Kollege
Form & Grammatik
- Stichwort
- Kollege
- Worttrennung
- Kol·le·ge
- Artikel
- der
- Geschlecht
- Maskulinum
- Genitiv
- des Kollegen
- Plural
- die Kollegen
Gebrauch: Schwache Deklination: auch dem Kollegen und den Kollegen im Singular. Schweiz auch: Freund; saloppe Anrede und historischer DDR-Gebrauch kontextabhängig.
Definition · kurz erklärt
Ein Kollege steht zu einer anderen Person in einer beruflichen oder institutionellen Beziehung: Beide arbeiten etwa im selben Betrieb oder üben denselben Beruf aus. Das Wort sagt zunächst nichts über Freundschaft aus. Im Schweizer Gebrauch kann es allerdings auch einen Freund bezeichnen.
Bedeutungen
Im selben Betrieb oder in derselben Einrichtung
Kollege bezeichnet eine Person, mit der jemand in einem Betrieb, einer Organisation oder einer Einrichtung tätig ist. Die Tätigkeiten müssen nicht identisch sein: Auch Beschäftigte verschiedener Abteilungen können Kollegen sein.
„Mein Kollege aus der Buchhaltung hilft beim Sommerfest.“
Der Satz nennt eine gemeinsame Arbeitsumgebung. Er sagt weder, dass beide denselben Beruf haben, noch dass sie privat befreundet sind.
Im selben Beruf
Als Kollegen können sich auch Menschen bezeichnen, die denselben Beruf an verschiedenen Orten ausüben. Diese Beziehung entsteht durch die gemeinsame berufliche Tätigkeit, nicht erst durch einen gemeinsamen Arbeitgeber.
„Die Ärztin beriet sich mit einem Kollegen aus einer anderen Praxis.“
Die Praxen sind getrennt; das gemeinsame Fachgebiet begründet hier die Bezeichnung. Eine persönliche Bekanntschaft über lange Zeit wird nicht vorausgesetzt.
In der Schweiz auch: Freund
Im Schweizer Sprachgebrauch kann Kollege eine befreundete Person meinen. Eine gemeinsame Arbeitsstelle muss dabei nicht vorhanden sein.
„Am Wochenende wandert er mit einem Kollegen, den er seit der Schulzeit kennt.“
Im Schweizer Kontext kann hier ein Freund gemeint sein. Außerhalb dieses Gebrauchs würden viele Leser zunächst an eine berufliche Verbindung denken.
Saloppe Anrede
Kollege kann als lockere Anrede auch an einen unbekannten Mann gerichtet sein. Dabei wird eine gewisse Vertrautheit hergestellt, obwohl keine tatsächliche Zusammenarbeit besteht.
„Kollege, kannst du kurz den Eingang freihalten?“
Der Ton kann freundlich oder ermahnend wirken. In einer förmlichen Situation ist diese Anrede häufig zu vertraulich; sie ersetzt keine persönliche Kenntnis.
Historisch: Anrede im Arbeitsleben der DDR
Im Sprachgebrauch der DDR wurde Kollege auch in einem weiteren Sinn für einen Werktätigen oder als entsprechende Anrede gebraucht. Diese historische Verwendung ist beim Lesen damaliger Texte zu beachten.
„In der erfundenen Betriebsszene aus der DDR spricht die Leiterin den Besucher als Kollegen an.“
Das Beispiel veranschaulicht den historischen Gebrauch, ohne eine alte Äußerung zu zitieren. Die Anrede beweist hier keine Tätigkeit im selben Betrieb.
Synonyme: andere Wörter für Kollege
Kollege und Mitarbeiter
Arbeitskollege · Mitarbeiter · Berufskollege
Arbeitskollege betont die gemeinsame Arbeitsumgebung. Mitarbeiter beschreibt eine Mitwirkung oder ein Beschäftigungsverhältnis, ohne dieselbe wechselseitige Beziehung hervorzuheben. Berufskollege passt auch bei verschiedenen Arbeitgebern.
„Er ist mein Kollege.“ → „Er ist ein Mitarbeiter unserer Firma.“
Der zweite Satz ordnet ihn der Firma zu. Der erste stellt ausdrücklich eine Beziehung zwischen ihm und der sprechenden Person her.
Kollege und Freund
Freund · Bekannter
Im allgemeinen beruflichen Gebrauch ist ein Kollege nicht automatisch ein Freund. Freund bezeichnet eine persönliche Beziehung; Bekannter bleibt hinsichtlich ihrer Nähe zurückhaltender.
„Ich lade einen Kollegen ein.“ → „Ich lade einen Freund ein.“
Außerhalb des Schweizer Gebrauchs verändert der Austausch die Aussage über die Beziehung. Beide Bezeichnungen können auf denselben Menschen zutreffen, müssen es aber nicht.
Beispiele und Verwendung
Der Artikel zeigt den Fall
„Ich frage den Kollegen, ob er morgen abkömmlich ist.“
Kollegen steht hier im Akkusativ Singular: Gefragt wird eine Person. Das n macht die Form nicht automatisch zum Plural. Abkömmlich bedeutet hier, dass der Kollege seine Arbeit vorübergehend verlassen kann.
Personenbezeichnung und Genus
„Der neue Kollege arbeitet mit zwei Kolleginnen zusammen.“
Kollege ist grammatisch maskulin; die feminine Gegenbezeichnung lautet Kollegin. Im Beispiel bezeichnet mit zwei Kolleginnen zwei Frauen; die Form steht im Dativ Plural. Kollegin ist ein eigenes Wort und keine Kasusform von Kollege. Bei Gruppen kann die maskuline Form geschlechtsübergreifend gemeint sein, ohne dass das immer eindeutig erkennbar ist. Die konkrete Formulierung sollte erkennen lassen, wer gemeint ist.
Grammatik und Beugung
Kollege wird schwach dekliniert. Nur der Nominativ Singular lautet Kollege; in den anderen Singularfällen und im gesamten Plural steht Kollegen. Richtig sind daher „die Tasche des Kollegen“, „mit dem Kollegen“ und „für den Kollegen“. Die erste Tabelle zeigt ausschließlich die Formen dieses maskulinen Hauptlemmas.
| Fall | Singular | Plural |
|---|---|---|
| Nominativ | der Kollege | die Kollegen |
| Genitiv | des Kollegen | der Kollegen |
| Dativ | dem Kollegen | den Kollegen |
| Akkusativ | den Kollegen | die Kollegen |
Die feminine Gegenbezeichnung: Kollegin
Für eine Frau im selben Beruf, Betrieb oder institutionellen Umfeld lautet die Bezeichnung die Kollegin. Ihr Genitiv ist der Kollegin, ihr Plural die Kolleginnen. Die folgende Tabelle gehört zu diesem eigenen femininen Wort. Sie ergänzt die Formen von Kollege, ohne beide Wörter in einer Beugungsreihe zu vermischen.
| Fall | Singular | Plural |
|---|---|---|
| Nominativ | die Kollegin | die Kolleginnen |
| Genitiv | der Kollegin | der Kolleginnen |
| Dativ | der Kollegin | den Kolleginnen |
| Akkusativ | die Kollegin | die Kolleginnen |
Im Singular bleibt die Wortform Kollegin in allen vier Fällen gleich. Im Plural heißt es durchgehend Kolleginnen, auch im Dativ: „mit den Kolleginnen“. Der Artikel und der Satzbau zeigen den Fall.
Schreibweise und Worttrennung
Die Worttrennung lautet Kol·le·ge, im Plural Kol·le·gen. Für die feminine Gegenbezeichnung gilt Kol·le·gin, im Plural Kol·le·gin·nen. Beide Wörter beginnen mit K und enthalten ein doppeltes l; Kolleginnen wird außerdem mit doppeltem n geschrieben.
Redewendungen und feste Verbindungen
Herr Kollege!
Eine berufliche Anrede, die die gemeinsame Tätigkeit oder Berufszugehörigkeit betont.
„Herr Kollege, wie beurteilen Sie diesen Vorschlag?“
Die Anrede kann in einem fachlichen Gespräch respektvoll wirken. Außerhalb eines solchen Rahmens kann sie auch scherzhaft oder distanziert klingen.
Wortfamilie und verwandte Wörter
Kollegial beschreibt einen kameradschaftlichen, unterstützenden Umgang im beruflichen Umfeld. Die Bezeichnung Kollege allein enthält diese positive Bewertung noch nicht: Auch mit einem wenig hilfsbereiten Kollegen besteht die berufliche Beziehung.
