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scheinen

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
scheinen
Worttrennung
schei·nen
Präsens
er scheint
Präteritum
er schien
Partizip II
geschienen
Hilfsverb
haben

Starkes Verb: schien, hat geschienen. Beim Eindruck häufig mit zu-Infinitiv; glänzen im Licht selten.

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Scheinen kann heißen, Licht auszustrahlen oder Licht auf etwas fallen zu lassen. Häufig bedeutet es aber, einen bestimmten Eindruck zu erwecken: Etwas scheint möglich, oder jemand scheint zu schlafen. Eine solche Aussage bezeichnet einen Eindruck und bestätigt den Sachverhalt noch nicht sicher.

Bedeutungen

Bedeutung 1: Licht ausstrahlen

Eine Lichtquelle kann fortdauernd Licht aussenden und in eine Richtung gelangen lassen. Auch bei sichtbaren Gestirnen wird scheinen verwendet.

Hinter den Bäumen scheint eine kleine Lampe zum Weg herüber.

Die Lampe ist die bezeichnete Lichtquelle. Die Richtung wird durch zum Weg herüber ergänzt.

Bedeutung 2: Als Licht auf etwas fallen

Das Licht selbst kann Subjekt sein. Dann beschreibt scheinen, wo es auftrifft oder einfällt.

Das Licht der Taschenlampe scheint auf den unteren Rand des Schildes.

Die beleuchtete Stelle ist der untere Rand. Die Taschenlampe wird als Ursprung des Lichts genannt.

Bedeutung 3: Im Licht glänzen

Selten kann scheinen glänzen bedeuten. Hier geht es um den Helligkeitseindruck einer Oberfläche, nicht notwendig um eine eigene Lichtquelle.

Im älteren Text scheint das blanke Metall in der Nachmittagssonne.

Das Metall erscheint glänzend. Der Satz behauptet nicht, dass es selbst wie eine Lampe Licht erzeugt.

Bedeutung 4: Einen bestimmten Eindruck erwecken

Scheinen kann einen Eindruck oder eine Vermutung ausdrücken. Häufig folgt ein Adjektiv oder ein Infinitiv mit zu. Die Formulierung lässt offen, ob der Eindruck den tatsächlichen Zustand genau trifft.

Die Aufgabe scheint zunächst leicht zu sein; erst später entdeckt die Gruppe den entscheidenden Zusatz.

Zunächst leicht ist der erste Eindruck. Der spätere Zusatz erklärt, warum dieser Eindruck die ganze Aufgabe nicht erfasst.

scheinen: Synonyme und andere Wörter

Bei Licht

leuchten · strahlen · Licht werfen

Leuchten ist eine nahe Alternative bei einer Lichtquelle. Strahlen kann eine besonders starke Helligkeit nahelegen. Licht auf etwas werfen macht die beleuchtete Stelle ausdrücklich zum Ziel.

„Die Lampe leuchtet“ beschreibt sie allgemein. „Sie scheint auf die Tür“ nennt zusätzlich die Richtung ihres Lichts.

Bei einem Eindruck

wirken · aussehen wie · den Anschein haben

Wirken passt zu einem wahrgenommenen Eindruck. Aussehen wie beschränkt stärker auf das Sichtbare. Den Anschein haben lässt sich auch bei Vermutungen verwenden, die nicht allein auf dem Aussehen beruhen.

„Sie scheint zufrieden zu sein“ bezeichnet einen Eindruck. „Sie ist zufrieden“ stellt den Zustand unmittelbar fest.

Beispiele und Verwendung

Eindruck und Gewissheit unterscheiden

Die Antwort scheint richtig; eine Begründung fehlt noch.

Scheint richtig ist keine abgeschlossene Prüfung. Die Formulierung benennt eine vorläufige Einschätzung.

Die Zeitform des Infinitivs beachten

Er scheint die Nachricht schon gelesen zu haben.

Gelesen zu haben ordnet das Lesen vor den gegenwärtigen Eindruck ein. Scheint macht daraus noch keine sichere Beobachtung des Lesens.

Grammatik und Beugung

Scheinen wird schei·nen getrennt. Die Stammformen lauten scheint, schien, hat geschienen; der Konjunktiv II heißt schiene. Standardsprachlich heißt die Vergangenheit schien.

Beim Eindruck kann ein Adjektiv folgen: sie scheint ruhig. Ein zu-Infinitiv steht etwa in sie scheint zu warten. Die wahrnehmende Person kann im Dativ genannt werden: mir scheint die Antwort richtig. Unpersönlich ist mir scheint, dass die Antwort passt.

scheinen: Indikativ: Präsens und Präteritum
PersonPräsensPräteritum
ichscheineschien
duscheinstschienst
er/sie/esscheintschien
wirscheinenschienen
ihrscheintschient
siescheinenschienen
scheinen: Indikativ: Perfekt und Plusquamperfekt
PersonPerfektPlusquamperfekt
ichhabe geschienenhatte geschienen
duhast geschienenhattest geschienen
er/sie/eshat geschienenhatte geschienen
wirhaben geschienenhatten geschienen
ihrhabt geschienenhattet geschienen
siehaben geschienenhatten geschienen
scheinen: Indikativ: Futur I und Futur II
PersonFutur IFutur II
ichwerde scheinenwerde geschienen haben
duwirst scheinenwirst geschienen haben
er/sie/eswird scheinenwird geschienen haben
wirwerden scheinenwerden geschienen haben
ihrwerdet scheinenwerdet geschienen haben
siewerden scheinenwerden geschienen haben
scheinen: Konjunktiv: einfache Formen
PersonKonjunktiv IKonjunktiv II
ichscheineschiene
duscheinestschienest
er/sie/esscheineschiene
wirscheinenschienen
ihrscheinetschienet
siescheinenschienen
scheinen: Konjunktiv: Vergangenheit
PersonKonjunktiv I: PerfektKonjunktiv II: Vergangenheit
ichhabe geschienenhätte geschienen
duhabest geschienenhättest geschienen
er/sie/eshabe geschienenhätte geschienen
wirhaben geschienenhätten geschienen
ihrhabet geschienenhättet geschienen
siehaben geschienenhätten geschienen
scheinen: Imperativ
AnredeImperativ
duschein! / scheine!
ihrscheint!
Siescheinen Sie!

Redewendungen und feste Verbindungen

Mir scheint, dass …

Diese feste Satzkonstruktion kennzeichnet die folgende Aussage als persönliche Einschätzung. Mir ist Dativ und bezeichnet die Person, die den Eindruck hat.

Mir scheint, dass im zweiten Absatz eine wichtige Begründung fehlt.

Die Formulierung macht die Einschätzung kenntlich. Eine nachvollziehbare Begründung bleibt trotzdem erforderlich.