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Kamm

Form & Grammatik

Substantiv
Stichwort
Kamm
Worttrennung
Kamm
Artikel
der Kamm
Geschlecht
maskulin
Genitiv
des Kamms oder des Kammes
Plural
die Kämme; Dativ: den Kämmen

Gebrauch: Frisiergerät sowie verschiedene Tier-, Landschafts-, Textil-, Bau- und Weinbedeutungen. Heutiger Dativ Singular: dem Kamm; daneben ältere beziehungsweise gehobene Form dem Kamme.

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Ein Kamm ist vor allem ein Gerät mit Zinken zum Ordnen oder Feststecken der Haare. Das Wort bezeichnet außerdem bestimmte Körperteile von Tieren, einen Berg- oder Wellenrücken und mehrere fachsprachliche Gegenstände. Der Genitiv lautet des Kamms oder des Kammes, der Plural die Kämme.

Bedeutungen

Ein Gerät zum Ordnen oder Feststecken der Haare

Ein Kamm hat nebeneinander angeordnete Zinken. Er wird durch das Haar geführt, um es zu glätten und zu ordnen; eine entsprechende Bauform kann auch zum Feststecken dienen. Material und Abstand der Zinken können unterschiedlich sein.

„Mit einem feinen Kamm zieht Nora einen geraden Scheitel.“

Hier beschreibt der Satz das Ordnen der Haare. Das Verb durchkämmen kann diese Tätigkeit genauer bezeichnen, hat aber auch übertragene Verwendungen.

Der fleischige Auswuchs am Kopf eines Hühnervogels

Bei Hühnervögeln heißt der oft rote, gezackte Hautlappen am Kopf Kamm. Das Wort benennt hier einen Körperteil.

„Der Hahn richtet den Kopf auf, sodass sein roter Kamm deutlich zu sehen ist.“

Der Kamm ist kein aufgesetzter Schmuck und kein Werkzeug. Die Form erinnert an die Zinken eines Frisierkamms.

Eine aufragende Bildung bei Amphibien und Reptilien

In der Zoologie kann Kamm eine gezackte Hautfalte oder eine entsprechende aufragende Horn- oder Knochenbildung bei Amphibien und Reptilien bezeichnen.

„Auf dem Rücken des dargestellten Reptils verläuft ein hoher Kamm.“

Der Satz nennt die auffällige Bildung. Aus Kamm allein folgt noch nicht, aus welchem Gewebe sie bei der jeweiligen Tierart besteht.

Ein Nackenstück von Schlachtvieh

Als Fleischbezeichnung meint Kamm ein Stück aus dem Nackenbereich eines geschlachteten Tieres. Der Zusammenhang muss die Tierart und den genauen Zuschnitt klären.

„Für das Gericht kauft Jona ein Stück Kamm vom Schwein.“

Hier geht es um ein Fleischstück. Die Bezeichnung darf nicht mit dem roten Kamm am Kopf eines Hahns gleichgesetzt werden.

Der obere Teil des Pferdehalses

Beim Pferd ist der Kamm der obere Halsbereich, an dem die Mähne sitzt. Gemeint ist der Körperbereich unter beziehungsweise entlang der Mähne, nicht die Mähne selbst.

„Auf der Zeichnung ist der Kamm des Pferdes unmittelbar unter der Mähne markiert.“

Der anatomische Ort wird beschrieben. Ein Kamm als Pflegewerkzeug für die Mähne wäre die erste Bedeutung des Wortes.

In der Jägersprache: Nacken und vorderer Rücken des Schwarzwildes

Bei Schwarzwild bezeichnet Kamm in der Jägersprache den Nacken und den vorderen Rückenbereich mit den langen Borsten.

„Die Abbildung zeigt die langen Borsten am Kamm des Keilers.“

Diese Fachbezeichnung gilt hier für einen bestimmten Körperbereich des Tieres. Sie ist nicht einfach ein anderer Name für sämtliche Borsten.

Der obere Rücken einer lang gestreckten Erhebung

Ein Kamm kann der obere, häufig zu beiden Seiten abfallende Teil einer länglichen Erhebung oder einer Reihe von Hügeln und Felsen sein. Er bildet eine Linie in der Landschaft.

„Der Wanderweg verläuft ein Stück auf dem Kamm, bevor er ins Tal absteigt.“

Gemeint ist ein längerer Höhenverlauf. Ein einzelner Gipfel ist nicht schon dieselbe Landschaftsform.

Der oberste Teil einer Welle

Bei einer Welle heißt ihr oberster Bereich Kamm. Wellenkamm macht diesen Bezug ausdrücklich.

„Auf den Kämmen der Wellen leuchtet weißer Schaum.“

Der Plural bezeichnet hier die oberen Bereiche mehrerer Wellen. Es geht nicht um Gegenstände, die auf dem Wasser treiben.

In der Weberei: der Weberkamm

Am Webstuhl kann Kamm kurz für Weberkamm oder Webeblatt stehen. Dieses kammartige Teil schiebt den zuletzt eingetragenen Schussfaden an das bereits entstandene Gewebe heran.

„Die Weberin führt den neuen Faden mit dem Kamm an das Gewebe heran.“

Gemeint ist ein Teil des Webstuhls. Ein gewöhnlicher Haarkamm erfüllt nicht allein wegen seiner ähnlichen Form dieselbe technische Aufgabe.

Ein kammartiges Teil einer Kämmmaschine

In der Textilindustrie bezeichnet Kamm außerdem eine entsprechend geformte Vorrichtung an einer Kämmmaschine. Die Ähnlichkeit mit dem Frisiergerät liegt in der kammartigen Anordnung.

„Bei der Wartung wird der Kamm der Kämmmaschine kontrolliert.“

Der Satz benennt ein Maschinenteil. Er beschreibt keinen Weberkamm am Webstuhl; die beiden textilen Anwendungen gehören zu unterschiedlichen Vorrichtungen.

Eine Querverbindung von Hölzern

Im Bauwesen heißt eine Querverbindung von Hölzern, die nicht auf gleicher Höhe liegen, Kamm. Der Ausdruck gehört hier zur Verbindung von Bauteilen.

„Im Plan ist die Querverbindung der beiden unterschiedlich hoch liegenden Hölzer als Kamm bezeichnet.“

Der Satz erklärt die technische Benennung. Ohne weitere Angaben folgt daraus noch keine genaue Ausführung der Verbindung.

Das Gerüst einer Weintraube ohne Beeren

In der Winzersprache bezeichnet Kamm den Fruchtstand einer Weintraube, nachdem die Beeren entfernt wurden. Übrig bleibt das verzweigte Gerüst, an dem die Beeren saßen.

„Nach dem Entfernen der Beeren liegen die Kämme getrennt neben der Schale.“

Hier bezeichnet Kämme die verbleibenden Traubengerüste, nicht die Beeren oder ein Gerät, mit dem sie entfernt wurden.

Synonyme: andere Wörter für Kamm

Bei den Haaren: Frisiergerät ist allgemeiner

Frisiergerät · Haarkamm

Haarkamm stellt den Zweck klar. Frisiergerät ist weiter gefasst; auch andere Hilfsmittel können darunter fallen. Eine Bürste hat eine andere Bauweise und ist kein überall passender Ersatz.

„Sie legt den Kamm neben den Spiegel.“ → „Sie legt das Frisiergerät neben den Spiegel.“

Der zweite Satz lässt offen, welches Gerät gemeint ist. Mit Bürste würde ein anderer Gegenstand bezeichnet.

In der Landschaft: Bergrücken oder Gebirgskamm

Bergrücken · Gebirgskamm

Diese Wörter machen den Landschaftsbezug deutlich. Gebirgskamm grenzt ihn auf ein Gebirge ein; Bergrücken bezeichnet eine entsprechende längliche Geländeform.

„Der Weg folgt dem Kamm.“ → „Der Weg folgt dem Bergrücken.“

In der beschriebenen Berglandschaft ist der Austausch möglich. Bei einer Welle oder einem Tierkörper wäre er falsch.

Beim Fleisch: Nackenstück

Nackenstück

Nackenstück erläutert den Körperbereich, aus dem das Fleisch stammt. Für einen eindeutigen Einkauf oder ein Rezept muss gegebenenfalls die Tierart hinzukommen.

„Für das Gericht wird Kamm vom Schwein verwendet.“ → „Für das Gericht wird ein Nackenstück vom Schwein verwendet.“

Beide Beschreibungen beziehen sich auf diesen Fleischbereich. Sie legen noch keinen identischen Zuschnitt oder dasselbe Gewicht fest.

Fachwörter durch ihren Zusammenhang erklären

Wellenkamm · Weberkamm · Webeblatt

Wellenkamm ist die genaue Bezeichnung für den oberen Wellenbereich. Weberkamm und Webeblatt gehören dagegen zum Webstuhl. Ein allgemeines Ersatzwort für alle Kamm-Bedeutungen gibt es nicht.

„Die Weberin kontrolliert den Kamm.“ → „Die Weberin kontrolliert das Webeblatt.“

Im Webzusammenhang passt diese Präzisierung. Für das Teil einer Kämmmaschine würde sie eine andere Vorrichtung behaupten.

Beispiele und Verwendung

Das Wortumfeld bestimmt die Lesart

„Der Kamm des Hahns und der Kamm für das Haar sehen sich ähnlich, sind aber verschiedene Dinge.“

Die Ergänzungen des Hahns und für das Haar unterscheiden Körperteil und Gerät. Das gleiche Genus und die gleichen Kasusformen heben diesen Bedeutungsunterschied nicht auf.

Zwei Genitivformen

„Ein Zinken des Kamms ist abgebrochen; die übrigen Zinken des Kammes sind unbeschädigt.“

Des Kamms und des Kammes sind beide Genitiv Singular. Der Wechsel der Endung bedeutet keinen Wechsel des Gegenstands.

Der Plural bekommt einen Umlaut

„Auf den Kämmen der Berge liegt noch Schnee.“

Kämmen ist hier Dativ Plural des Nomens. Das gleich geschriebene Verb kämmen ist eine andere grammatische Verwendung.

Grammatik und Beugung

Kamm ist maskulin. Der Genitiv hat die Varianten Kamms und Kammes. Der Plural lautet Kämme, der Dativ Plural Kämmen. Im heutigen neutralen Gebrauch steht dem Kamm; die ebenfalls belegte Form dem Kamme hat ein älteres beziehungsweise gehobenes Dativ-e. Sie steht deshalb nicht unkommentiert neben der gewöhnlichen Form. Die verschiedenen hier erklärten Bedeutungen folgen dieser Beugung.

Kamm in den vier Fällen; Dativ Kamme älter oder gehoben
FallSingularPlural
Nominativder Kammdie Kämme
Genitivdes Kamms / des Kammesder Kämme
Dativdem Kamm; älter/gehoben: dem Kammeden Kämmen
Akkusativden Kammdie Kämme

Schreibweise und Worttrennung

Kamm ist einsilbig. Der Plural wird Käm·me getrennt. Beide m bleiben in den Wortformen erhalten. Der Umlaut liegt im Stamm; die Markierung zeigt nur die angehängten Endungen.

Redewendungen und feste Verbindungen

Alle oder alles über einen Kamm scheren

Menschen oder Dinge werden gleich beurteilt oder behandelt, obwohl wichtige Unterschiede bestehen.

„Die Kritik schert alle Vorschläge über einen Kamm, obwohl sie ganz verschiedene Probleme lösen sollen.“

Die Wendung kritisiert eine pauschale Beurteilung. Das Verb scheren hat hier eine feste übertragene Verbindung, keinen wörtlichen Haarschnitt zum Gegenstand.

Jemandem schwillt der Kamm

Umgangssprachlich kann jemand übermütig werden oder in Zorn geraten. Welcher Sinn gemeint ist, ergibt sich aus dem Anlass.

„Nach dem dritten Lob schwillt ihm der Kamm, und er hält sich plötzlich für unfehlbar.“

Das Beispiel zeigt Übermut. In Bei der beleidigenden Bemerkung schwillt ihm der Kamm liegt dagegen Zorn nahe. Die Wendung beschreibt Menschen bildhaft; es wächst ihnen kein wirklicher Kamm.

Wortfamilie und verwandte Wörter

Haarkamm, Bergkamm, Wellenkamm und Weberkamm machen unterschiedliche Bezüge deutlich. Kammartig beschreibt eine ähnliche Form. Das Verb durchkämmen kann sowohl Haare ordnen als auch eine gründliche Suche bildhaft beschreiben.