Unhold
Form & Grammatik
- Stichwort
- Unhold
- Worttrennung
- Un·hold
- Artikel
- der
- Geschlecht
- Maskulinum
- Genitiv
- des Unholds / des Unholdes
- Plural
- die Unholde
Bei Menschen stark abwertend; bei Erzählwesen märchen- oder sagenhafter Bezug. Genitiv auch des Unholdes.
Definition · kurz erklärt
Ein Unhold ist in Sagen und Märchen ein bösartiges, furchterregendes Wesen. Auf einen Menschen bezogen ist das Wort eine stark abwertende Bezeichnung für einen grausamen oder bösartigen Mann.
Bedeutungen
Bedeutung 1: Ein bedrohliches Wesen in einer Erzählung
In Märchen und Sagen kann ein Unhold als böser Geist oder Ungeheuer auftreten. Seine Gestalt ist nicht durch das Wort festgelegt. Erst die Erzählung zeigt, ob er riesenhaft erscheint, sich verwandelt oder auf andere Weise bedrohlich wirkt.
Im Märchen bewacht ein Unhold die einzige Brücke über die Schlucht.
Die Figur erfüllt eine bedrohliche Rolle. Welche Fähigkeiten sie besitzt, muss der weitere Text zeigen.
Bedeutung 2: Einen Menschen scharf verurteilen
Auf einen Mann bezogen verurteilt Unhold dessen Verhalten oder Charakter sehr stark. Das Wort kann in älteren Darstellungen auch einen Täter schwerer Übergriffe bezeichnen. Es ist jedoch keine sachliche Berufsbezeichnung und keine genaue juristische Kategorie.
Der Erzähler nennt den gewalttätigen Gutsherrn einen Unhold.
Die Bezeichnung ist ein Werturteil des Erzählers. Eine Analyse sollte die geschilderten Handlungen als Begründung hinzunehmen.
Synonyme: andere Wörter für Unhold
Erzählwesen und Urteil trennen
Ungeheuer · böser Geist; bei Menschen: Bösewicht · grausamer Mensch
Ungeheuer passt zu einem bedrohlichen Wesen, bezeichnet aber nicht immer dessen moralische Haltung. Bösewicht betont die negative Rolle einer Figur. Für einen sachlichen Bericht ist eine genaue Beschreibung der Handlung meist klarer als ein Schimpfwort.
„Der Unhold sperrt die Reisenden ein“ benennt eine bedrohliche Figur; „Der Mann sperrt die Reisenden ein“ beschreibt zunächst nur Täter und Handlung.
Beispiele und Verwendung
Ein Urteil einer Stimme zuordnen
Die Dorfbewohner halten den Fremden für einen Unhold; später hilft er einem verletzten Kind.
Die spätere Handlung kann das erste Urteil infrage stellen. Die Figurenmeinung ist nicht automatisch die Haltung der Erzählung.
Eine Personenbezeichnung verstehen
Der Satz handelt von einem Unhold, nicht von einem unfreundlichen Empfang.
Unhold ist ein eigenständiges Nomen. Eine bloß unhöfliche Reaktion sollte nicht ohne passenden Zusammenhang mit schwerer Bösartigkeit gleichgesetzt werden.
Grammatik und Beugung
Das maskuline Nomen lautet der Unhold, Genitiv des Unholds oder des Unholdes, Plural die Unholde. Die Tabelle zeigt die kürzere Genitivvariante.
Die Worttrennung ist Un·hold. Im Dativ Plural lautet die Form den Unholden. Die grammatische Form allein entscheidet nicht, ob ein Märchenwesen oder ein Mensch gemeint ist.
| Fall | Singular | Plural |
|---|---|---|
| Nominativ | der Unhold | die Unholde |
| Genitiv | des Unholds | der Unholde |
| Dativ | dem Unhold | den Unholden |
| Akkusativ | den Unhold | die Unholde |
