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nagen

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
nagen
Worttrennung
na·gen
Präsens
nagt
Präteritum
nagte
Partizip II
genagt
Perfekt
hat genagt
Hilfsverb
haben
Infinitiv
nagen
Trennbarkeit
nicht trennbar

Reflexiver Gebrauch: auch sich durch etwas nagen

Gebrauch: Schwaches Verb. Wörtlicher Gebrauch mit den Zähnen und übertragener Gebrauch bei anhaltender Belastung.

Ergänzungen: an jemandem oder etwas nagen: Dativ; ein Loch nagen: Akkusativ; sich durch etwas nagen: durch + Akkusativ

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Nagen bedeutet, mit den Zähnen kleine Stücke von etwas abzutragen. Übertragen können Zweifel, Sorgen oder andere Belastungen an einem Menschen nagen: Sie beschäftigen und beeinträchtigen ihn über längere Zeit.

Bedeutungen

Bedeutung 1: Mit den Zähnen kleine Stücke abtragen

Nagen bezeichnet wiederholtes Bearbeiten eines meist festen Gegenstands mit den Zähnen. Dabei kann etwas abgefressen, abgelöst oder durchlöchert werden. Sich durch etwas nagen hebt hervor, dass auf diese Weise ein Durchgang entsteht.

„Die Maus nagte ein Loch in die Pappschachtel.“

Das Loch ist das Ergebnis. Der Satz beschreibt nicht nur, dass die Maus einmal in die Schachtel gebissen hat.

Bedeutung 2: Innerlich belasten und allmählich beeinträchtigen

Im übertragenen Gebrauch wirken etwa Zweifel, Schuldgefühle oder Hunger anhaltend auf jemanden ein. Die Vorstellung des schrittweisen Abtragens macht die Belastung anschaulich. Es kann auch etwas an der Zuversicht oder am Selbstvertrauen nagen.

„Der ungelöste Streit nagte an ihrer Zuversicht.“

Der Streit schwächt ihre Zuversicht. Ob und wie sie ihn später beilegt, bleibt offen.

Synonyme: andere Wörter für nagen

Knabbern beschreibt eine Tätigkeit mit den Zähnen. Zehren oder bedrücken passen eher zu einer Belastung; nicht jeder einmalige Ärger nagt.

Eine Tätigkeit mit den Zähnen beschreiben

knabbern · abnagen · beißen

Knabbern kann genüssliches Essen kleiner Stücke bezeichnen. Abnagen hebt hervor, dass etwas von einer Oberfläche entfernt wird. Beißen ist allgemeiner und sagt noch nichts über das wiederholte kleine Abtragen.

„Der Hund nagte am Knochen.“ → „Der Hund bearbeitete den Knochen mit den Zähnen.“ Diese sachliche Umschreibung erhält den Vorgang; „Er fraß den Knochen“ würde ein anderes Ergebnis behaupten.

Eine länger wirkende Belastung ausdrücken

zehren · bedrücken · quälen

Zehren betont den Verbrauch von Kraft. Bedrücken beschreibt eine seelische Last, ohne unbedingt deren allmähliche Wirkung auszudrücken. Quälen kann die Stärke der Empfindung stärker hervorheben.

„Die Zweifel nagten an ihm.“ → „Die Zweifel ließen ihn nicht los.“ Die zweite Fassung betont das anhaltende Beschäftigtsein und verzichtet auf das Bild der Zähne.

Beispiele und Verwendung

Das Ergebnis nicht mit der Tätigkeit verwechseln

„Das Kaninchen nagt an einem Zweig.“

Der Satz nennt eine Tätigkeit, aber noch kein fertiges Ergebnis. „Das Kaninchen hat den Zweig durchgenagt“ wäre nur passend, wenn der Zweig tatsächlich durchtrennt ist.

Eine innere Belastung am Text belegen

„Obwohl die Figur weiterarbeitet, nagt die Erinnerung an ihrem Selbstvertrauen.“

Bei einer Charakterisierung lässt sich daran eine innere Spannung erklären. Die äußere Tätigkeit und die innere Belastung bestehen nebeneinander; eine eindeutige Diagnose ist damit nicht gegeben.

Grammatik und Beugung

Die Formen lauten nagt, nagte, hat genagt. Das Verb wird schwach gebeugt; das a bleibt in diesen Formen erhalten. Die Worttrennung lautet na·gen. Als Aufforderungen sind nage! und nag! möglich.

Nach an steht in „am Zweig nagen“ und „an seinem Gewissen nagen“ der Dativ. In „ein Loch nagen“ ist ein Loch dagegen ein Akkusativobjekt. Das Partizip genagt steht im Perfekt mit haben: „Die Mäuse haben an der Verpackung genagt.“

Präsens und Präteritum
PersonPräsensPräteritum
ichich nageich nagte
dudu nagstdu nagtest
er / sie / eser/sie/es nagter/sie/es nagte
wirwir nagenwir nagten
ihrihr nagtihr nagtet
siesie nagensie nagten
Konjunktiv I und II
PersonKonjunktiv IKonjunktiv II
ichich nageich nagte
dudu nagestdu nagtest
er / sie / eser/sie/es nageer/sie/es nagte
wirwir nagenwir nagten
ihrihr nagetihr nagtet
siesie nagensie nagten
Perfekt
PersonPerfekt
ichich habe genagt
dudu hast genagt
er / sie / eser/sie/es hat genagt
wirwir haben genagt
ihrihr habt genagt
siesie haben genagt
Aufforderungsformen
AnredeImperativ
dunage!
ihrnagt!
Sienagen Sie!

Was bedeutet am Hungertuch nagen?

Wer am Hungertuch nagt, hat sehr wenig zum Leben oder muss sich finanziell stark einschränken. Die Wendung ist umgangssprachlich und wird auch scherzhaft übertreibend gebraucht.

„Nach der teuren Reise mussten wir einen Monat lang am Hungertuch nagen.“

Das kann humorvoll einen knappen Monat beschreiben. Ob tatsächliche Not vorlag, lässt sich aus einer scherzhaften Äußerung nicht sicher schließen. In einer sachlichen Beschreibung sind konkrete Angaben zur finanziellen Lage genauer.