leiden
Form & Grammatik
- Stichwort
- leiden
- Worttrennung
- lei·den
- Präsens
- leidet
- Präteritum
- litt; du littest oder littst
- Partizip II
- gelitten
- Perfekt
- hat gelitten
- Hilfsverb
- haben
- Infinitiv
- leiden
- Trennbarkeit
- nicht trennbar
Reflexiver Gebrauch: nicht reflexiv
Gebrauch: Unregelmäßig. Belastung, Schaden und Sympathie unterscheiden. Dulden/Zulassen teils veraltend; es leidet mich ist ein veraltender unpersönlicher Gebrauch.
Ergänzungen: an oder unter etwas leiden: Dativ; jemanden leiden können: Akkusativ
Definition · kurz erklärt
Leiden bedeutet häufig, Schmerzen, Kummer oder eine belastende Lage zu erleben. Auch Dinge können leiden, also Schaden nehmen. In Verbindungen wie „jemanden leiden können“ und „gut gelitten sein“ geht es dagegen um Sympathie oder Akzeptanz.
Bedeutungen
Bedeutung 1: Schmerzen oder Belastungen erleben
Ein Mensch kann körperlich oder seelisch leiden. Die Formulierung beschreibt eine belastende Erfahrung, legt aber ohne Ergänzung weder deren genaue Ursache noch ihre Stärke fest. An einer Krankheit leiden nennt eine Erkrankung; unter einer Situation leiden hebt die erlebte Belastung hervor.
In Verbindungen wie Hunger leiden, Not leiden oder Mangel leiden bestimmt das ergänzende Nomen die Art des Entbehrens. Leiden wird hier zu einem Teil der ganzen Verbindung.
„Nach dem Umzug litt die Figur unter der langen Trennung von ihren Freunden.“
Die Trennung ist als Belastung genannt. Der Satz erklärt ein Erleben und erlaubt für sich genommen keine weitergehende Aussage über eine Erkrankung.
Bedeutung 2: Schaden oder eine Beeinträchtigung erfahren
Auch Gegenstände, Pflanzen, Beziehungen oder die Qualität einer Arbeit können leiden. Gemeint ist dann eine Verschlechterung oder Beschädigung. Bei Dingen behauptet das Verb kein menschliches Schmerzempfinden.
„Beim Transport hat die bemalte Oberfläche deutlich gelitten.“
Die Oberfläche wurde beeinträchtigt. Welche Schäden genau entstanden sind, muss eine nähere Beschreibung zeigen.
Bedeutung 3: Jemanden oder etwas mögen
Mit können oder mögen kann leiden Sympathie beziehungsweise Wohlgefallen ausdrücken. Die Verneinung kehrt die Wertung um: „Ich kann ihn nicht leiden“ sagt, dass mir die Person unsympathisch ist. Das ist keine Aussage über ihr eigenes Leiden.
„Die neue Nachbarin konnte sie von Anfang an gut leiden.“
Der Satz beschreibt Zuneigung oder Sympathie. Gemeinsame Meinungen oder eine bereits enge Freundschaft werden nicht zwingend behauptet.
Bedeutung 4: Dulden oder zulassen
In älterem Sprachgebrauch kann leiden bedeuten, etwas zu dulden. Heute ist dieser Sinn vor allem in gelitten sein erhalten. „Nur gelitten“ meint bloßes Dulden, während „gut gelitten“ häufig Beliebtheit ausdrückt.
Gehoben und veraltend kann ein Sachverhalt etwas nicht leiden, also nicht zulassen: „Die Entscheidung leidet keinen Aufschub.“ Hier geht es darum, dass die Sache nicht warten kann, nicht um Schmerzen.
„Die unerwarteten Gäste waren im Haus nur gelitten, nicht herzlich willkommen.“
Die Gegenüberstellung zeigt, dass ihre Anwesenheit hingenommen wurde. Eine freundliche Aufnahme wird gerade verneint.
Synonyme: andere Wörter für leiden
Schmerzen erleben, Schaden nehmen, mögen und dulden gehören zu verschiedenen Bedeutungen. Erst die Ergänzungen zeigen, welche Umschreibung den Satz erhält.
Eine belastende Erfahrung beschreiben
Schmerzen erleben · etwas Schweres durchmachen · belastet sein
Schmerzen erleben passt bei entsprechendem körperlichem oder seelischem Schmerz. Etwas Schweres durchmachen kann eine längere schwierige Zeit zusammenfassen. Ertragen betont das Aushalten; leiden beschreibt stärker die Belastung selbst.
„Sie litt unter der Ungewissheit.“ → „Die Ungewissheit belastete sie.“ Beide Sätze nennen die belastende Situation. Eine genaue Gefühlsart wird damit noch nicht festgelegt.
Eine Beeinträchtigung von Dingen benennen
Schaden nehmen · beeinträchtigt werden · an Qualität verlieren
Schaden nehmen passt zu einer Beschädigung. An Qualität verlieren ist bei Ergebnissen oder Leistungen möglich. Zerbrechen wäre eine bestimmte Schadensart und darf nicht allein aus leiden abgeleitet werden.
„Die Zeichnung hat durch die Feuchtigkeit gelitten“ besagt eine Beeinträchtigung. „Die Farben sind verlaufen“ ist erst dann eine passende Konkretisierung, wenn genau dieser Schaden bekannt ist.
Sympathie und Duldung auseinanderhalten
mögen · sympathisch finden · dulden · hinnehmen
Mögen und sympathisch finden passen zu jemanden gut leiden können. Dulden und hinnehmen passen zu nur gelitten sein. Sie beschreiben gerade keine herzliche Zustimmung.
„Er ist in der Gruppe nur gelitten“ ist schwächer als „Er wird in der Gruppe gemocht“. Wer diese Sätze austauscht, verändert die soziale Beziehung.
Beispiele und Verwendung
Die Ergänzung beachten
„Sie leidet unter dem Lärm, kann aber den neuen Nachbarn gut leiden.“
Die beiden Verbindungen haben verschiedene Bedeutungen: Der Lärm belastet sie, die Person findet sie sympathisch. Die Ergänzungen verhindern die Verwechslung.
Sichtbares Verhalten nicht überdeuten
„Die Figur sagt, sie leide unter der Trennung, obwohl sie im Gespräch ruhig bleibt.“
Das eigene Bekenntnis kann für die Deutung wichtig sein. Ein ruhiges Auftreten allein widerlegt die geschilderte Belastung nicht; ebenso sollte man sie ohne Textbeleg nicht erfinden.
Beim Sachgebrauch konkret werden
„Unter dem Zeitdruck litt die Lesbarkeit: Mehrere Sätze blieben unvollständig.“
Der zweite Satzteil nennt den beobachtbaren Mangel. Damit wird die allgemeine Aussage über eine schlechtere Textqualität nachvollziehbar.
Grammatik und Beugung
Die Stammformen heißen leidet, litt, hat gelitten. Das Perfekt wird mit haben gebildet. Im Präteritum sind du littest und du littst belegt. Der Konjunktiv II lautet litte, ohne zusätzlichen Umlaut.
Bei an einer Krankheit leiden und unter dem Lärm leiden steht die Ergänzung im Dativ. In jemanden leiden können steht die Person im Akkusativ. Der bloße Wechsel der Ergänzung kann die Bedeutung des Verbs grundlegend verändern.
Der Infinitiv mit zu lautet zu leiden; das Partizip I leidend und das Partizip II gelitten. Der substantivierte Infinitiv wird großgeschrieben: das Leiden. Das Verb bleibt klein: „Viele leiden unter dem Lärm.“
Die veraltende Formulierung es leidet mich hier nicht bedeutet ungefähr, dass ich es an diesem Ort nicht aushalte. Sie ist unpersönlich gebaut und folgt nicht dem persönlichen Satzmuster „ich leide“. Die Tabellen zeigen die Formen des Verbs; nicht jede Bedeutung lässt sich mit jedem Satzmuster verbinden.
Die Imperative sind grammatisch möglich, gehören beim Schmerz- und Belastungssinn jedoch nicht zu einer gewöhnlichen hilfreichen Aufforderung. Sie können etwa in historischen oder dramatischen Texten vorkommen. Die Worttrennung lautet lei·den.
| Person | Präsens | Präteritum |
|---|---|---|
| ich | leide | litt |
| du | leidest | littest / littst |
| er/sie/es | leidet | litt |
| wir | leiden | litten |
| ihr | leidet | littet |
| sie | leiden | litten |
| Person | Perfekt |
|---|---|
| ich | habe gelitten |
| du | hast gelitten |
| er/sie/es | hat gelitten |
| wir | haben gelitten |
| ihr | habt gelitten |
| sie | haben gelitten |
| Person | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|
| ich | leide | litte |
| du | leidest | littest |
| er/sie/es | leide | litte |
| wir | leiden | litten |
| ihr | leidet | littet |
| sie | leiden | litten |
| Anrede | Imperativ |
|---|---|
| du | leide! |
| ihr | leidet! |
Jemanden nicht leiden können
Die feste Verbindung drückt Abneigung aus. „Ich kann seinen ständigen Spott nicht leiden“ richtet die Ablehnung auf ein Verhalten. „Ich kann ihn nicht leiden“ bezieht sie auf die Person. Diese Reichweite ist beim Schreiben ein wichtiger Unterschied.
„Sie konnte seinen Spott nicht leiden, arbeitete aber gern mit ihm zusammen.“
Das Beispiel trennt die Ablehnung eines Verhaltens von der gesamten Beziehung zur Person.
Gut gelitten sein
Wer gut gelitten ist, ist in einem Kreis gern gesehen oder beliebt: „Die hilfsbereite Besucherin war im Verein bald gut gelitten.“ Nur gelitten sein hat eine andere Wertung und meint eher bloßes Geduldetwerden.
Keinen Aufschub leiden
Die gehoben wirkende Verbindung bedeutet, dass etwas nicht aufgeschoben werden kann. „Die Sicherung des beschädigten Dachs litt keinen Aufschub“ betont die Dringlichkeit. In einem heutigen sachlichen Text ist „Die Sicherung musste sofort erfolgen“ meist direkter.
