
- der Jeremiade
- Plural
- die Jeremiaden
Gebrauch: Eher literarisch oder altertümlich; häufig wertende Bezeichnung einer ausführlichen Klage.
Definition · kurz erklärt
Eine Jeremiade ist eine ausführliche, nachdrückliche Klage über Leid oder beklagte Zustände. Die Bezeichnung wirkt heute eher literarisch oder altertümlich und kann die Klage als überlang oder übertrieben bewerten.
Bedeutungen
Das Wort richtet den Blick auf die Art der Äußerung: Jemand entfaltet sein Leid, seine Enttäuschung oder seine Beschwerden in vielen Worten. Ob die Gründe dafür berechtigt sind, ist damit noch nicht entschieden. Eine Jeremiade kann sich auf persönliche Schwierigkeiten oder auf einen beklagten allgemeinen Zustand beziehen.
Wer die Äußerung eines anderen als Jeremiade bezeichnet, nimmt häufig Abstand zu ihr. Das Wort kann dann ausdrücken: Die Klage dauert zu lange, wiederholt sich oder erscheint dem Sprecher überzogen. In einem sachlichen Bericht ist „ausführliche Klage“ oft neutraler. Die Wertung sollte nicht unbemerkt als Tatsache in eine Zusammenfassung gelangen.
Jeremiade: Synonyme und andere Wörter
Eine Klage beschreiben
ausführliche Klage · Wehklage
Ausführliche Klage erklärt den Vorgang vergleichsweise neutral. Wehklage betont den Ausdruck von Schmerz und kann deutlich emotionaler klingen. Eine kurze Klage ist deshalb nicht automatisch eine Jeremiade; der ausführliche, nachdrückliche Charakter gehört zur üblichen Vorstellung.
„Der Monolog wird zu einer Jeremiade über verlorene Chancen.“ → „Der Monolog wird zu einer ausführlichen Klage über verlorene Chancen.“ Die zweite Fassung bewertet die Länge weniger spöttisch.
Die Beschwerde abwertend benennen
Jammerrede · Klagelied · Gejammer
Jammerrede und Gejammer können den Eindruck ausdrücken, dass eine Klage übertrieben ist. Klagelied ist auch im übertragenen Sinn möglich; damit ist nicht zwangsläufig ein gesungenes Lied gemeint. Für eine neutrale Inhaltsangabe sollte die abwertende Färbung bewusst gewählt oder ausdrücklich dem Sprecher zugeordnet werden.
„Der Nachbar nennt den Brief eine Jeremiade.“ → „Der Nachbar hält den Brief für eine lange Jammerrede.“ Die Umformulierung macht sein Urteil sichtbar.
Verwendung und Beispiele
„Aus der kurzen Bitte wird eine Jeremiade über alles, was im vergangenen Jahr misslungen ist.“
Der Satz zeigt eine Entwicklung von einer konkreten Bitte zu einer umfangreichen Klage. Er nennt den Themenbereich. Ohne weitere Textbelege lässt sich daraus nicht schließen, dass jedes geschilderte Problem bloß eingebildet ist.
„Die Erzählerin spricht von den Jeremiaden ihres Onkels, gibt ihm aber kaum Gelegenheit, selbst zu reden.“
Die Wortwahl ist hier Teil der Erzählerhaltung. Eine Analyse kann fragen, ob der Onkel tatsächlich ausführlich klagt oder vor allem aus der genervten Perspektive der Erzählerin erscheint. Die Bezeichnung allein entscheidet diese Frage nicht.
Grammatik
Jeremiade ist feminin. Im Singular bleibt die Wortform in allen vier Fällen gleich. Der Plural lautet Jeremiaden; das -n bleibt auch im Dativ Plural erhalten. „Mit den Jeremiaden“ erhält deshalb kein weiteres -n. Die Worttrennung lautet Je·re·mi·a·de.
| Fall | Singular | Plural |
|---|---|---|
| Nominativ | die Jeremiade | die Jeremiaden |
| Genitiv | der Jeremiade | der Jeremiaden |
| Dativ | der Jeremiade | den Jeremiaden |
| Akkusativ | die Jeremiade | die Jeremiaden |
Herkunft
Die Bezeichnung geht auf den Namen des biblischen Propheten Jeremia zurück. Im heutigen Gebrauch muss eine Jeremiade aber keinen religiösen Inhalt haben. Das Wort kann genauso die Klage einer literarischen Figur oder eine lang ausgeführte Beschwerde über Alltagsprobleme benennen. Das passende Verb lamentieren beschreibt ein klagendes Sprechen, ohne die Äußerung als einzelnes Stück zu zählen.
