herausziehen
Form & Grammatik
Verb- Stichwort
- herausziehen
- Worttrennung
- he·raus·zie·hen
- Präsens
- zieht heraus
- Präteritum
- zog heraus
- Partizip II
- herausgezogen
- Hilfsverb
- haben beim Bewegen, Auswählen und Herausschreiben; sein beim eigenen Wegzug
Herausziehen bedeutet, etwas durch Ziehen von innen nach außen zu bewegen. Es kann auch ein gezieltes Auswählen aus einer Gruppe oder das Herausschreiben wichtiger Textstellen meinen. Beim selbstständigen Wegzug aus einem Gebiet wird das Perfekt anders gebildet als beim Bewegen eines Gegenstands.
Bewegung und Auswahl
„Sie zieht die Schublade heraus“ nennt die Bewegung. Die Schublade muss dabei nicht vollständig entfernt werden; auch ein teilweises Herausziehen kann gemeint sein. Bei „Die Helfer ziehen den Ast aus dem Wasser heraus“ wird dagegen ein Gegenstand aus einem anderen Bereich bewegt.
Übertragen lassen sich einzelne Personen für eine Aufgabe aus einer Gruppe herausziehen. Dabei steht die Auswahl oder zeitweise Aussonderung im Vordergrund. Bei Texten meint „wichtige Aussagen herausziehen“ das gezielte Entnehmen oder Herausschreiben von Informationen. Eine solche Auswahl ist noch keine vollständige Zusammenfassung und keine begründete Interpretation.
„Die Familie ist aus der Stadt herausgezogen“ beschreibt dagegen ihren eigenen Wegzug. Umgangssprachlich kann man außerdem Informationen aus jemandem herausziehen: Gemeint ist ein oft beharrliches Erfragen, nicht eine körperliche Handlung.
Ziehen, auswählen oder ausziehen?
| Ausdruck | Bedeutung und Grenze |
|---|---|
| herausnehmen | Passt bei einem Gegenstand, nennt aber die ziehende Bewegung nicht ausdrücklich. |
| auswählen | Passt zur gezielten Bestimmung von Personen oder Textstellen. Das Herauslösen aus dem bisherigen Zusammenhang tritt zurück. |
| herausschreiben | Präzisiert das schriftliche Festhalten einzelner Aussagen. |
| wegziehen | Passt beim eigenen Wohnortwechsel; ein direktes Gegenstandsobjekt wäre eine andere Konstruktion. |
| entlocken | Passt zur durch Fragen gewonnenen Auskunft und ist stilistisch ebenfalls bildhaft. |
„Aylin zog die Mappe aus dem Regal heraus.“ – „Aylin nahm die Mappe aus dem Regal heraus.“
Die zweite Fassung ist allgemeiner. Beide können denselben Vorgang beschreiben; nur die erste legt die ziehende Bewegung ausdrücklich fest. Ob die Mappe vorher klemmte, ist damit nicht gesagt.
„Die Gruppe zog drei Kernaussagen aus dem Text heraus.“ – „Die Gruppe schrieb drei Kernaussagen aus dem Text heraus.“
Die zweite Fassung nennt das schriftliche Festhalten. Die erste kann auch die gedankliche Auswahl meinen. Eine gute Auswertung sollte anschließend erläutern, warum gerade diese Aussagen wesentlich sind.
Bedeutungsabhängig haben oder sein
Die Formen lauten zieht heraus, zog heraus und herausgezogen. Beim Bewegen, Auswählen oder Exzerpieren steht haben: Sie hat den Zettel herausgezogen. Beim eigenen Wegzug steht sein: Sie ist aus der Stadt herausgezogen.
Konjugation von herausziehenPräsens, Präteritum und Konjunktiv
| Person | Präsens | Präteritum | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|---|---|
| ich | ziehe heraus | zog heraus | ziehe heraus | zöge heraus |
| du | ziehst heraus | zogst heraus | ziehest heraus | zögest heraus / zögst heraus |
| er/sie/es | zieht heraus | zog heraus | ziehe heraus | zöge heraus |
| wir | ziehen heraus | zogen heraus | ziehen heraus | zögen heraus |
| ihr | zieht heraus | zogt heraus | ziehet heraus | zöget heraus / zögt heraus |
| sie/Sie | ziehen heraus | zogen heraus | ziehen heraus | zögen heraus |
Das allgemeinere entfernen bezeichnet häufig ein Wegnehmen, ohne dessen Methode festzulegen. Gerade beim Schreiben sollte ein Text außerdem Auswahl und Deutung auseinanderhalten: Eine herausgezogene Aussage ist zunächst eine Textstelle, deren Zusammenhang erhalten bleiben muss. Erst ihre Erklärung macht deutlich, welche Schlussfolgerung sie trägt.
