jungfräulich

Jungfräulich: In einer traditionellen Personenbeschreibung sexuell unberührt; übertragen noch unbenutzt, unbearbeitet oder unerforscht. Das Wort bezeichnet keinen moralischen Wert.

Was bedeutet jungfräulich?

Jungfräulich kann in Bezug auf eine Person einen als sexuell unberührt beschriebenen Zustand meinen. Was dabei unter sexueller Erfahrung verstanden wird, hängt auch vom jeweiligen Sprach- und Wertzusammenhang ab. Die Bezeichnung ist keine verlässliche Aussage über Persönlichkeit, Ehrlichkeit oder menschlichen Wert.

Übertragen heißt jungfräulich häufig noch unbenutzt oder unbearbeitet. Ein jungfräuliches Notizbuch enthält noch keine Einträge; ein jungfräuliches Forschungsgebiet ist im gemeinten Zusammenhang noch kaum erschlossen. In solchen Verwendungen wird ein Zustand einer Sache beschrieben und keine sexuelle Bedeutung behauptet.

Für eine Charakterisierung ist entscheidend, wer das Wort verwendet. Eine Figur kann damit ein Ideal von Unberührtheit ausdrücken, während eine andere diese Bewertung ablehnt. Äußeres Auftreten, Schüchternheit oder Unerfahrenheit in einem bestimmten Gespräch beweisen keine sexuelle Vorgeschichte. Eine Textanalyse sollte deshalb vorhandene Aussagen einordnen und keine intimen Tatsachen dazuerfinden.

Auf den PunktJungfräulich bezeichnet je nach Kontext einen sexuellen oder übertragenen Zustand. Es ist kein Beleg für moralische Reinheit und lässt sich nicht aus dem Aussehen erschließen.

Beispiele und Verwendung

Die erwachsene Erzählerin bezeichnete sich selbst als jungfräulich, ohne daraus einen besonderen moralischen Anspruch abzuleiten.

So ist es gemeint: Die Aussage wird als Selbstbeschreibung eingeordnet und nicht als Wertmaßstab übernommen.

Vor ihr lag ein jungfräuliches Skizzenbuch ohne einen einzigen Strich.

So ist es gemeint: Die übertragene Bedeutung ist durch den unbenutzten Gegenstand eindeutig.

Das ungewohnte Gespräch machte ihn verlegen; daraus ließ sich nicht schließen, dass er jungfräulich war.

So ist es gemeint: Ein beobachtbares Verhalten wird von einer unbelegten privaten Vorgeschichte getrennt.

Typische Verbindungen: ein jungfräuliches Blatt, jungfräuliches Gelände, jungfräulich im übertragenen Sinn, sich als jungfräulich bezeichnen.

Synonyme und Bedeutungsunterschiede

Unbenutzt
Ist bei Gegenständen die sachliche und meist eindeutigere Entsprechung.
Unerfahren
Bezieht sich auf fehlende Erfahrung in einem bestimmten Bereich und ist erheblich weiter als die sexuelle Verwendung von jungfräulich.
unschuldig
Kann fehlende Schuld oder eine als unbefangen empfundene Haltung bezeichnen. Sexuelle Erfahrung entscheidet nicht über Schuld oder Unschuld.

Bei Sachen passen benutzt, bearbeitet oder erschlossen. Für Personen sollte der gemeinte Erfahrungsbereich sachlich benannt werden, ohne daraus eine moralische Rangordnung zu machen.

Jungfräulich in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

In einer erfundenen Atelierszene legt Vera ein völlig leeres Skizzenbuch auf den Tisch und nennt es scherzhaft jungfräulich. Sie zögert vor dem ersten Strich, weil sie das neue Buch nicht verderben möchte. Über ihre Beziehungen oder sexuelle Erfahrung enthält die Szene keine Angaben.

  1. Beobachtung: Das Adjektiv bezieht sich ausdrücklich auf ein unbenutztes Skizzenbuch.
  2. Deutung: Veras Zögern kann einen hohen Anspruch an den ersten Entwurf zeigen; jungfräulich bezeichnet hier jedoch den Zustand des Gegenstands.
  3. Grenze der Aussage: Die Metapher erlaubt keine Aussage über Veras sexuelle Vorgeschichte. Auch ihr gesamter Charakter lässt sich daraus nicht ableiten.

Musterformulierung

Vera bezeichnet das leere Skizzenbuch übertragen als jungfräulich. Gemeint ist sein noch unbenutzter Zustand. Ihr Zögern vor dem ersten Strich deutet auf einen hohen Anspruch an den Beginn hin, während das Adjektiv selbst keine Aussage über ihre persönlichen oder sexuellen Erfahrungen enthält.

Die Musteranalyse klärt zuerst den Bezug des Wortes. Sie zeigt, wie ein Ausdruck im Umfeld einer Figur vorkommen kann, ohne dadurch zu deren Charaktereigenschaft zu werden.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.

Grammatik und richtige Schreibweise

Wortart
Adjektiv (Eigenschaftswort)
Worttrennung
jung·fräu·lich
Verwandtes Nomen
die Jungfräulichkeit

Jungfräulich wird zusammengeschrieben und enthält äu. Formen sind ein jungfräuliches Blatt und auf jungfräulichem Gelände. Das Adjektiv ist nicht auf weibliche Personen beschränkt. Seine genaue Bedeutung ergibt sich aus dem Nomen und dem Zusammenhang.

SteigerungBei der sachlichen Aussage eines unbenutzten oder als sexuell unberührt bezeichneten Zustands ist die Grundform üblich. Vergleichsformen wie jungfräulicher können in bildhafter oder spielerischer Sprache vorkommen; sie brauchen einen nachvollziehbaren übertragenen Maßstab.

Beugung: Welche Endung passt?

Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativjungfräulicherjungfräulichejungfräulichesjungfräuliche
Genitivjungfräulichenjungfräulicherjungfräulichenjungfräulicher
Dativjungfräulichemjungfräulicherjungfräulichemjungfräulichen
Akkusativjungfräulichenjungfräulichejungfräulichesjungfräuliche
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder jungfräulichedie jungfräulichedas jungfräulichedie jungfräulichen
Genitivdes jungfräulichender jungfräulichendes jungfräulichender jungfräulichen
Dativdem jungfräulichender jungfräulichendem jungfräulichenden jungfräulichen
Akkusativden jungfräulichendie jungfräulichedas jungfräulichedie jungfräulichen
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein jungfräulichereine jungfräulicheein jungfräulicheskeine jungfräulichen
Genitiveines jungfräulicheneiner jungfräulicheneines jungfräulichenkeiner jungfräulichen
Dativeinem jungfräulicheneiner jungfräulicheneinem jungfräulichenkeinen jungfräulichen
Akkusativeinen jungfräulicheneine jungfräulicheein jungfräulicheskeine jungfräulichen

Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.

Wortbildung und Herkunft

Das Wort ist aus Jungfrau und der Adjektivendung -lich gebildet. Die übertragene Verwendung überträgt die Vorstellung des Unberührten auf Gegenstände oder Bereiche. Daraus folgt keine sprachliche Verpflichtung, sexuelle Unerfahrenheit positiv oder sexuelle Erfahrung negativ zu bewerten.

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