Ruchlosigkeit
Form & Grammatik
- Stichwort
- Ruchlosigkeit
- Worttrennung
- Ruch·lo·sig·keit
- Artikel
- die
- Geschlecht
- Femininum
- Genitiv
- der Ruchlosigkeit
- Plural
- die Ruchlosigkeiten; einzelne gewissenlose Handlungen
Gehoben und stark moralisch wertend; Haltung Singular, einzelne Taten auch Plural.
Definition · kurz erklärt
Ruchlosigkeit bezeichnet ein als gewissenlos, skrupellos oder gemein bewertetes Verhalten. Das gehobene Wort kann die Haltung insgesamt oder eine einzelne ruchlose Tat meinen. Es ist ein starkes moralisches Urteil.
Bedeutungen
Bedeutung 1: Gewissenloses Verhalten insgesamt
Von Ruchlosigkeit spricht man, wenn jemand nach der Bewertung des Sprechers moralische Bedenken und Rücksicht auf andere übergeht. Die Bezeichnung ist deutlich stärker als unhöflich oder unbedacht. In einer Analyse muss sie deshalb am dargestellten Verhalten erläutert werden.
Die Ruchlosigkeit der Figur zeigt sich darin, dass sie das Vertrauen anderer bewusst für ihren Vorteil missbraucht.
Der bewusste Missbrauch begründet hier das Urteil. Die bloße Tatsache, dass die Figur eigene Ziele verfolgt, würde dafür noch nicht ausreichen.
Bedeutung 2: Eine einzelne gewissenlose Tat
Eine Handlung kann eine Ruchlosigkeit genannt werden; die Mehrzahl fasst entsprechende Taten zusammen. Der Ausdruck bewertet diese Handlungen, statt nur ihren Ablauf zu beschreiben.
Der Bericht zählt die Ruchlosigkeiten auf, die dem Machthaber zugeschrieben werden.
Es geht um einzelne Taten und ihre Bewertung. Wer die Behauptungen aufstellt und welche Belege es gibt, bleibt für das Verständnis wichtig.
Synonyme: andere Wörter für Ruchlosigkeit
Gewissenlosigkeit oder Rücksichtslosigkeit?
Gewissenlosigkeit · Skrupellosigkeit · Gemeinheit · Niedertracht
Gewissenlos und skrupellos stehen der Bedeutung nahe. Rücksichtslosigkeit hebt besonders die Missachtung anderer Interessen hervor. Ruchlosigkeit wirkt gehobener und moralisch besonders scharf.
„Die Bemerkung war unhöflich“ ist ein begrenztes Urteil. „Die Tat zeigt Ruchlosigkeit“ behauptet eine wesentlich schwerere moralische Verfehlung.
Beispiele und Verwendung
Den Sprecher nennen
Der Erzähler verurteilt die Tat als Ruchlosigkeit, während die handelnde Figur sie zu rechtfertigen versucht.
Die unterschiedlichen Bewertungen machen den Konflikt sichtbar. Eine Rechtfertigung der Figur muss nicht vom Erzähler geteilt werden.
Nicht aus dem Aussehen schließen
Die Analyse belegt die Ruchlosigkeit mit der Täuschung und ihren Folgen, nicht mit der düsteren Kleidung.
Eine äußere Gestaltung kann einen Eindruck unterstützen. Sie ersetzt aber keinen Beleg für ein moralisch bewertetes Handeln.
Grammatik und Beugung
Das feminine Nomen lautet die Ruchlosigkeit, Genitiv der Ruchlosigkeit, Plural die Ruchlosigkeiten. Die Worttrennung ist Ruch·lo·sig·keit.
Die allgemeine Eigenschaft steht im Singular. Die Mehrzahl bezeichnet einzelne Handlungen. Das zugehörige Adjektiv ruchlos wird kleingeschrieben: eine ruchlose Tat. Ein bloßes anderes Wort für jedes schlechte oder unfreundliche Verhalten ist es nicht.
| Fall | Singular | Plural |
|---|---|---|
| Nominativ | die Ruchlosigkeit | die Ruchlosigkeiten |
| Genitiv | der Ruchlosigkeit | der Ruchlosigkeiten |
| Dativ | der Ruchlosigkeit | den Ruchlosigkeiten |
| Akkusativ | die Ruchlosigkeit | die Ruchlosigkeiten |
