anfahren
Form & Grammatik
Verb- Stichwort
- anfahren
- Worttrennung
- an·fah·ren
- Präsens
- fährt an
- Präteritum
- fuhr an
- Partizip II
- angefahren
- Hilfsverb
- sein beim Losfahren; haben beim Ansteuern, Zusammenstoß mit Objekt und schroffen Ansprechen
Die Bedeutung beeinflusst das Hilfsverb: Der Zug ist angefahren beschreibt den Bewegungsbeginn. Sie hat den Parkplatz angefahren nennt ein Ziel mit Akkusativobjekt. Ebenso heißt es hat den Pfosten angefahren und hat den Kollegen angefahren bei Zusammenstoß beziehungsweise schroffer Ansprache.
„Die Person ist angefahren worden“ ist dagegen eine Passivform. Das ist gehört dort zum Perfekt von werden; daraus darf man nicht ableiten, das aktive Verb müsse in dieser Lesart ebenfalls mit sein gebildet werden.
Anfahren kann den Beginn einer Fahrt, das Aufsuchen eines Ziels oder den Zusammenstoß mit einer Person beziehungsweise Sache bezeichnen. Übertragen heißt jemanden anfahren, diese Person schroff anzusprechen. Deshalb lässt sich das Verb nur mit Blick auf den ganzen Satz erklären.
Bewegung, Ziel und Zusammenstoß unterscheiden
„Der Bus fährt an“ beschreibt, dass er sich in Bewegung setzt. „Der Bus fährt die Haltestelle an“ nennt dagegen ein Ziel seiner Fahrt. Das Fahrzeug muss in diesem zweiten Satz nicht gerade aus dem Stillstand starten.
Bei einer Person oder einem Hindernis kann anfahren einen Zusammenstoß ausdrücken: „Der Wagen hat den Pfosten angefahren.“ Das Wort sagt für sich allein nicht, wie schwer ein Schaden ist. Bei einem Menschen ist „anfahren“ deshalb keine genaue Beschreibung des Verletzungsgrades.
Außerdem kann man Material anfahren, also mit Fahrzeugen herbringen. „Die Firma fährt Schotter an“ beschreibt eine Lieferung. Im Gespräch wiederum ist „Sie fährt ihn an“ eine übertragene Verwendung: Gemeint ist eine heftige, barsche Ansprache. Anders als anbrüllen setzt anfahren dabei keine besonders hohe Lautstärke voraus. Ein scharfer Ton und ein Verkehrsvorgang teilen dasselbe Verb, aber nicht dieselbe Bedeutung.
Passende Synonyme und ihre Grenzen
| Alternative | Passender Gebrauch | Bedeutungsunterschied |
|---|---|---|
| losfahren | Eine Fahrt beginnen | Passt zum Beginn der Bewegung, nicht automatisch zu einem Zusammenstoß. |
| ansteuern | Ein Ziel auf einer Fahrt auswählen oder aufsuchen | Betont das Ziel; der Weg kann auch mit anderen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden. |
| mit dem Fahrzeug anstoßen | Einen Zusammenstoß beschreiben | Ist eine erklärende Umschreibung, die noch nichts über die Folgen entscheidet. |
| schroff ansprechen | Eine Person barsch anreden | Löst die übertragene Gesprächsbedeutung verständlich auf. |
Die folgenden Sätze sind eigene Sprachbeispiele.
Beispielpaar 1: Die Fahrt beginnt
Ausgangssatz: Nach dem Signal fährt der kleine Zug langsam an.
Alternative: Nach dem Signal fährt der kleine Zug langsam los.
Beide Sätze beschreiben den Bewegungsbeginn. „Der Zug steuert den Bahnhof an“ würde ein Ziel nennen und könnte auch während einer schon laufenden Fahrt gelten.
Beispielpaar 2: Ein gereizter Ton
Ausgangssatz: Als sie nachfragt, fährt der Verkäufer sie an.
Alternative: Als sie nachfragt, spricht der Verkäufer sie schroff an.
Die Umschreibung macht deutlich, dass kein Fahrzeug beteiligt ist. Sie enthält noch keine Aussage über einen körperlichen Angriff. Eine konkrete Äußerung könnte die Beschreibung zusätzlich erläutern.
Hat oder ist angefahren?
Anfahren ist ein starkes, trennbares Verb. Der Präsensstamm hat bei du und er/sie/es einen Umlaut. Im Präteritum lautet er fuhr; das Partizip heißt angefahren.
Konjugation von anfahren
Die Bedeutung beeinflusst das Hilfsverb: Der Zug ist angefahren beschreibt den Bewegungsbeginn. Sie hat den Parkplatz angefahren nennt ein Ziel mit Akkusativobjekt. Ebenso heißt es hat den Pfosten angefahren und hat den Kollegen angefahren bei Zusammenstoß beziehungsweise schroffer Ansprache. „Die Person ist angefahren worden“ ist dagegen eine Passivform. Das ist gehört dort zum Perfekt von werden; daraus darf man nicht ableiten, das aktive Verb müsse in dieser Lesart ebenfalls mit sein gebildet werden.
| Person | Präsens | Präteritum | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|---|---|
| ich | fahre an | fuhr an | fahre an | führe an |
| du | fährst an | fuhrst an | fahrest an | führest an / führst an |
| er/sie/es | fährt an | fuhr an | fahre an | führe an |
| wir | fahren an | fuhren an | fahren an | führen an |
| ihr | fahrt an | fuhrt an | fahret an | führet an / führt an |
| sie/Sie | fahren an | fuhren an | fahren an | führen an |
Die Bedeutung beeinflusst das Hilfsverb: Der Zug ist angefahren beschreibt den Bewegungsbeginn. Sie hat den Parkplatz angefahren nennt ein Ziel mit Akkusativobjekt. Ebenso heißt es hat den Pfosten angefahren und hat den Kollegen angefahren bei Zusammenstoß beziehungsweise schroffer Ansprache.
„Die Person ist angefahren worden“ ist dagegen eine Passivform. Das ist gehört dort zum Perfekt von werden; daraus darf man nicht ableiten, das aktive Verb müsse in dieser Lesart ebenfalls mit sein gebildet werden.
Anzufahren, nicht an zu fahren
Der Infinitiv mit zu lautet anzufahren. Im Hauptsatz steht an getrennt: „Wir fahren den Rastplatz an.“ Im Nebensatz wird zusammengeschrieben: „weil wir den Rastplatz anfahren“. Das Nomen das Anfahren wird großgeschrieben.
Unklare Sätze konkretisieren
„Er fuhr sie an“ ist ohne Zusammenhang mehrdeutig. Ein Zusatz wie „mit dem Wagen“ oder „in scharfem Ton“ klärt die Szene. Für eine Charakterisierung kann der Ton aggressiv wirken; eine einzelne Äußerung belegt jedoch noch keine dauerhafte Eigenschaft. Beschreibe Anlass, Worte und Reaktion, statt aus dem Verb allein ein vollständiges Persönlichkeitsbild abzuleiten.
Weitere Formen stehen im Wörterbuch der Verben.
