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nachfühlen

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
nachfühlen
Worttrennung
nach·füh·len
Präsens
er/sie/es fühlt nach
Präteritum
er/sie/es fühlte nach
Partizip II
nachgefühlt
Perfekt
hat nachgefühlt
Hilfsverb
haben
Infinitiv
nachfühlen
Trennbarkeit
trennbar: fühlt nach; im Nebensatz: nachfühlt

Gebrauch: Sich gefühlsmäßig in die Situation einer anderen Person hineinversetzen. Verständnis ist nicht automatisch Zustimmung.

Ergänzungen: jemandem etwas nachfühlen (Person im Dativ, Empfindung im Akkusativ)

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Nachfühlen heißt, sich in die Lage einer anderen Person hineinzuversetzen und deren Empfindung innerlich nachzuvollziehen. Das Wort bezieht sich auf das gefühlsmäßige Verstehen. Es ist nicht mit der Zustimmung zu jeder Handlung dieser Person gleichzusetzen.

Bedeutungen

Bedeutung 1: Das Empfinden einer anderen Person nachvollziehen

Wer einer Freundin die Enttäuschung nachfühlt, nimmt ihre Sicht und ihre Lage ernst. Dazu können Kenntnisse über ihre Erwartungen und die vorausgegangenen Ereignisse helfen. Eine Außenbeschreibung bleibt dennoch von der eigenen unmittelbaren Erfahrung der Freundin verschieden.

Bei einer literarischen Analyse ist zu fragen, wodurch die Erzählung dieses Verständnis ermöglicht. Gedankenberichte, Erinnerungen oder ein ausführlich geschilderter Konflikt können die Empfindung nachvollziehbar machen. Das Verb ersetzt nicht die konkreten Textbelege.

„Nach dem Gespräch kann sie ihrem Freund die Enttäuschung über die Absage nachfühlen.“

Der Satz beschreibt Verständnis für eine Empfindung. Ob die Absage sachlich begründet war, ist eine andere Frage.

nachfühlen: Synonyme und andere Wörter

Gefühlsmäßiges Verstehen beschreiben

nachempfinden · mitfühlen · sich hineinversetzen

Nachempfinden ist in diesem Sinn eine nahe Alternative. Mitfühlen betont eine Anteilnahme. Sich hineinversetzen beschreibt besonders den Perspektivwechsel. Der zusätzliche künstlerische Sinn von nachempfinden passt nicht zu jeder Verwendung von nachfühlen.

„Ich kann dir die Enttäuschung nachfühlen.“ → „Ich kann deine Enttäuschung nachempfinden.“

Beim Wechsel ändert sich der Satzbau. Die empfundene Enttäuschung bleibt der Gegenstand des Verstehens.

Verständnis von Zustimmung trennen

verstehen · nachvollziehen · gutheißen

Verstehen und nachvollziehen können auch rein gedanklich gemeint sein. Gutheißen bewertet ein Handeln positiv. Man kann einem Menschen ein Gefühl nachfühlen und seine Entscheidung dennoch ablehnen.

„Sie fühlt ihm die Sorge nach“ sagt nicht „Sie hält alle seine Handlungen für richtig“.

Die zweite Fassung wäre eine zusätzliche Bewertung, die nicht aus dem Mitgefühl folgt.

Beispiele und Verwendung

„Der Roman schildert die lange Vorbereitung so genau, dass die Leser der Figur die Enttäuschung nachfühlen können.“

Die Vorbereitung macht den Anlass der Empfindung nachvollziehbar.

„Sie konnte ihm die Sorge nachfühlen, schlug aber einen anderen Umgang mit dem Problem vor.“

Mitgefühl und abweichender Rat sind im Beispiel miteinander vereinbar.

Grammatik und Beugung

Die Stammformen heißen fühlt nach – fühlte nach – hat nachgefühlt. Im Hauptsatz steht die Verbpartikel getrennt: Sie fühlt ihm die Sorge nach. Im Nebensatz lautet die Form weil sie ihm die Sorge nachfühlt.

In jemandem etwas nachfühlen nennt der Dativ die Person und der Akkusativ die Empfindung. Mit zu heißt es nachzufühlen, das Partizip I ist nachfühlend. Worttrennung: nach·füh·len. Die Tabellen zeigen die aktiven Grundformen ohne die bedeutungstragenden Ergänzungen.

Indikativ: Präsens und Präteritum
PersonPräsensPräteritum
ichfühle nachfühlte nach
dufühlst nachfühltest nach
er/sie/esfühlt nachfühlte nach
wirfühlen nachfühlten nach
ihrfühlt nachfühltet nach
sie/Siefühlen nachfühlten nach
Indikativ: Perfekt und Plusquamperfekt
PersonPerfektPlusquamperfekt
ichhabe nachgefühlthatte nachgefühlt
duhast nachgefühlthattest nachgefühlt
er/sie/eshat nachgefühlthatte nachgefühlt
wirhaben nachgefühlthatten nachgefühlt
ihrhabt nachgefühlthattet nachgefühlt
sie/Siehaben nachgefühlthatten nachgefühlt
Indikativ: Futur I und Futur II
PersonFutur IFutur II
ichwerde nachfühlenwerde nachgefühlt haben
duwirst nachfühlenwirst nachgefühlt haben
er/sie/eswird nachfühlenwird nachgefühlt haben
wirwerden nachfühlenwerden nachgefühlt haben
ihrwerdet nachfühlenwerdet nachgefühlt haben
sie/Siewerden nachfühlenwerden nachgefühlt haben
Konjunktiv: einfache Formen
PersonKonjunktiv IKonjunktiv II
ichfühle nachfühlte nach
dufühlest nachfühltest nach
er/sie/esfühle nachfühlte nach
wirfühlen nachfühlten nach
ihrfühlet nachfühltet nach
sie/Siefühlen nachfühlten nach
Konjunktiv: Vergangenheit
PersonKonjunktiv I: PerfektKonjunktiv II: Vergangenheit
ichhabe nachgefühlthätte nachgefühlt
duhabest nachgefühlthättest nachgefühlt
er/sie/eshabe nachgefühlthätte nachgefühlt
wirhaben nachgefühlthätten nachgefühlt
ihrhabet nachgefühlthättet nachgefühlt
sie/Siehaben nachgefühlthätten nachgefühlt
Konjunktiv: Verbindungen mit werden und würde
PersonKonjunktiv I: Futur Iwürde-Form
ichwerde nachfühlenwürde nachfühlen
duwerdest nachfühlenwürdest nachfühlen
er/sie/eswerde nachfühlenwürde nachfühlen
wirwerden nachfühlenwürden nachfühlen
ihrwerdet nachfühlenwürdet nachfühlen
sie/Siewerden nachfühlenwürden nachfühlen
Konjunktiv: zusammengesetzte Formen
PersonKonjunktiv I: Futur IIwürde-Form mit Partizip II
ichwerde nachgefühlt habenwürde nachgefühlt haben
duwerdest nachgefühlt habenwürdest nachgefühlt haben
er/sie/eswerde nachgefühlt habenwürde nachgefühlt haben
wirwerden nachgefühlt habenwürden nachgefühlt haben
ihrwerdet nachgefühlt habenwürdet nachgefühlt haben
sie/Siewerden nachgefühlt habenwürden nachgefühlt haben
Imperativ
FormWortform
dufühl nach! / fühle nach!
ihrfühlt nach!
Siefühlen Sie nach!
Infinitiv und Partizipien
FormWortform
Infinitivnachfühlen
Infinitiv mit zunachzufühlen
Partizip Inachfühlend
Partizip IInachgefühlt