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nähren

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
nähren
Worttrennung
näh·ren
Präsens
er / sie nährt
Präteritum
er / sie nährte
Partizip II
genährt
Perfekt
hat genährt
Hilfsverb
haben
Infinitiv
nähren
Trennbarkeit
nicht trennbar

Reflexiver Gebrauch: auch reflexiv: sich von etwas nähren (gehoben)

Gebrauch: Schwaches Verb; mehrere Verwendungen gehoben oder älter. Übertragene Verstärkung von Gedanken und Gefühlen deutlich vom Ernähren trennen.

Ergänzungen: jemanden/etwas nähren (Akkusativ); sich von etwas nähren (von + Dativ); auch ohne Objekt: nahrhaft sein

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Nähren bedeutet, Nahrung oder Lebensunterhalt zu geben; ohne Objekt kann es auch nahrhaft sein bedeuten. Bildlich wird etwas genährt, wenn es bestärkt oder am Leben erhalten wird, etwa eine Hoffnung oder ein Verdacht.

Bedeutungen

Bedeutung 1: Mit Nahrung oder Lebensunterhalt versorgen

Jemand kann ein Lebewesen nähren, also mit Nahrung versorgen. In einem entsprechenden Zusammenhang kann etwa das Nähren eines Kindes das Stillen meinen. Gehobener oder älterer Sprachgebrauch umfasst auch das Sichern des Lebensunterhalts.

„Die Ernte sollte die Familie durch den Winter nähren.“

Die Versorgung steht im Mittelpunkt. Eine bestimmte Speise oder Menge wird noch nicht genannt.

Bedeutung 2: Sich von etwas nähren

In der Verbindung sich von etwas nähren ist die versorgte Person zugleich die handelnde Person. „Sie nährten sich von den Vorräten“ bedeutet, dass die Vorräte ihnen als Nahrung dienten. Dieser Gebrauch wirkt gehobener als sich ernähren.

„Die Gruppe nährte sich von den mitgebrachten Vorräten.“

Die reflexive Verbindung beschreibt die eigene Ernährung. Der Ausdruck klingt gehobener als sich ernähren.

Bedeutung 3: Nahrung bieten

Ohne genanntes Objekt kann nähren ausdrücken, dass etwas Nahrung bietet: „Die einfache Kost nährt“. Der Satz beurteilt damit nicht automatisch Geschmack oder Bekömmlichkeit für jede Person.

„Die einfache Mahlzeit nährt, auch ohne aufwendig zubereitet zu sein.“

Hier steht kein Objekt nach nähren. Das Verb beschreibt die versorgende Wirkung, nicht den Geschmack.

Bedeutung 4: Etwas aufrechterhalten oder verstärken

Bildlich können Nachrichten eine Hoffnung oder einen Verdacht nähren. Auch ein Feuer kann mit Brennmaterial genährt werden. In beiden Fällen geht es darum, etwas weiterbestehen oder stärker werden zu lassen; die Vorgänge sind aber nicht wörtlich dieselben.

„Die ausweichende Antwort nährte weitere Zweifel.“

Die Zweifel werden stärker. Der Satz beweist nicht, dass sie sachlich berechtigt sind.

Synonyme: andere Wörter für nähren

Ernähren, erhalten und verstärken passen zu verschiedenen Ergänzungen des Verbs.

Mit Nahrung oder Lebensunterhalt versorgen

ernähren · mit Nahrung versorgen · unterhalten

Ernähren ist im Alltag meist unauffälliger. Unterhalten passt beim Lebensunterhalt, kann ohne Zusammenhang aber auch unterhaltsam beschäftigen bedeuten. Stillen passt ausschließlich zum entsprechenden Versorgungsvorgang.

„Von dieser Arbeit nährte sie ihre Familie.“ → „Mit dieser Arbeit sicherte sie den Lebensunterhalt ihrer Familie.“ Die Umschreibung macht den wirtschaftlichen Zusammenhang deutlich.

Einen Gedanken oder ein Gefühl bestärken

bestärken · aufrechterhalten · fördern

Bestärken betont die Verstärkung, aufrechterhalten das Weiterbestehen. Hervorrufen kann stärker sein, wenn der Gedanke vorher noch gar nicht vorhanden war.

„Die unerwartete Nachricht nährte ihre Hoffnung.“ → „Die unerwartete Nachricht bestärkte ihre Hoffnung.“ Beide Sätze sagen noch nicht, ob die Hoffnung später erfüllt wird.

Ein Feuer weiterbrennen lassen

mit Brennmaterial versorgen · am Brennen halten

Diese Umschreibungen erklären den konkreten Vorgang. Anzünden wäre etwas anderes: Es bezeichnet den Beginn des Brennens und nicht notwendig dessen weitere Versorgung.

„Er nährte das Feuer mit trockenem Holz.“ → „Er hielt das Feuer durch Nachlegen von trockenem Holz am Brennen.“ Die zweite Fassung beschreibt die Handlung genauer.

Beispiele und Verwendung

Die Verstärkung eines Verdachts erklären

„Die ausbleibende Antwort nährte ihren Verdacht, dass der Termin verschoben worden war.“

Der Verdacht wird stärker. Der Satz ist kein Nachweis einer tatsächlichen Terminänderung.

Eine gehobene Ernährungsbeschreibung verstehen

„Im alten Reisebericht heißt es, die Gruppe habe sich tagelang von ihren letzten Vorräten genährt.“

Sich von etwas nähren bezeichnet hier die eigene Ernährung. Die Formulierung passt zum gehobeneren Ton eines älteren Berichts.

Grammatik und Beugung

Die Stammformen lauten nährt, nährte, hat genährt. Das Verb wird schwach gebeugt und bildet das Perfekt mit haben. Die Worttrennung lautet näh·ren.

Bei „Sie nährt die Hoffnung“ steht die Hoffnung im Akkusativ. In „Sie nährt sich von Vorräten“ gehört sich zum reflexiven Gebrauch; nach von folgt der Dativ. Die Tabellen zeigen die aktiven Grundformen ohne ergänztes Objekt.

Als Aufforderung sind nähr! und nähre! möglich. Ältere Texte können längere Formen wie nähret oder nährete enthalten. Die Tabellen zeigen die heutigen Grundformen nährt und nährte; die älteren Varianten sind keine andere Bedeutung des Verbs.

Präsens und Präteritum
PersonPräsensPräteritum
ichich nähreich nährte
dudu nährstdu nährtest
er / sie / eser/sie/es nährter/sie/es nährte
wirwir nährenwir nährten
ihrihr nährtihr nährtet
siesie nährensie nährten
Konjunktiv I und II
PersonKonjunktiv IKonjunktiv II
ichich nähreich nährte
dudu nährestdu nährtest
er / sie / eser/sie/es nähreer/sie/es nährte
wirwir nährenwir nährten
ihrihr nähretihr nährtet
siesie nährensie nährten
Perfekt
PersonPerfekt
ichich habe genährt
dudu hast genährt
er / sie / eser/sie/es hat genährt
wirwir haben genährt
ihrihr habt genährt
siesie haben genährt
Aufforderungsformen
AnredeImperativ
dunähre!
ihrnährt!
Sienähren Sie!

Hoffnung oder Zweifel nähren

„Das Gespräch nährte ihre Hoffnung auf eine Einigung.“ Die Hoffnung wird wie etwas dargestellt, das durch Nahrung weiterlebt. Ebenso können widersprüchliche Angaben Zweifel nähren. Das Verb kann somit positive und negative Erwartungen verstärken.

Für eine Textanalyse ist die Ergänzung entscheidend: Was wird genährt, und wodurch? Ein solcher Satz beschreibt eine Wirkung auf Gedanken oder Gefühle. Verwechsle diese Wirkung nicht mit der Bestätigung, dass die zugrunde liegende Vermutung richtig ist.

Nähren oder nähern?

Nähern bedeutet, einen Abstand kleiner werden zu lassen: „Wir nähern uns dem Haus.“ Nähren bezeichnet dagegen das Versorgen oder bildliche Stärken. Achte auf die unterschiedliche Stellung von e und r: nähern – nähren.