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Neigung

Form & Grammatik

Substantiv
Stichwort
Neigung
Worttrennung
Nei·gung
Artikel
die
Geschlecht
Femininum
Genitiv
der Neigung
Plural
die Neigungen (bedeutungsabhängig)

Gebrauch: Vorgang, Anfälligkeit und Bereitschaft ohne Plural; Zuneigung selten im Plural. Vorlieben/Schräglagen zählbar.

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Neigung kann eine Schrägstellung, eine Vorliebe oder einen Hang zu etwas bezeichnen. Auch die Bereitschaft zu einem bestimmten Verhalten und ein Gefühl der Zuneigung können gemeint sein. Die räumlichen und persönlichen Bedeutungen sind zu unterscheiden.

Bedeutungen

Bedeutung 1: Eine Schräglage oder das Neigen

Bei einem Gegenstand meint Neigung dessen Schräglage oder das Neigen selbst. Die Neigung einer Arbeitsfläche lässt sich etwa verändern. Bei einer Kopfneigung steht dagegen häufig die Bewegung im Mittelpunkt.

„Sie veränderte die Neigung der Arbeitsfläche, damit das Blatt besser zu sehen war.“

Gemeint ist die räumliche Stellung. Ein persönliches Interesse wird nicht beschrieben.

Bedeutung 2: Ein Interesse oder eine Vorliebe

Eine persönliche Neigung ist eine Vorliebe oder ein besonderes Interesse. Sie sagt, womit sich jemand gern beschäftigt. Sie ist nicht dasselbe wie Begabung: Man kann sich sehr für etwas interessieren und trotzdem noch wenig Erfahrung damit haben.

„Schon früh zeigte er eine Neigung zur Musik, hatte aber noch keinen Unterricht erhalten.“

Interesse und erworbene Fähigkeiten bleiben unterscheidbar. Die Neigung allein belegt keine Ausbildung.

Bedeutung 3: Ein Hang oder eine Anfälligkeit

Neigung kann außerdem einen Hang zu einem Verhalten oder eine Anfälligkeit bezeichnen. „Eine Neigung zum Übertreiben“ meint eine wiederkehrende Tendenz, nicht zwingend eine bewusst gewählte Vorliebe.

„In seinen Erzählungen zeigte sich eine Neigung zum Übertreiben.“

Die Formulierung beschreibt eine wiederkehrende Tendenz. Sie muss keine bewusst gewählte Vorliebe meinen.

Bedeutung 4: Bereit sein, etwas zu tun

Bei „wenig Neigung haben, etwas zu tun“ geht es um geringe Bereitschaft. Diese Verwendung kann nur die betreffende Situation meinen.

„Nach dem langen Tag hatte sie wenig Neigung, noch eine weitere Aufgabe zu übernehmen.“

Die geringe Bereitschaft bezieht sich auf diese Situation. Ein dauerhafter Charakterzug folgt daraus nicht.

Bedeutung 5: Sich zu einer Person hingezogen fühlen

Zwischen Menschen kann Neigung ein zugewandtes Gefühl beschreiben. In einem literarischen Text ist zu prüfen, ob bloße Sympathie, Zärtlichkeit oder eine stärkere Bindung gemeint ist. Das Wort legt für sich allein nicht jede Einzelheit einer Beziehung fest.

„Im Laufe der Erzählung wächst ihre Neigung zu dem stillen Gast.“

Das Gefühl der Zugewandtheit wird beschrieben. Die genaue Stärke und Art der Beziehung muss der weitere Text zeigen.

Neigung: Synonyme und andere Wörter

Eine Schräglage beschreiben

Schrägstellung · Gefälle

Schrägstellung ist eine weite räumliche Umschreibung. Gefälle passt besonders zu einer abfallenden Fläche oder Strecke. Es ersetzt nicht die persönliche Neigung zu einem Hobby.

„Die Neigung der Tischplatte lässt sich verändern.“ → „Die Schrägstellung der Tischplatte lässt sich verändern.“ Der räumliche Sinn bleibt erhalten.

Ein Interesse oder einen Hang benennen

Vorliebe · Interesse · Tendenz

Vorliebe betont, was jemand gernhat. Interesse kann allgemeiner sein. Tendenz passt auch zu einem Verhalten, das die Person nicht ausdrücklich bevorzugt. Eine Neigung zur Eile ist nicht unbedingt Freude an der Eile.

„Sie folgt ihrer Neigung zum Zeichnen“ lässt sich als „Sie geht ihrer Vorliebe für das Zeichnen nach“ umschreiben.

Ein Gefühl für jemanden erklären

Zuneigung · Sympathie

Zuneigung bezeichnet ein zugewandtes Gefühl. Sympathie kann eine leichtere Form des Gefallens sein. Eine Gleichsetzung mit tiefer Liebe wäre ohne weiteren Textbeleg zu stark.

„Die Figur empfindet Neigung zu ihrem Nachbarn“ wird durch „Die Figur fühlt sich ihrem Nachbarn zugewandt“ vorsichtig erklärt.

Beispiele und Verwendung

„Die Neigung der Lesefläche verhindert, dass sich die Schülerin so weit vorbeugen muss.“

Das Wort bezeichnet eine räumliche Einstellung. Eine persönliche Vorliebe ist nicht gemeint.

„Ihre Neigung zur Musik war deutlich, obwohl sie erst wenige Stücke spielen konnte.“

Interesse und vorhandenes Können werden getrennt. Die Neigung beweist noch keine ausgeprägte Fertigkeit.

„Er zeigt wenig Neigung, den Streit erneut zu beginnen.“

Hier ist geringe Bereitschaft in einer konkreten Lage gemeint. Daraus folgt keine allgemeine Friedfertigkeit.

Grammatik und Beugung

Neigung ist feminin: die Neigung, Genitiv der Neigung. Der Plural lautet die Neigungen, im Dativ den Neigungen. Getrennt wird Nei·gung.

Der Plural passt besonders zu mehreren Interessen oder verschiedenen Schräglagen. Das Neigen als Vorgang und die Bedeutungen Anfälligkeit beziehungsweise Bereitschaft werden ohne Plural gebraucht. Im Sinn persönlicher Zuneigung ist der Plural selten.

Häufig folgt zu mit Dativ: die Neigung zum Übertreiben. Ein zu-Infinitiv kann die Handlung erläutern: die Neigung, vorschnell zu urteilen. Bei Vorlieben ist auch eine Ergänzung mit für möglich.

Neigung: Beugung nach Fällen
FallSingularPlural
Nominativdie Neigungdie Neigungen
Genitivder Neigungder Neigungen
Dativder Neigungden Neigungen
Akkusativdie Neigungdie Neigungen