Meine Wörter

wirken

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
wirken
Worttrennung
wir·ken
Präsens
wirkt
Präteritum
wirkte
Partizip II
gewirkt
Hilfsverb
haben

Einen Eindruck erwecken ist von einer tatsächlichen Wirkung zu unterscheiden. Textilherstellung und Teigbearbeitung sind eigene fachliche beziehungsweise regionale Verwendungen.

Ergänzungen: auf jemanden/etwas (Akkusativ) wirken; bei der Herstellung etwas (Akkusativ) wirken

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Wirken kann heißen, tätig zu sein, etwas hervorzubringen oder einen Effekt auszuüben. Häufig beschreibt es nur einen Eindruck: Eine Person wirkt ruhig, ohne deshalb in jeder Situation ruhig zu sein. Daneben gibt es besondere Verwendungen bei Textilien und Teig.

Bedeutungen

Tätig sein oder etwas vollbringen

Wer an einer Schule, in einem Verein oder an einem anderen Ort wirkt, ist dort tätig und nimmt Einfluss. Die Formulierung hebt häufig die Tätigkeit über einen längeren Abschnitt hervor. Gehoben kann etwas wirken auch heißen, etwas zustande zu bringen.

Die Musikerin wirkte mehrere Jahre als Chorleiterin in der Stadt.

Genannt sind ihre Aufgabe und ein Zeitraum. Welche einzelnen Konzerte oder Ergebnisse mit dieser Arbeit verbunden waren, müsste ergänzt werden.

Eine Wirkung entfalten

Wirken kann einen Einfluss oder eine Veränderung beschreiben. Das Subjekt ist dabei das, dem der Effekt zugeschrieben wird. Welche Wirkung gemeint ist und woran sie erkennbar wird, sollte der Satz möglichst konkret erklären.

Die neue Beschilderung wirkt: Seit ihrer Einführung finden die Gäste den Eingang leichter.

Das Beispiel nennt eine beobachtete Verbesserung. Ob die Schilder allein dafür verantwortlich sind, müsste ein genauer Vergleich klären.

Einen Eindruck erwecken

Bei einer Person oder Sache beschreibt wirken oft, wie sie wahrgenommen wird. Ein Adjektiv wie freundlich, erschöpft oder unübersichtlich nennt diesen Eindruck. Die Aussage ist keine sichere Kenntnis des inneren Zustands.

Mira wirkt nach dem Gespräch gelassen, obwohl sie sich noch Sorgen macht.

Die äußere Wirkung und ihr tatsächliches Empfinden werden ausdrücklich unterschieden. In einer Charakterisierung sollte ein beobachteter Eindruck nicht ungeprüft zur dauerhaften Eigenschaft werden.

Textilien herstellen

In der Textiltechnik bezeichnet wirken die Herstellung von Wirkware durch Maschenbildung. Beim Bildwirken geht es dagegen um die Herstellung von Geweben mit eingearbeiteten Bildern oder Mustern. Die fachlichen Verfahren sollten nicht allein wegen desselben Verbs gleichgesetzt werden.

Die Beschreibung des Wandbehangs erklärt, wie die Figuren in das Gewebe gewirkt wurden.

Der Zusammenhang verweist auf die Herstellung des Bildgewebes. Die Figuren sind nicht bloß als nachträglich aufgemalte Bilder beschrieben.

Einen Teig bearbeiten

Regional oder in einem handwerklichen Zusammenhang kann wirken das Durchkneten beziehungsweise Bearbeiten eines Teigs bezeichnen. In einem Rezept muss der konkrete Arbeitsschritt aus der Anleitung hervorgehen.

Im Backkurs zeigt die Leiterin, wie der Teig gewirkt wird.

Hier geht es um die Verarbeitung des Teigs. Die andere Bedeutung eine Wirkung entfalten würde den geforderten Handgriff nicht erklären.

wirken: Synonyme und andere Wörter

Beim wahrgenommenen Eindruck

scheinen · erscheinen · den Eindruck erwecken

Scheinen und den Eindruck erwecken können eine vorsichtige Einschätzung wiedergeben. Aussehen beschränkt stärker auf eine sichtbare Erscheinung. Wirken kann ebenso durch Sprechweise, Verhalten oder eine ganze Situation begründet sein.

„Die Antwort wirkt sicher“ beschreibt einen Eindruck. „Die Antwort ist richtig“ behauptet dagegen ihre sachliche Richtigkeit.

Bei Tätigkeit und Folgen

tätig sein · etwas vollbringen · Einfluss ausüben

Tätig sein passt zur Arbeit an einem Ort. Einfluss ausüben passt zu einer zugeschriebenen Veränderung. Das Nomen Wirkung nennt unter anderem den Effekt, ist aber keine unveränderte Ersatzform für das Verb.

„Sie wirkt als Leiterin“ nennt eine Tätigkeit. „Ihre Erklärung wirkt beruhigend“ nennt einen Effekt auf andere. Beide Sätze brauchen unterschiedliche Umschreibungen.

Beispiele und Verwendung

Eine Textwirkung begründen

„Die abgebrochenen Sätze wirken hier hastig, weil die Figur ihre Gedanken mehrfach unterbricht.“

Hier verbindet die Erklärung eine sprachliche Beobachtung mit dem wahrgenommenen Eindruck. Abgebrochene Sätze müssen nicht in jedem Text automatisch dieselbe Wirkung haben.

Die wahrnehmende Person benennen

„Auf den neuen Schüler wirkt der lange Flur zunächst unübersichtlich.“

Auf den neuen Schüler nennt die Person, deren Eindruck wiedergegeben wird. Auf verlangt in dieser Verbindung den Akkusativ. Andere Personen können sich im Gebäude bereits gut zurechtfinden.

Grammatik und Beugung

Wirken ist schwach: wirkt – wirkte – hat gewirkt. Das Perfekt verwendet haben. Die Worttrennung lautet wir·ken; der Infinitiv mit zu heißt zu wirken.

Beim Eindruck folgt häufig ein Adjektiv: Die Figur wirkt ruhig. Die wahrnehmende Person kann mit auf und Akkusativ genannt werden. Das ist von einem direkten Akkusativobjekt bei einer Herstellung zu unterscheiden, etwa einen Teppich wirken.

Präteritum und Konjunktiv II haben bei diesem Verb gleiche Formen, beispielsweise sie wirkte. Ein Bedingungssatz oder eine würde-Umschreibung kann die gedachte Situation verdeutlichen: Mit mehr Licht würde der Raum offener wirken. Die Tabellen zeigen die tatsächlichen einfachen Formen.

wirken: Präsens, Präteritum und Perfekt
PersonPräsensPräteritumPerfekt
ichich wirkeich wirkteich habe gewirkt
dudu wirkstdu wirktestdu hast gewirkt
er/sie/eser/sie/es wirkter/sie/es wirkteer/sie/es hat gewirkt
wirwir wirkenwir wirktenwir haben gewirkt
ihrihr wirktihr wirktetihr habt gewirkt
siesie wirkensie wirktensie haben gewirkt
wirken: Plusquamperfekt, Futur I und Futur II
PersonPlusquamperfektFutur IFutur II
ichich hatte gewirktich werde wirkenich werde gewirkt haben
dudu hattest gewirktdu wirst wirkendu wirst gewirkt haben
er/sie/eser/sie/es hatte gewirkter/sie/es wird wirkener/sie/es wird gewirkt haben
wirwir hatten gewirktwir werden wirkenwir werden gewirkt haben
ihrihr hattet gewirktihr werdet wirkenihr werdet gewirkt haben
siesie hatten gewirktsie werden wirkensie werden gewirkt haben
wirken: Konjunktiv I und II
PersonKonjunktiv IKonjunktiv II
ichich wirkeich wirkte
dudu wirkestdu wirktest
er/sie/eser/sie/es wirkeer/sie/es wirkte
wirwir wirkenwir wirkten
ihrihr wirketihr wirktet
siesie wirkensie wirkten
wirken: Aufforderungsformen
AnredeForm
duwirk! / wirke!
ihrwirkt!
Siewirken Sie!

Gebräuchliche Verbindungen

Etwas auf sich wirken lassen

Die Verbindung bedeutet, sich für einen Eindruck Zeit zu lassen und ihn zunächst aufzunehmen. „Nach der Lesung lässt die Gruppe den Schluss einen Moment auf sich wirken.“ Das ist keine bestimmte Analysemethode und schließt eine spätere kritische Besprechung nicht aus.