schlagen
Form & Grammatik
- Stichwort
- schlagen
- Worttrennung
- schla·gen
- Präsens
- schlägt; du schlägst, ihr schlagt
- Präteritum
- schlug
- Partizip II
- geschlagen
- Perfekt
- hat geschlagen; bei bestimmten Bewegungen/Wirkungen ist geschlagen
- Hilfsverb
- haben; sein bei Auftreffen/Hervordringen/nach jemandem geraten; teils beide
- Infinitiv
- zu schlagen
- Trennbarkeit
- nicht trennbar
Hilfsverben bedeutungsabhängig. Ist geschlagen kann auch besiegt sein als Zustand meinen; das ist keine Aktivform des Besiegens.
Reflexiver Gebrauch: sich schlagen: Akkusativ; verschiedene Bedeutungen vom Kampf bis zur Bewährung
Ergänzungen: jemanden/etwas schlagen (Akkusativ); jemandem oder jemanden ins Gesicht schlagen; nach jemandem schlagen (Dativ)
Definition · kurz erklärt
Schlagen kann einen Schlag versetzen, einen Gegner besiegen oder rhythmisch tätig sein bedeuten. Ein Herz schlägt, eine Uhr schlägt und im Schach wird eine Figur geschlagen. Häufig lautet das Perfekt hat geschlagen; bei bestimmten Bewegungs- und Wirkungsbedeutungen steht ist geschlagen.
Bedeutungen
1 Einen Schlag versetzen
Jemand oder etwas wird durch eine rasche Bewegung getroffen. Schlagen kann einen einzelnen oder mehrere Schläge bezeichnen. Sich schlagen kann eine körperliche Auseinandersetzung zwischen Beteiligten meinen. Bei Richtungs- oder Zustandsangaben wird genauer gesagt, wohin oder mit welchem Ergebnis geschlagen wird.
„In der Erzählung schlägt die Figur mit der Faust gegen die geschlossene Tür.“
Der Satz nennt den Kontakt und das Mittel. Dass die Tür aufgeht oder beschädigt wird, folgt daraus nicht.
2 Etwas bearbeiten, herstellen oder bewegen
Durch Schläge kann etwas eingetrieben, entfernt oder hergestellt werden: einen Nagel einschlagen, Putz abschlagen oder eine Inschrift ausarbeiten. Schlagen kann auch das Fällen von Holz, das Herstellen einer Schneise, das frühere Prägen von Münzen oder das Befördern eines Balls bezeichnen. In der Küche werden etwa Sahne oder Eiweiß geschlagen.
„Für die beschriebene Nachspeise hat Jo das Eiweiß steif geschlagen.“
Das Material wird durch schnelle Bearbeitung in einen anderen Zustand gebracht. Es geht nicht um einen Schlag gegen eine Person.
3 Heftig auftreffen oder hin und her bewegt werden
Ein Körper oder Gegenstand kann mit Wucht gegen etwas schlagen. Beim Auftreffen steht sein; wiederholtes Prallen etwa des Regens kann haben oder sein bilden. Bei heftigem Hin-und-her-Bewegen, etwa eines Segels, steht haben.
„Im Roman ist ein loser Zweig gegen den Fensterrahmen geschlagen.“
Der Zweig trifft auf den Rahmen. Der Satz nennt keine Person, die einen Schlag absichtlich ausführt.
4 Hervordringen oder plötzlich spürbar werden
Flammen oder Rauch können hervor- beziehungsweise hochschlagen. Ein Laut kann ans Ohr schlagen, Röte ins Gesicht. Auch eine Nachricht kann jemandem auf den Magen schlagen. Hier steht sein. Beim Blitz sind ist und auch hat geschlagen belegt. Reflexives sich auf etwas schlagen kann dagegen eine Auswirkung oder einen Belag mit haben bezeichnen.
„Im Roman sind nach dem Öffnen der Tür Flammen in den dunklen Flur geschlagen.“
Die Flammen dringen plötzlich hervor. Für diese Wirkungs- oder Bewegungslesart ist nicht die gewöhnliche transitive haben-Reihe einzusetzen.
5 Etwas überdecken, einwickeln oder umfassen
Eine Plane kann über Waren geschlagen, ein Gegenstand in Papier geschlagen oder ein Arm um jemanden geschlagen werden. Die Ergänzung erklärt, wie etwas gelegt, gedeckt oder umfasst wird.
„Vor dem Transport schlägt das Team die empfindliche Requisite in weiches Papier.“
Die Requisite wird eingewickelt. Ein Schlag gegen die Requisite ist damit nicht gemeint.
6 Rhythmisch bewegen, einen Klang oder ein Signal erzeugen
Schlagen kann das Spielen eines Schlaginstruments und das Angeben eines Takts meinen. Eine Uhr schlägt und zeigt damit eine Zeit an; bestimmte Singvögel schlagen im Sinn von singen. Auch Herz und Puls schlagen. Ein Vogel kann mit den Flügeln schlagen. Diese verschiedenen Subjekte machen den jeweiligen rhythmischen oder klanglichen Vorgang deutlich.
„Während die alte Uhr acht schlägt, schlägt Jo auf der Trommel einen ruhigen Takt.“
Die Uhr signalisiert die Stunde, Jo erzeugt einen Rhythmus. Beides bildet das Perfekt mit haben, obwohl niemand besiegt wird.
7 Einen Gegner besiegen oder sich bewähren
Im Wettbewerb heißt jemanden schlagen, gegen die Person oder Mannschaft zu gewinnen. Das gilt auch militärisch. Sich gut oder schlecht schlagen bewertet dagegen, wie jemand eine Situation bewältigt. Umgangssprachlich kann sich um etwas schlagen ein heftiges konkurrierendes Bemühen meinen.
„Obwohl die Mannschaft knapp verliert, hat sie sich gegen die erfahrenen Gegner gut geschlagen.“
Die reflexive Bewertung behauptet keinen Sieg. Jemanden geschlagen haben würde dagegen den Sieg über die genannte Gegenseite bezeichnen.
8 Im Brettspiel eine Figur aus dem Spiel nehmen
Im Schach und anderen Brettspielen bezeichnet schlagen das regelgemäße Entfernen einer gegnerischen Figur oder eines Steins durch einen Zug. Welche Figuren schlagen dürfen und wie der Zug erfolgt, hängt vom Spiel ab.
„Im Schachbeispiel schlägt der Springer die gegnerische Dame.“
Die Dame wird durch einen legalen Zug aus dem Spiel genommen. Ein körperliches Beschädigen der Spielfigur ist nicht gemeint.
9 Gehoben: schwer treffen oder heimsuchen
Ein Unglück oder Schicksal kann bildlich jemanden schlagen. Oft steht das Partizip geschlagen für eine schwer belastete Person. Die Formulierung beschreibt eine Bewertung der Lage, keine bestimmte körperliche Einwirkung.
„Die Erzählung beschreibt die Familie als vom Unglück geschlagen.“
Die Familie ist stark belastet. Welche Ereignisse dazu führten, muss die Handlung erklären.
10 Etwas hinzufügen oder einem Bereich zuordnen
Einen Betrag zu einem anderen schlagen heißt, ihn hinzuzurechnen. Ein Gebiet kann einem anderen zugeordnet werden. Schlägt eine Frage in ein Fach, fällt sie in dessen Zuständigkeitsbereich; diese letzte Verwendung kann haben oder sein bilden.
„Im Rechenbeispiel werden die Zusatzkosten zum ursprünglichen Betrag geschlagen.“
Die Beträge werden zusammengezählt. Das Verb nennt keine körperliche Bewegung des Geldes.
11 Sich in eine Richtung oder durch ein Gebiet bewegen
Sich nach links oder ins Gebüsch schlagen beschreibt einen Richtungswechsel. Sich durch einen Wald schlagen kann ein mühsames Vorankommen meinen. Das Reflexivpronomen gehört zu dieser Konstruktion; das Perfekt steht mit haben.
„Auf der Suche nach dem verlorenen Ball hat sich die Figur durch das dichte Gebüsch geschlagen.“
Die Bewegung wird als erschwert dargestellt. Ein Kampf mit einer anderen Person ist nicht behauptet.
12 Nach jemandem geraten
Im Aussehen, Wesen oder in der Art nach jemandem schlagen heißt, dieser Person ähnlich zu werden beziehungsweise zu sein. Diese Bedeutung bildet das Perfekt mit sein. Eine solche Ähnlichkeitsaussage sollte ihren Bereich konkret nennen.
„In ihrem trockenen Humor ist die Romanfigur nach dem Großvater geschlagen.“
Die Ähnlichkeit betrifft hier den Humor. Sie ist kein Beleg für eine vollständige Übereinstimmung der Persönlichkeiten.
13 Jagdsprachlich: Beute greifen und töten
Von Greifvögeln gesagt kann schlagen das Greifen und Töten der Beute bezeichnen. Der Fachgebrauch ist vom bloßen Flügelschlagen zu unterscheiden.
„Der Naturbericht beschreibt, wie der Greifvogel seine Beute geschlagen hat.“
Gemeint ist der Beutefang mit Töten. Ein einzelner Flügelschlag wäre eine andere Aussage.
14 Etwas aus etwas herausholen
Aus einem Stein Funken zu schlagen nennt ein körperliches Hervorbringen. Geld aus jemandem zu schlagen kann dagegen eine auf Vorteil gerichtete Handlung bezeichnen. Die Ergänzung mit aus grenzt den Sinn ein.
„In der historischen Szene schlägt die Figur Funken aus dem Stein.“
Die Funken entstehen durch die Einwirkung. Ein finanzieller Vorteil ist hier nicht gemeint.
15 Eine Mensur oder einen Zweikampf austragen
Mit bestimmten Objekten wie Mensur bezeichnet schlagen das Austragen eines ritualisierten Zweikampfs. Sich mit jemandem schlagen kann in älteren Texten auch ein Duell mit Waffen meinen. Diese historischen oder fachlichen Verwendungen sind keine gewöhnliche Wettkampfwertung.
„Der historische Roman berichtet, dass die beiden Studenten eine Mensur geschlagen haben.“
Der Ausdruck nennt den besonderen Zweikampf. Er ist nicht gleichbedeutend mit einem beliebigen Wortstreit.
schlagen: Synonyme und andere Wörter
Bei körperlichen Schlägen
Prügeln betont wiederholte Schläge. Schlagen kann bereits einen einzelnen Schlag meinen. Stoßen, klopfen und hämmern benennen je nach Gegenstand andere Bewegungen.
„Die Figur schlägt einmal gegen die Tür“ ist nicht dasselbe wie „Die Figur prügelt auf eine Person ein“.
Anzahl, Gegenstand und Bewegungsart sollen beim Ersetzen erhalten bleiben.
Bei Sieg und Leistung
Besiegen bezeichnet wie jemanden schlagen einen errungenen Sieg. Sich bewähren passt dagegen zur reflexiven Bewertung sich gut schlagen.
„Die Mannschaft schlägt den Favoriten“ meldet einen Sieg. „Die Mannschaft schlägt sich gegen den Favoriten gut“ kann auch bei einer Niederlage zutreffen.
Die reflexive Form darf nicht versehentlich in eine Siegerbehauptung umgeschrieben werden.
Bei Klang und Bewegung
Pochen passt häufig zum Herzschlag, ertönen zum Signal und spielen zum Musikinstrument. Eine Plane über etwas schlagen lässt sich dagegen mit legen oder decken erklären.
„Die Uhr schlägt zehn“ bedeutet nicht „Die Uhr schlägt einen Gegner“. Der Gegenstand und das Objekt machen den Unterschied.
Ein einziges allgemeines Ersatzwort deckt diese Verwendungen nicht ab.
Beispiele und Verwendung
„Jo hat auf die Trommel geschlagen; der lose Ast ist gegen das Dach geschlagen.“
Die Trommelhandlung steht mit haben. Das Auftreffen des Astes steht mit sein. Die schnelle Bewegung allein entscheidet nicht über das Hilfsverb.
„Sie schlägt den Ball ins Feld und schlägt später ihre Gegnerin im Turnier.“
Zuerst ist der Ball Objekt einer Bewegung. Danach ist die Gegnerin Objekt des sportlichen Besiegens.
„Das Gewissen schlägt der Figur nach der Lüge.“
Die gehobene Formulierung bezeichnet Schuldgefühl oder Vorwürfe des eigenen Gewissens, keinen hörbaren mechanischen Takt.
Grammatik und Beugung
Die starken Formen lauten schlägt – schlug – geschlagen, im Konjunktiv II schlüge. Die Worttrennung ist schla·gen, der zu-Infinitiv zu schlagen. Die Präsensformen du schlägst und er/sie/es schlägt haben Umlaut; ihr schlagt nicht. Die Grundreihe mit haben gilt etwa für einen Schlag versetzen, einen Gegner besiegen, Musikinstrumente und Herz-/Uhrschlag sowie reflexive Konstruktionen. Sein gehört zum heftigen Auftreffen, Hervordringen, plötzlich spürbaren Wirken und nach jemandem geraten. Bei wiederholtem Prallen, Blitz und der Fachzuordnung sind beide Hilfsverben belegt. Jemanden schlagen hat Akkusativ; bei genanntem Körperteil sind etwa jemandem oder jemanden ins Gesicht schlagen möglich. Reflexives sich schlagen hat Akkusativ. Die zusätzlichen sein-Tabellen sind echte Aktivformen dieser abgegrenzten Lesarten; er ist geschlagen kann in einem anderen Zusammenhang auch einen besiegten Zustand ausdrücken. Dieses Zustandspassiv darf nicht als aktives Besiegen gelesen werden.
| Person | Präsens | Präteritum | Perfekt |
|---|---|---|---|
| ich | ich schlage | ich schlug | ich habe geschlagen |
| du | du schlägst | du schlugst | du hast geschlagen |
| er/sie/es | er/sie/es schlägt | er/sie/es schlug | er/sie/es hat geschlagen |
| wir | wir schlagen | wir schlugen | wir haben geschlagen |
| ihr | ihr schlagt | ihr schlugt | ihr habt geschlagen |
| sie | sie schlagen | sie schlugen | sie haben geschlagen |
| Person | Plusquamperfekt | Futur I | Futur II |
|---|---|---|---|
| ich | ich hatte geschlagen | ich werde schlagen | ich werde geschlagen haben |
| du | du hattest geschlagen | du wirst schlagen | du wirst geschlagen haben |
| er/sie/es | er/sie/es hatte geschlagen | er/sie/es wird schlagen | er/sie/es wird geschlagen haben |
| wir | wir hatten geschlagen | wir werden schlagen | wir werden geschlagen haben |
| ihr | ihr hattet geschlagen | ihr werdet schlagen | ihr werdet geschlagen haben |
| sie | sie hatten geschlagen | sie werden schlagen | sie werden geschlagen haben |
| Person | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|
| ich | ich schlage | ich schlüge |
| du | du schlagest | du schlügest / du schlügst |
| er/sie/es | er/sie/es schlage | er/sie/es schlüge |
| wir | wir schlagen | wir schlügen |
| ihr | ihr schlaget | ihr schlüget / ihr schlügt |
| sie | sie schlagen | sie schlügen |
| Person | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|
| ich | ich habe geschlagen | ich hätte geschlagen |
| du | du habest geschlagen | du hättest geschlagen |
| er/sie/es | er/sie/es habe geschlagen | er/sie/es hätte geschlagen |
| wir | wir haben geschlagen | wir hätten geschlagen |
| ihr | ihr habet geschlagen | ihr hättet geschlagen |
| sie | sie haben geschlagen | sie hätten geschlagen |
| Anrede | Form |
|---|---|
| du | schlag! / schlage! |
| ihr | schlagt! |
| Sie | schlagen Sie! |
| Form | Wortlaut |
|---|---|
| Infinitiv | schlagen |
| zu-Infinitiv | zu schlagen |
| Partizip I | schlagend |
| Partizip II | geschlagen |
| Person | Perfekt | Plusquamperfekt | Futur II |
|---|---|---|---|
| ich | bin geschlagen | war geschlagen | werde geschlagen sein |
| du | bist geschlagen | warst geschlagen | wirst geschlagen sein |
| er | ist geschlagen | war geschlagen | wird geschlagen sein |
| wir | sind geschlagen | waren geschlagen | werden geschlagen sein |
| ihr | seid geschlagen | wart geschlagen | werdet geschlagen sein |
| sie | sind geschlagen | waren geschlagen | werden geschlagen sein |
| Person | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|
| ich | sei geschlagen | wäre geschlagen |
| du | seiest geschlagen | wärest geschlagen |
| er | sei geschlagen | wäre geschlagen |
| wir | seien geschlagen | wären geschlagen |
| ihr | seiet geschlagen | wäret geschlagen |
| sie | seien geschlagen | wären geschlagen |
Redewendungen und feste Verbindungen
Sich geschlagen geben
Die Verbindung bedeutet, die eigene Niederlage beziehungsweise Unterlegenheit einzugestehen. „Nach dem letzten Gegenbeispiel gibt sich die Figur in der Diskussion geschlagen.“ Sie erkennt hier an, dass ihr Einwand nicht trägt. Ein körperlicher Kampf ist nicht erforderlich.
Nicht zu schlagen sein
Umgangssprachlich heißt die Verbindung, auf einem bestimmten Gebiet unübertrefflich oder unschlagbar zu sein. „Beim schnellen Ordnen der Karteikarten ist Jo heute nicht zu schlagen.“ Der Zusatz begrenzt das Lob auf diese Aufgabe und diesen Zeitpunkt; eine allgemeine Überlegenheit wird nicht behauptet.
