nassauern
Form & Grammatik
Verb- Stichwort
- nassauern
- Worttrennung
- nas·sau·ern
- Präsens
- nassauert; ich nassauere oder nassaure
- Präteritum
- nassauerte
- Partizip II
- genassauert
- Perfekt
- hat genassauert
- Hilfsverb
- haben
- Infinitiv
- nassauern
- Trennbarkeit
- nicht trennbar
Reflexiver Gebrauch: nicht reflexiv
Gebrauch: Schwaches Verb; umgangssprachlich und meist abwertend. Nassauere und nassaure sind belegte ich-Formen; Tabellen zeigen die ausführliche Form.
Ergänzungen: ohne direktes Akkusativobjekt; bei jemandem nassauern: Dativ
Definition · kurz erklärt
Nassauern bedeutet umgangssprachlich, sich auf Kosten anderer versorgen oder bezahlen zu lassen. Das Wort ist meist abwertend: Es unterstellt, dass jemand die Beiträge anderer ausnutzt, statt selbst etwas beizutragen.
Bedeutungen
Bedeutung 1: Sich auf Kosten anderer versorgen lassen
Wer jemandem vorwirft zu nassauern, kritisiert dessen Umgang mit fremdem Geld, Essen oder anderen Leistungen. Typisch ist die Vorstellung, sich immer wieder einladen zu lassen oder den eigenen Anteil anderen zu überlassen. Die Bezeichnung enthält eine Wertung und ist keine neutrale Angabe über das Einkommen einer Person.
Eine einzelne Einladung oder Unterstützung in einer schwierigen Lage belegt diesen Vorwurf nicht. Entscheidend ist, welches Verhalten tatsächlich beschrieben wird und welche Absprachen gelten.
„Bei jedem gemeinsamen Essen ließ er die anderen bezahlen; schließlich warfen sie ihm vor, nur zu nassauern.“
Das Beispiel nennt ein wiederholtes Verhalten und ordnet den Vorwurf ausdrücklich den anderen zu. Ob eine besondere Absprache bestand, müsste der weitere Zusammenhang klären.
Synonyme: andere Wörter für nassauern
Auf Kosten anderer leben ist eine verständliche Umschreibung. Schnorren und schmarotzen überschneiden sich damit, unterscheiden sich aber in Reichweite und Schärfe.
Den finanziellen Vorteil beschreiben
auf Kosten anderer leben · sich ständig einladen lassen
Auf Kosten anderer leben beschreibt den allgemeinen Zusammenhang. Sich ständig einladen lassen ist enger und passt etwa beim Bezahlen von Essen oder Getränken. Es muss durch die konkrete Situation gedeckt sein.
„Er nassauerte bei seinen Bekannten“ kann zu „Er ließ sich ständig von seinen Bekannten einladen“ werden, wenn genau diese wiederholten Einladungen gemeint sind.
Eine Bitte von einem allgemeinen Verhalten unterscheiden
schnorren · sich etwas spendieren lassen
Schnorren kann schon das Bitten um einen einzelnen kleinen Vorteil bezeichnen. Nassauern zielt häufig stärker auf eine wiederholte Gewohnheit. Sich etwas spendieren lassen kann dagegen ohne Vorwurf gemeint sein.
„Sie ließ sich zum Geburtstag ein Eis spendieren“ ist keine gleichbedeutende Umschreibung von „Sie nassauerte“. Die erste Aussage enthält keinen Vorwurf des Ausnutzens.
Die Schärfe des Vorwurfs beachten
schmarotzen · andere ausnutzen
Schmarotzen ist eine scharfe, abwertende Bezeichnung. Andere ausnutzen reicht weiter: Es kann etwa fremde Arbeit oder Hilfsbereitschaft betreffen, ohne dass jemand für Essen oder Rechnungen aufkommt.
„Er nutzte ihre Hilfsbereitschaft aus“ ist nur dann ein genauer Ersatz für „Er nassauerte bei ihr“, wenn die Art der Unterstützung tatsächlich zum Zusammenhang passt.
Beispiele und Verwendung
Beobachtung und Vorwurf trennen
„Der Erzähler behauptet, der Gast nassauere bei der Familie.“
In einer Charakterisierung ist zunächst die Sicht des Erzählers wiederzugeben. Erst konkrete Textstellen zeigen, was der Gast tatsächlich erhält und ob er Absprachen verletzt.
Sachlich beschreiben
„Bei den letzten drei Einkäufen übernahmen die anderen seinen vereinbarten Anteil.“
Diese Beschreibung nennt das beobachtbare Verhalten und die Vereinbarung. Sie ist für einen sachlichen Bericht genauer als ein bloßes abwertendes Etikett.
Grammatik und Beugung
Die Stammformen lauten nassauert, nassauerte, hat genassauert. Das schwache Verb bildet sein Perfekt mit haben. Die Worttrennung lautet nas·sau·ern.
In der ersten Person sind ich nassauere und ich nassaure möglich. In der kürzeren Form entfällt das e vor dem r. Die folgenden Tabellen verwenden nassauere. Bei den Aufforderungen sind nassauer! und nassauere! belegt; wegen der meist abwertenden Bedeutung wäre eine solche Aufforderung häufig scherzhaft oder ironisch zu verstehen.
Es heißt etwa „Er nassauert bei seinen Freunden“. Bei steht hier mit dem Dativ. Die Formulierung „Er nassauert seine Freunde“ entspricht diesem Gebrauch nicht. Das Verb kann auch ohne Ergänzung stehen, wenn der Zusammenhang bekannt ist.
Der Infinitiv mit zu lautet zu nassauern, das Partizip I nassauernd. Das Verb wird kleingeschrieben; als substantivierter Infinitiv heißt es das Nassauern. Die Personenbezeichnung Nassauer ist dagegen ein Substantiv.
| Person | Präsens | Präteritum |
|---|---|---|
| ich | nassauere | nassauerte |
| du | nassauerst | nassauertest |
| er/sie/es | nassauert | nassauerte |
| wir | nassauern | nassauerten |
| ihr | nassauert | nassauertet |
| sie | nassauern | nassauerten |
| Person | Perfekt |
|---|---|
| ich | habe genassauert |
| du | hast genassauert |
| er/sie/es | hat genassauert |
| wir | haben genassauert |
| ihr | habt genassauert |
| sie | haben genassauert |
| Person | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|
| ich | nassauere | nassauerte |
| du | nassauerst | nassauertest |
| er/sie/es | nassauere | nassauerte |
| wir | nassauern | nassauerten |
| ihr | nassauert | nassauertet |
| sie | nassauern | nassauerten |
| Anrede | Imperativ |
|---|---|
| du | nassauer! / nassauere! |
| ihr | nassauert! |
Nassauern ist eine Bewertung
Vergleiche „Die Familie unterstützt ihn während der Ausbildung“ mit „Er nassauert bei der Familie“. Der zweite Satz fügt einen Vorwurf hinzu, den der erste nicht enthält. Unterstützung, Abhängigkeit und das Ausnutzen anderer dürfen deshalb nicht ohne weitere Angaben gleichgesetzt werden.
In einer Erzählung kann das Wort den gereizten Ton einer Figur deutlich machen. In einer sachlichen Darstellung solltest du benennen, wer was bezahlt, welche Beiträge vereinbart waren und was tatsächlich geschah. So bleibt nachvollziehbar, worauf eine Kritik beruht.
