ertragen
Form & Grammatik
Verb- Stichwort
- ertragen
- Worttrennung
- er·tra·gen
- Präsens
- erträgt
- Präteritum
- ertrug
- Partizip II
- ertragen
- Hilfsverb
- haben
Ertragen bedeutet, eine unangenehme, belastende oder schwierige Situation auszuhalten. Das Wort beschreibt den Umgang mit einer Belastung, nicht automatisch deren Zustimmung. Wer etwas erträgt, muss es weder gutheißen noch dauerhaft hinnehmen wollen.
Bedeutung und Verwendung
Ertragen kann körperliche Empfindungen, seelische Belastungen oder schwieriges Verhalten anderer betreffen. Die Stärke der Belastung wird durch das Wort allein nicht genau festgelegt. Ein lautes Geräusch und eine schwere Enttäuschung können beide ertragen werden, sind aber sehr unterschiedliche Erfahrungen.
In der Wendung jemanden nicht ertragen können liegt oft eine starke Abneigung vor. Das ist eine subjektive Bewertung und kein sachlicher Beweis dafür, dass die betreffende Person sich falsch verhält. Für eine faire Beschreibung sollten Anlass und konkrete Handlung genannt werden.
Synonyme im Gebrauch
- Aushalten
- Eine nahe, im Alltag sehr geläufige Alternative. Sie passt zu Belastungen und kann ebenso körperlich wie emotional verstanden werden.
- Hinnehmen
- Betont, dass etwas nicht verhindert oder bekämpft wird. Es kann stärker nach Akzeptanz klingen, während ertragen vor allem die Belastung hervorhebt.
- Dulden
- Bezeichnet ein Gewährenlassen. Eine Person kann etwas dulden, ohne selbst stark darunter zu leiden; ertragen stellt das unangenehme Erleben stärker heraus.
Zwei eigene Satzpaare
Ausgangssatz: Mira ertrug die lange Ungewissheit nur schwer.
Alternative: Mira hielt die lange Ungewissheit nur schwer aus.
Die Alternative klingt alltäglicher und bewahrt die Belastung. Nur schwer ist wesentlich, weil es den Umgang mit dem Zustand beschreibt. Eine konkrete Reaktion kann die Aussage im Text anschaulich machen.
Ausgangssatz: Die Figur erträgt die ständigen Unterbrechungen.
Alternative: Die Figur duldet die ständigen Unterbrechungen.
Duldet rückt stärker das Gewährenlassen in den Blick. Erträgt kann deutlicher machen, dass die Unterbrechungen belasten. Die Wortwahl beeinflusst also, ob eher ein innerer Zustand oder ein äußeres Verhalten beschrieben wird.
Grammatik und Schreibweise
Die starken Formen heißen ertragen – ertrug – hat ertragen. Im Präsens lautet es du erträgst und sie erträgt. Der Konjunktiv II heißt ertrüge.
Konjugation von ertragenPräsens, Präteritum und Konjunktiv
| Person | Präsens | Präteritum | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|---|---|
| ich | ertrage | ertrug | ertrage | ertrüge |
| du | erträgst | ertrugst | ertragest | ertrügest / ertrügst |
| er/sie/es | erträgt | ertrug | ertrage | ertrüge |
| wir | ertragen | ertrugen | ertragen | ertrügen |
| ihr | ertragt | ertrugt | ertraget | ertrüget / ertrügt |
| sie/Sie | ertragen | ertrugen | ertragen | ertrügen |
Die Belastung oder die als unangenehm empfundene Person steht im Akkusativ. Der Infinitiv mit zu lautet zu ertragen. Das Verb wird nicht getrennt.
Treffend formulieren
Eine Charakterisierung sollte Ertragen nicht automatisch als Schwäche oder als besondere Stärke bewerten. Entscheidend sind Handlungsspielraum, Gründe und Folgen. Eine Person kann bewusst abwarten, keine Alternative sehen oder später widersprechen. Diese Unterschiede werden erst durch den Kontext sichtbar und sollten nicht durch ein einziges Etikett ersetzt werden.
Erdulden ist eine eher gehobene Alternative. Sie kann stärker das belastende Über-sich-ergehen-Lassen hervorheben.
