Jungfräulichkeit
Form & Grammatik
- Stichwort
- Jungfräulichkeit
- Worttrennung
- Jung·fräu·lich·keit
- Artikel
- die
- Geschlecht
- Femininum
- Genitiv
- der Jungfräulichkeit
- Plural
- kein Plural in den erklärten Zustandsbedeutungen
Gehoben; sexuelle Bedeutung kulturell geprägt, daneben übertragener Gebrauch für Unberührtheit.
Definition · kurz erklärt
Jungfräulichkeit bezeichnet traditionell den Zustand, noch keinen Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. Übertragen kann das Wort auch meinen, dass etwas noch unberührt oder unangetastet ist. Die sexuelle Bedeutung ist kulturell geprägt und kein medizinisch nachweisbarer Körperzustand.
Bedeutungen
Sexuelle Erfahrung und gesellschaftliche Vorstellung
In vielen Texten bezieht sich Jungfräulichkeit auf das Fehlen vorheriger sexueller Erfahrung, häufig enger auf Geschlechtsverkehr. Welche Handlungen darunter verstanden werden, ist nicht überall gleich. Der Begriff sollte deshalb nicht wie eine einheitlich messbare medizinische Eigenschaft behandelt werden.
Besonders in älteren literarischen, religiösen oder gesellschaftlichen Zusammenhängen kann mit dem Wort eine Wertvorstellung verbunden sein. Eine Textanalyse kann diese Vorstellung beschreiben, ohne sie zu übernehmen. Jungfräulichkeit ist kein Maß für den Wert oder die moralische Qualität eines Menschen.
Noch unberührt oder unbenutzt
Bei Dingen kann das Wort bildhaft einen unberührten Zustand bezeichnen. Von der Jungfräulichkeit einer Fläche zu sprechen, kann etwa hervorheben, dass dort noch niemand eingegriffen hat. In sachlichen Texten ist oft genauer, die tatsächliche Eigenschaft zu nennen: unbenutzt, unbebaut oder unverändert.
Jungfräulichkeit: Synonyme und andere Wörter
Sexuelle Erfahrung benennen
noch keinen Geschlechtsverkehr gehabt haben · sexuelle Unerfahrenheit
Die Umschreibung mit Geschlechtsverkehr kann genauer sein, wenn eben dieser Sachverhalt gemeint ist. Sexuelle Unerfahrenheit ist weiter: Jemand kann wenig Erfahrung haben, ohne dem jeweiligen Verständnis von Jungfräulichkeit zu entsprechen.
„Der Roman macht ihre Jungfräulichkeit zum Thema.“ → „Der Roman thematisiert, dass sie noch keinen Geschlechtsverkehr hatte.“ Die zweite Fassung erläutert den gemeinten Sachverhalt und trägt weniger traditionelle Wertung.
Verzicht und Erfahrung unterscheiden
Keuschheit · Enthaltsamkeit
Keuschheit und Enthaltsamkeit beziehen sich auf Verhalten oder moralische Vorstellungen. Sie sagen nicht zwingend, ob eine Person früher Geschlechtsverkehr hatte. Diese Wörter sind deshalb keine unterschiedslos einsetzbaren Synonyme.
„Er lebt enthaltsam.“ beantwortet nicht die Frage, welche Erfahrungen er vor dieser Entscheidung gemacht hat.
Den übertragenen Sinn ausdrücken
Unberührtheit · Unbenutztheit · unversehrter Zustand
Das passende Wort hängt vom Gegenstand ab. Eine unbenutzte Sache ist noch nicht gebraucht worden; eine unversehrte Sache kann durchaus schon benutzt worden sein. Unberührtheit lässt mehr Spielraum, bleibt aber ebenfalls erklärungsbedürftig.
„Die Jungfräulichkeit des Geländes ging durch die Bauarbeiten verloren.“ → „Das zuvor unbebaute Gelände wurde bebaut.“ Die zweite Fassung nennt die tatsächliche Veränderung.
Verwendung und Beispiele
„In der Erzählung beurteilt die Familie eine Figur nach ihrer vermeintlichen Jungfräulichkeit.“
Der Satz beschreibt den Maßstab der Figuren. Er erhebt ihn nicht zur eigenen moralischen Bewertung und behauptet keinen körperlichen Nachweis.
„Die Autorin spricht bildhaft von der Jungfräulichkeit eines noch unbeschriebenen Blattes.“
Hier ist kein Mensch gemeint. Das Bild hebt den unbenutzten Zustand hervor; für eine nüchterne Beschreibung genügt unbeschrieben.
Grammatik
Jungfräulichkeit ist feminin: die Jungfräulichkeit, Genitiv der Jungfräulichkeit. Für die hier erklärten Zustandsbedeutungen wird das Wort im Singular verwendet. Die Worttrennung lautet Jung·fräu·lich·keit.
Das zugehörige Adjektiv ist jungfräulich. Das Substantiv benennt einen Zustand, das Adjektiv beschreibt etwas oder jemanden. Eine Veränderung der Wortart ist nicht mit einer Veränderung der Bedeutung gleichzusetzen.
| Fall | Singular |
|---|---|
| Nominativ | die Jungfräulichkeit |
| Genitiv | der Jungfräulichkeit |
| Dativ | der Jungfräulichkeit |
| Akkusativ | die Jungfräulichkeit |
Jungfernschaft, Jungfrauenschaft und Jungfrauschaft
Diese selteneren Substantive begegnen als andere Bezeichnungen für Jungfräulichkeit. Sie sind keine Namen zusätzlicher Körpermerkmale.
Jungfernschaft
Die Jungfernschaft, Genitiv der Jungfernschaft, ist veraltet. Die Worttrennung lautet Jung·fern·schaft. Gemeint ist im hier erklärten Gebrauch die traditionelle sexuelle Bedeutung. In einer heutigen Erläuterung passt Jungfräulichkeit oder eine konkrete Umschreibung.
Jungfrauenschaft
Die Jungfrauenschaft, Genitiv der Jungfrauenschaft, ist gehoben. Die Worttrennung lautet Jung·frau·en·schaft. Trotz der Endung -schaft ist hier keine Personengruppe gemeint, sondern der Zustand.
Jungfrauschaft
Die Jungfrauschaft, Genitiv der Jungfrauschaft, ist eine veraltete Bezeichnung für die sexuelle Bedeutung. Ihre Worttrennung lautet Jung·frau·schaft. Beim Wiedergeben eines historischen Textes kann das Originalwort stehen bleiben, sollte für heutige Leser aber erklärt werden.
„Die alte Erzählung verwendet Jungfrauschaft, wo eine heutige Erläuterung Jungfräulichkeit schreiben würde.“
Die sprachliche Modernisierung erleichtert das Verständnis. Die gesellschaftlichen Vorstellungen der erzählten Zeit müssen trotzdem gesondert betrachtet werden.
