gattern
Form & Grammatik
Verb- Stichwort
- gattern
- Worttrennung
- gat·tern
- Präsens
- gattert
- Präteritum
- gatterte
- Partizip II
- gegattert
- Hilfsverb
- haben
Im Sinn „einzäunen“ landschaftlich; der Sinn „lauern, gierig spähen“ ist veraltet.
Gattern bedeutet landschaftlich, einen Bereich mit einem Zaun oder Gatter zu versehen. In älteren Texten kann dasselbe Verb außerdem ein lauerndes, begieriges Schauen bezeichnen. Diese Bedeutungen müssen getrennt erklärt werden.
Ein Zaun oder ein begehrlicher Blick
Beim Einzäunen geht es um eine räumliche Begrenzung. Eine gegatterte Fläche kann beispielsweise Tiere von einem angrenzenden Weg trennen. Aus dem Verb allein folgt noch nicht, welches Material verwendet wird oder ob die Begrenzung dauerhaft bestehen bleibt.
Der veraltete Gebrauch gehört dagegen zum Beobachten und Begehren. Hier wird kein Zaun gebaut. Beschreibt ein älterer Text, wie jemand nach einem Vorteil gattert, muss die Stelle aus diesem sprachgeschichtlichen Zusammenhang verstanden werden. Das heute vertrautere ergattern ist ein anderes Verb.
Die Bedeutung entscheidet über den Ersatz
- Einzäunen ist für eine mit einem Zaun umgebene Fläche verständlicher und allgemein gebräuchlich.
- Einfrieden betont die Abgrenzung eines Grundstücks. Die konkrete Art der Einfriedung bleibt dabei offen.
- Lauern passt zum veralteten Beobachten, kann aber stärker das geduldige Warten auf eine Gelegenheit hervorheben.
„Der Bauer lässt den Weiderand gattern.“
„Der Bauer lässt den Weiderand einzäunen.“
Beide Sätze beschreiben dieselbe Art von Arbeit. Die zweite Fassung vermeidet ein landschaftlich begrenztes Wort und ist deshalb für eine überregionale Anleitung leichter verständlich.
„Im alten Bericht gattert der Bewerber nach einem einträglichen Amt.“
„Im alten Bericht lauert der Bewerber auf ein einträgliches Amt.“
Der zweite Satz erklärt die alte Wortverwendung. Er stellt das Warten deutlicher heraus; die gierige Blickrichtung muss gegebenenfalls zusätzlich beschrieben werden.
Ein regelmäßig gebeugtes Verb
Die Formen lauten: er gattert, er gatterte, er hat gegattert. Beim Einzäunen steht die betroffene Fläche als Ergänzung: jemand gattert eine Weide. Großgeschrieben kann Gattern außerdem eine Form des Substantivs Gatter sein; der Satzbau hilft bei der Unterscheidung.
Konjugation von gatternPräsens, Präteritum und Konjunktiv
| Person | Präsens | Präteritum | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|---|---|
| ich | gattere / gattre | gatterte | gattere / gattre | gatterte |
| du | gatterst | gattertest | gatterst | gattertest |
| er/sie/es | gattert | gatterte | gattere / gattre | gatterte |
| wir | gattern | gatterten | gattern | gatterten |
| ihr | gattert | gattertet | gattert | gattertet |
| sie/Sie | gattern | gatterten | gattern | gatterten |
Alte Wörter im Text erklären
In einer Textanalyse sollte die passende Bedeutung zunächst in gewöhnlicher Sprache benannt werden. Anschließend lässt sich erläutern, ob das Wort einen regionalen Ton vermittelt oder zeitlich zum historischen Sprachgebrauch gehört. Ein unbekanntes Wort ist nicht automatisch ein Beleg für die Herkunft einer Figur: Dazu sind weitere sprachliche Merkmale nötig.
