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Kamin

Form & Grammatik

Substantiv
Stichwort
Kamin
Worttrennung
Ka·min
Artikel
der Kamin; schweizerisch meist das Kamin
Geschlecht
maskulin; schweizerisch meist neutrum
Genitiv
des Kamins; beim maskulinen Wort auch des Kamines belegt
Plural
die Kamine; Dativ: den Kaminen

Gebrauch: Offene Feuerstelle, regional besonders süddeutsch/westösterreichisch/schweizerisch Schornstein; beim Bergsteigen enger Felsspalt. Dativ dem Kamine mit heute seltenerem Dativ-e.

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Ein Kamin kann eine offene Feuerstelle im Wohnraum, einen Schornstein oder beim Bergsteigen einen engen Felsspalt bezeichnen. Es heißt der Kamin, schweizerisch meist das Kamin. Die Mehrzahl lautet die Kamine.

Bedeutungen

Eine offene Feuerstelle im Wohnraum

Ein Kamin ist in dieser Bedeutung eine in die Wand eines Wohnraums eingebaute offene Feuerstelle mit Rauchabzug. Das Wort benennt die Feuerstelle und nicht bloß das Heizmaterial.

„Am Abend sitzen die Gäste vor dem Kamin im Wohnzimmer.“

Der Satz bezeichnet die Feuerstelle als Aufenthaltsort. Größe, Material und Gestaltung müssen bei Bedarf gesondert beschrieben werden.

Regional: ein Schornstein

Besonders im süddeutschen, westösterreichischen und schweizerischen Sprachgebrauch kann Kamin den Schornstein als Rauchabzug bezeichnen.

„Die Zeichnung zeigt, wie der Kamin vom Ofenbereich bis über das Dach führt.“

Hier ist der Rauchabzug gemeint. Eine offene Feuerstelle muss damit nicht bezeichnet sein. Der örtliche Sprachgebrauch und der bauliche Zusammenhang helfen bei der Unterscheidung.

Beim Bergsteigen: ein enger Felsspalt

In der Sprache des Bergsteigens ist ein Kamin ein schmaler Spalt zwischen steilen Felswänden. Die Bezeichnung beschreibt eine Geländeform.

„Im Tourenbericht ist ein enger Kamin zwischen den Felswänden eingezeichnet.“

Der Zusammenhang ist hier das Gebirge. Das Wort hat in dieser Lesart keine Heiz- oder Rauchabzugsfunktion und nennt noch keine Schwierigkeit einer bestimmten Tour.

Synonyme: andere Wörter für Kamin

Bei der Feuerstelle: offene Feuerstelle oder Cheminée

offene Feuerstelle · Cheminée

Offene Feuerstelle erklärt den Gegenstand unmittelbar. Cheminée wird im schweizerischen Gebrauch für einen entsprechenden Kamin verwendet.

„Im Wohnzimmer gibt es einen Kamin.“ → „Im Wohnzimmer gibt es ein Cheminée.“

Der Vergleich passt zur Feuerstelle. Für den Felsspalt im Gebirge wäre das Wort kein Ersatz.

Beim Rauchabzug: Schornstein oder Rauchfang

Schornstein · Rauchfang

Schornstein macht die Rauchabzugsbedeutung deutlich. Rauchfang ist eine österreichische Entsprechung. Die Wörter sollten im jeweiligen baulichen Zusammenhang verglichen werden.

„Der Kamin ragt über das Dach.“ → „Der Schornstein ragt über das Dach.“

Hier können beide Sätze denselben Gebäudeteil beschreiben. Die offene Feuerstelle im Wohnzimmer wird dadurch nicht zu einem Bauteil auf dem Dach.

Bei der Geländeform: enger Felsspalt

enger Felsspalt · Spalt zwischen steilen Felswänden

Die Umschreibung erklärt die Bergsteigerbedeutung. Sie ist für Leser hilfreich, die Kamin zunächst mit einer Feuerstelle verbinden.

„Der Bericht beschreibt einen schmalen Kamin.“ → „Der Bericht beschreibt einen schmalen Felsspalt.“

Das passt nur zum Geländegebrauch. Der Satz ersetzt keine genaue Beschreibung der örtlichen Felsform.

Beispiele und Verwendung

Zwei bauliche Bezüge unterscheiden

„Vor dem Kamin liegen Holzscheite; der Rauch zieht durch den Schornstein ab.“

Die Wortwahl unterscheidet hier die Feuerstelle vom Rauchabzug. In einem regionalen Text könnte Kamin auch an der zweiten Stelle stehen.

Ein regional anderes Genus

„Im schweizerischen Text wird das Kamin des Hauses erwähnt.“

Die neutrale Form ist im schweizerischen Gebrauch meist üblich. Sie benennt dadurch nicht automatisch eine andere Art von Gegenstand.

Die Mehrzahl im Dativ

„Der Bericht vergleicht die Schäden an den Kaminen mehrerer Häuser.“

Den Kaminen ist Dativ Plural. Gegenüber die Kamine kommt ein n hinzu.

Grammatik und Beugung

Kamin ist maskulin, im schweizerischen Gebrauch meist neutral. Für der Kamin sind des Kamins und des Kamines belegt; beim neutralen Wort steht des Kamins. Die Mehrzahl lautet in beiden Fällen Kamine, im Dativ Kaminen. Neben dem heutigen endungslosen Dativ dem Kamin ist dem Kamine mit dem heute selteneren Dativ-e belegt.

Der Kamin: maskuline Formen; Dativ-e heute seltener
FallSingularPlural
Nominativder Kamindie Kamine
Genitivdes Kamins / des Kaminesder Kamine
Dativdem Kamin; seltener: dem Kamineden Kaminen
Akkusativden Kamindie Kamine
Das Kamin: schweizerisch meist neutrales Genus; Dativ-e heute seltener
FallSingularPlural
Nominativdas Kamindie Kamine
Genitivdes Kaminsder Kamine
Dativdem Kamin; seltener: dem Kamineden Kaminen
Akkusativdas Kamindie Kamine

Schreibweise und Worttrennung

Die Worttrennung lautet Ka·min, im Plural Ka·mi·ne. Die Mehrzahl wird mit -e, im Dativ Plural mit -en geschrieben. Eine Form mit verändertem Stammvokal wird hier nicht gebildet.

Redewendungen und feste Verbindungen

Etwas in den Kamin schreiben

Etwas, besonders Geld, wird als verloren betrachtet.

„Nach dem gescheiterten Projekt meint die Figur, sie könne das ausgegebene Geld in den Kamin schreiben.“

Umgangssprachlich und bildhaft. Der Satz meint keinen wirklichen Schreibvorgang an der Feuerstelle, sondern eine Einschätzung des Verlustes.

Wortfamilie und verwandte Wörter

Kaminfeuer, Kaminholz und Kaminbesteck gehören zur Feuerstelle. Heizungskamin und Industriekamin präzisieren die Abzugsfunktion. Kaminkletterei gehört zum Gebirgsgebrauch; diese Wortfamilien dürfen nicht auf eine einzige Funktion reduziert werden.