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jammern

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
jammern
Worttrennung
jam·mern
Präsens
er / sie jammert
Präteritum
er / sie jammerte
Partizip II
gejammert
Perfekt
hat gejammert
Hilfsverb
haben
Infinitiv
jammern
Trennbarkeit
nicht trennbar

Reflexiver Gebrauch: nicht reflexiv

Gebrauch: Schwaches Verb; auch ich jammre. „Jemanden jammern“ ist gehoben und selten.

Ergänzungen: über etwas jammern (Akkusativ); nach jemandem oder etwas jammern (Dativ); gehoben: jemanden jammern (Akkusativ)

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Jammern bedeutet, Klagen oder Kummer deutlich hörbar zu äußern. Seltener und gehoben heißt „jemanden jammern“, dass etwas einen Menschen bekümmert oder sein Mitleid weckt.

Bedeutungen

Klagen äußern: Eine Person jammert über Schmerzen, eine Belastung oder eine enttäuschende Situation. Das Verb kann ein weinerliches Sprechen oder Wehklagen bezeichnen. Oft klingt eine Bewertung mit: Der Sprecher hält die Klagen für zu häufig oder unangemessen. Diese Bewertung muss aber nicht gerechtfertigt sein.

Nach jemandem oder etwas verlangen: „Nach der anstrengenden Wanderung jammerte Ben nach einer Pause.“ Hier beschwert sich Ben nicht über die Pause, sondern verlangt in klagendem Ton danach. Die Verbindung „nach“ mit Dativ kann ebenso eine Person nennen, deren Anwesenheit jemand vermisst.

Mitleid oder Kummer auslösen: In der älteren, gehobenen Fügung „Der Anblick jammert mich“ ist der Anblick das Subjekt und „mich“ das Akkusativobjekt. Nicht der Anblick klagt; er löst Betroffenheit aus. Diese Bedeutung darf beim Lesen älterer Texte nicht mit gewöhnlichem Sichbeklagen verwechselt werden.

jammern: Synonyme und andere Wörter

Sich über etwas beklagen

klagen · sich beklagen · lamentieren

Sich beklagen kann eine sachlich begründete Beschwerde bezeichnen. Jammern hebt häufig den klagenden Ton hervor. Lamentieren wirkt gehobener und oft distanziert, wenn längeres Klagen gemeint ist. Ein Ersatz kann also die Haltung des Erzählers verändern.

„Er jammerte über die lange Wartezeit.“ → „Er beklagte sich über die lange Wartezeit.“ Die zweite Fassung wertet den Ton weniger deutlich.

Jemanden bekümmern

betrüben · dauern · Mitleid erregen

Diese Wörter passen nur zur gehobenen Bedeutung „jemanden jammern“. Dauern meint hier das Erregen von Mitleid, nicht eine Zeitspanne. Für heutige Leser ist „Mitleid erregen“ oft leichter verständlich.

„Das Schicksal des Kindes jammerte sie.“ → „Das Schicksal des Kindes erregte ihr Mitleid.“ In beiden Sätzen geht es um ihre Reaktion auf fremdes Leid.

Verwendung und Beispiele

„Nach dem langen Weg jammerte Paul über seine müden Beine.“

Der Satz verbindet die Klage mit einem Anlass. Er behauptet nicht, Paul habe keine Beschwerden. Wenn du neutral berichten möchtest, kannst du schreiben: „Paul sagte, dass seine Beine vom langen Weg müde seien.“

„In der Erzählung jammert die Not der Familie den Besucher.“

Der ungewohnte Satzbau gehört zur gehobenen Bedeutung. Die Familie ist Gegenstand seines Mitgefühls; der Besucher muss dabei nicht selbst laut klagen. Eine Paraphrase sollte diesen Unterschied erhalten.

Grammatik

Das Verb bildet die Vergangenheit mit -te und das Perfekt mit haben. Neben „ich jammere“ ist „ich jammre“ möglich. In der normalen Klagebedeutung steht häufig „über“ mit Akkusativ. Der Konjunktiv II „jammerte“ ist formgleich mit dem Präteritum; „würde jammern“ kann die Möglichkeit oder Bedingtheit deutlicher machen.

jammern: Präsens, Präteritum und Perfekt
PersonPräsensPräteritumPerfekt
ichich jammereich jammerteich habe gejammert
dudu jammerstdu jammertestdu hast gejammert
er / sie / eser/sie/es jammerter/sie/es jammerteer/sie/es hat gejammert
wirwir jammernwir jammertenwir haben gejammert
ihrihr jammertihr jammertetihr habt gejammert
siesie jammernsie jammertensie haben gejammert
jammern: Konjunktiv I und II
PersonKonjunktiv IKonjunktiv II
ichich jammereich jammerte
dudu jammerstdu jammertest
er / sie / eser/sie/es jammereer/sie/es jammerte
wirwir jammernwir jammerten
ihrihr jammertihr jammertet
siesie jammernsie jammerten
jammern: Aufforderungsformen
AnredeImperativ
dujammere!
ihrjammert!
Siejammern Sie!

Auf hohem Niveau jammern

Die Wendung auf hohem Niveau jammern bewertet Beschwerden als vergleichsweise gering, weil die allgemeine Lage als gut gilt. „Dass der neue Lesesaal nur neun statt zehn Steckdosen hat, ist Jammern auf hohem Niveau.“ Das Beispiel gibt eine wertende Einordnung wieder. Ob eine konkrete Beschwerde tatsächlich unberechtigt ist, muss gesondert beurteilt werden.