losziehen
Form & Grammatik
- Stichwort
- losziehen
- Worttrennung
- los·zie·hen
- Präsens
- er/sie/es zieht los
- Präteritum
- er/sie/es zog los
- Partizip II
- losgezogen
- Perfekt
- ist losgezogen
- Hilfsverb
- sein
- Infinitiv
- losziehen
- Trennbarkeit
- trennbar
Reflexiver Gebrauch: nicht obligatorisch reflexiv
Gebrauch: Umgangssprachlicher Aufbruch; gegen jemanden/etwas losziehen zusätzlich abwertend für heftiges Schimpfen.
Definition · kurz erklärt
Losziehen bedeutet umgangssprachlich, aufzubrechen und sich auf den Weg zu machen. In der Verbindung gegen jemanden oder etwas losziehen kann es außerdem heißen, heftig und abwertend darüber zu schimpfen.
Bedeutungen
Bedeutung 1: Sich auf den Weg machen
Losziehen rückt den Beginn einer Unternehmung in den Blick. Eine Person oder eine Gruppe verlässt einen Ort, um etwas zu tun. Das Ziel kann genannt werden, muss aber nicht: „Wir ziehen gleich los.“
Das Wort wirkt oft lebendiger und lockerer als aufbrechen. Es kann eine gemeinsame Unternehmung beschreiben, setzt jedoch keine große Gruppe und keine Reise von langer Dauer voraus. Auch jemand, der allein einkaufen geht, kann losziehen.
Ob die Unternehmung später gelingt, bleibt offen. Ein Aufbruch ist noch kein Ergebnis. In einer Nacherzählung sollte deshalb die tatsächliche Handlung nach dem Start nicht durch die Bedeutung des Verbs vorweggenommen werden.
„Mit einer Einkaufsliste in der Hand zog sie zum Markt los.“
Das Ziel und die Vorbereitung sind genannt. Ob sie alle gewünschten Waren bekommt, bleibt offen.
Bedeutung 2: Heftig gegen jemanden oder etwas auftreten
Bildlich kann das Verb eine heftige, abwertende Äußerung bezeichnen. Wer gegen einen Vorschlag loszieht, kritisiert ihn in einem angreifenden Ton. Das ist mehr als das sachliche Nennen eines Nachteils.
Die Verbindung kann in politischen oder streitenden Zusammenhängen vorkommen. Ob die vorgebrachten Einwände stimmen, lässt sich aus dem Wort nicht ableiten. Es charakterisiert zunächst die Art des Auftretens.
„In seiner Rede zog er mit spöttischen Bemerkungen gegen den Vorschlag los.“
Die Bemerkungen kennzeichnen den angreifenden Ton. Die sachliche Berechtigung seiner Kritik ist damit noch nicht entschieden.
losziehen: Synonyme und andere Wörter
Eine Unternehmung beginnen
aufbrechen · sich auf den Weg machen · losgehen
Aufbrechen ist sachlicher und breiter einsetzbar. Sich auf den Weg machen beschreibt den Beginn anschaulich. Losgehen kann außerdem den Anfang eines Vorgangs meinen, bei dem niemand einen Ort verlässt.
„Nach dem Frühstück zogen sie los.“ → „Nach dem Frühstück brachen sie zur Besichtigung auf.“ Die zweite Fassung nennt zusätzlich den Zweck und passt nur, wenn die Besichtigung aus dem Zusammenhang bekannt ist.
Heftig kritisieren
schimpfen · gegen jemanden wettern · angreifen
Schimpfen betont die verärgerte Äußerung. Wettern ist besonders nachdrücklich. Angreifen kann sprachlich oder körperlich gemeint sein und braucht deshalb eine eindeutige Ergänzung.
„Er zog gegen den Plan los.“ → „Er kritisierte den Plan in einem heftigen, abwertenden Ton.“ Die zweite Fassung erklärt, was das bildhafte Verb hervorhebt.
Beispiele und Verwendung
„Mit einer kurzen Einkaufsliste zog sie zum Wochenmarkt los.“
Eine alltägliche Einzelunternehmung reicht für das Verb aus. Eine große Reise ist nicht erforderlich.
„Die Freunde zogen los, ohne bereits einen Treffpunkt für später zu vereinbaren.“
Der Satz beschreibt den Aufbruch und eine fehlende Absprache. Wie erfolgreich der Abend verläuft, bleibt offen.
„In seiner Rede zog er gegen die neue Regelung los, ohne ihre Einzelheiten zu erläutern.“
Losziehen ist hier bildlich und abwertend. Der Satz trennt den heftigen Ton von einer inhaltlichen Erklärung.
Grammatik und Beugung
Das starke Verb hat die Formen zieht los – zog los – ist losgezogen. Das Hilfsverb ist sein, auch beim bildlichen Schimpfen. Es heißt also: „Er ist gegen den Vorschlag losgezogen.“
Die Worttrennung lautet los·zie·hen. Im Hauptsatz wird getrennt: „Sie zieht gleich los.“ Im Nebensatz steht das Verb zusammen: „…, bevor sie loszieht.“ Der Infinitiv mit zu lautet loszuziehen.
Das Verb hat kein gewöhnliches Akkusativobjekt. Ein Ziel wird beispielsweise mit zum Markt oder in die Stadt genannt. Beim Schimpfen steht gegen mit Akkusativ: gegen den Plan. Im Konjunktiv II lautet die Form sie zöge los.
| Person | Präsens | Präteritum |
|---|---|---|
| ich | ich ziehe los | ich zog los |
| du | du ziehst los | du zogst los |
| er/sie/es | er/sie/es zieht los | er/sie/es zog los |
| wir | wir ziehen los | wir zogen los |
| ihr | ihr zieht los | ihr zogt los |
| sie | sie ziehen los | sie zogen los |
| Person | Perfekt | Plusquamperfekt |
|---|---|---|
| ich | ich bin losgezogen | ich war losgezogen |
| du | du bist losgezogen | du warst losgezogen |
| er/sie/es | er/sie/es ist losgezogen | er/sie/es war losgezogen |
| wir | wir sind losgezogen | wir waren losgezogen |
| ihr | ihr seid losgezogen | ihr wart losgezogen |
| sie | sie sind losgezogen | sie waren losgezogen |
| Person | Futur I | Futur II |
|---|---|---|
| ich | ich werde losziehen | ich werde losgezogen sein |
| du | du wirst losziehen | du wirst losgezogen sein |
| er/sie/es | er/sie/es wird losziehen | er/sie/es wird losgezogen sein |
| wir | wir werden losziehen | wir werden losgezogen sein |
| ihr | ihr werdet losziehen | ihr werdet losgezogen sein |
| sie | sie werden losziehen | sie werden losgezogen sein |
| Person | Gegenwart | Vergangenheit |
|---|---|---|
| ich | ich ziehe los | ich sei losgezogen |
| du | du ziehest los | du seist losgezogen / du seiest losgezogen |
| er/sie/es | er/sie/es ziehe los | er/sie/es sei losgezogen |
| wir | wir ziehen los | wir seien losgezogen |
| ihr | ihr ziehet los | ihr seiet losgezogen |
| sie | sie ziehen los | sie seien losgezogen |
| Person | Einfache Form | Vergangenheit |
|---|---|---|
| ich | ich zöge los | ich wäre losgezogen |
| du | du zögest los / du zögst los | du wärst losgezogen / du wärest losgezogen |
| er/sie/es | er/sie/es zöge los | er/sie/es wäre losgezogen |
| wir | wir zögen los | wir wären losgezogen |
| ihr | ihr zöget los / ihr zögt los | ihr wärt losgezogen / ihr wäret losgezogen |
| sie | sie zögen los | sie wären losgezogen |
| Anrede | Imperativ |
|---|---|
| du | zieh los! / ziehe los! |
| ihr | zieht los! |
| Sie | ziehen Sie los! |
Eine scharfe Äußerung sachlich wiedergeben
„Sie zog gegen die Entscheidung los“ beschreibt ihren Ton. Wenn der Text die als zu hoch empfundenen Kosten ausdrücklich als Einwand nennt, lässt sich genauer zusammenfassen: „Sie kritisierte die Entscheidung scharf, weil sie die Kosten für zu hoch hielt.“ So bleibt erkennbar, was gesagt wurde und wie es vorgetragen wurde. Eine aggressive Haltung sollte nur dann ausdrücklich benannt werden, wenn die Textstelle sie trägt.
