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schleifen

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
schleifen
Worttrennung
schlei·fen
Präsens
schleift
Präteritum
schliff (stark); schleifte (schwach)
Partizip II
geschliffen / geschleift nach Bedeutung
Perfekt
hat geschliffen/geschleift; ist geschliffen/geschleift bei den erläuterten Bewegungslesarten
Hilfsverb
haben oder sein nach Bedeutung und Gebrauch
Infinitiv
schleifen
Trennbarkeit
nicht trennbar; zu schleifen
Kasus
etwas/jemanden (Akkusativ) schleifen; eigene Bewegung ohne dieses Objekt

Hart ausbilden besonders soldatensprachlich; starkes Schlittern landschaftlich; schwaches Berühren mit sein seltener.

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Schleifen kann Schärfen oder Glätten bedeuten: schliff, hat geschliffen. Beim Ziehen über eine Fläche und beim Niederreißen einer Befestigung heißt es dagegen schleifte, hat geschleift. Hinzu kommen besondere Verwendungen beim harten Ausbilden und beim gleitenden oder schlurfenden Bewegen.

Bedeutungen

1 Eine Schneide schärfen

Das starke schleifen kann bezeichnen, eine Schneide durch reibende Bearbeitung scharf zu machen. Welches Werkzeug und welche Technik dabei verwendet werden, muss eine genauere Beschreibung nennen.

„Der Werkstattbericht hält fest, dass das Werkzeug vor dem Einsatz geschliffen wurde.“

Der Satz nennt die Bearbeitung. Er ist keine Anleitung und garantiert noch nicht, dass das Werkzeug für einen bestimmten Einsatz geeignet ist.

2 Eine Oberfläche formen oder glätten

Glas, Stein oder andere Werkstücke können durch Schleifen eine bestimmte Form oder eine glattere Oberfläche erhalten. Übertragen kann eine geschliffene Formulierung sprachlich ausgearbeitet wirken.

„Für das passende Bauteil schliff die Fachkraft die vorgesehene Fläche nach.“

Eine Fläche wird gezielt bearbeitet. Dass das ganze Bauteil anschließend glänzt oder fehlerfrei ist, folgt daraus nicht.

3 Hart ausbilden oder drillen

Besonders soldatensprachlich kann das starke Verb eine harte Ausbildung oder ein Drillen, auch mit schikanösem Beiklang, benennen. Es ist keine neutrale Umschreibung jedes Unterrichts.

„Der historische Bericht erzählt, wie der Ausbilder die Rekruten schliff.“

Die Wortwahl hebt die Härte hervor. Ob einzelne Maßnahmen angemessen oder zulässig waren, lässt sich nicht allein aus dem Verb entscheiden.

4 Landschaftlich: auf einer Rutschbahn schlittern

Landschaftlich wird das starke schleifen für das Schlittern auf einer Rutschbahn gebraucht. Diese eigene Bewegung bildet das Perfekt mit sein: ist geschliffen.

„Im regional gefärbten Winterbericht erzählt die Figur, sie sei damals oft auf der Bahn geschliffen.“

Die Figur gleitet auf einer Bahn. Eine Oberfläche wird dabei nicht wie beim handwerklichen Schleifen gezielt bearbeitet.

5 Über den Boden oder eine Fläche ziehen

Das schwache Verb beschreibt, etwas oder jemanden mit Mühe oder Gewalt über eine Fläche zu ziehen. Übertragen kann jemanden ins Kino schleifen auch ein nachdrückliches Überreden zum Mitkommen meinen.

„Die Figur schleifte die schwere Tasche über den Boden bis zur Tür.“

Die Tasche wird gezogen, nicht frei getragen. Wie stark sie dabei beschädigt wird, bleibt offen.

6 Bei einer Bewegung reibend berühren

Ein Gegenstand kann bei seiner Bewegung den Boden oder eine andere Fläche reibend berühren. Hier ist haben gewöhnlich, sein seltener belegt.

„Der zu lange Saum hat während des Gehens auf dem Boden geschleift.“

Der Saum berührt den Boden. Niemand zieht ihn in diesem Satz als getrennte Last hinter sich her.

7 Schlurfend gehen

Das schwache schleifen kann eine schlurfende Fortbewegung ausdrücken. Diese Verwendung steht mit sein und ist von der Handlung des Schleppens eines Gegenstands zu trennen.

„Im Roman ist die erschöpfte Figur langsam über den Flur geschleift.“

Die Figur bewegt sich selbst mit schleifenden Schritten. Das beschreibt die konkrete Szene, keinen bleibenden Charakterzug.

8 Eine Befestigung niederreißen

Eine Festung oder Befestigung schleifen heißt, sie niederzureißen beziehungsweise dem Erdboden gleichzumachen. Diese Bedeutung ist schwach und bildet das Perfekt mit haben.

„Der historische Bericht erwähnt, dass die alte Befestigung nach dem Abkommen geschleift wurde.“

Das Bauwerk wird beseitigt, nicht nur an seiner Oberfläche geglättet. Das Verfahren und die näheren politischen Umstände müsste der Bericht gesondert erklären.

schleifen: Synonyme und andere Wörter

Schleifen, schärfen oder glätten?

Schärfen passt zur Schneide. Glätten richtet den Blick auf eine ebenere Oberfläche. Schleifen nennt dabei eine reibende Bearbeitung; nicht jedes Glätten muss durch Schleifen erfolgen.

Ein spitzer oder scharfer Gegenstand ist nicht deshalb überall glatt. Die gewünschte Eigenschaft des bearbeiteten Teils entscheidet über die passende Alternative.

„Die Fachkraft schleift die Kante“ kann je nach Auftrag ein Schärfen oder ein Glätten meinen. Die Ergänzung macht den Zweck eindeutig.

Schleifen oder schleppen?

Schleppen kann ein mühsames Tragen oder Ziehen bezeichnen. Beim schwachen schleifen über eine Fläche steht deren Berührung deutlicher im Vordergrund.

Wer einen Koffer schleppt, muss ihn nicht über den Boden ziehen. Das Verb schleifen wäre dann als Ersatz ungenau.

„Sie schleppt die Tasche die Treppe hinauf“ kann ein Tragen meinen. „Sie schleift die Tasche über den Boden“ nennt eine andere Beförderung.

Eine Befestigung schleifen oder abreißen?

Abreißen ist eine allgemeinere Bezeichnung für das Beseitigen von Bauwerken. Eine Befestigung schleifen ist die besondere historische Ausdrucksweise für das Niederreißen einer solchen Anlage.

Beim Abreißen eines Papierstücks passt schleifen nicht. Auch das Schärfen eines Werkzeugs ist kein Abreißen.

„Die Befestigung wurde geschleift“ lässt sich hier durch „Die Befestigung wurde niedergerissen“ erklären. „Die Oberfläche wurde geschliffen“ beschreibt dagegen einen anderen Vorgang.

Beispiele und Verwendung

Geschliffen oder geschleift?

„Die Oberfläche ist sorgfältig geschliffen.“ – „Die Kiste wurde über den Hof geschleift.“

Das starke Partizip betrifft die Bearbeitung, das schwache Partizip hier das Ziehen. Die gleiche Grundschreibung erlaubt keinen beliebigen Austausch.

Das Hilfsverb nach der tatsächlichen Lesart wählen

„Er hat das Werkstück geschliffen.“ – „Im regionalen Bericht ist er auf der Bahn geschliffen.“

Der erste Satz nennt eine Bearbeitung, der zweite eine eigene gleitende Bewegung. Haben und sein gehören nicht frei wählbar zu derselben Tätigkeit.

Grammatik und Beugung

Die Worttrennung lautet schlei·fen, die Verben sind nicht trennbar. Mit zu heißt es zu schleifen. Die starken Hauptformen sind schleift – schliff – geschliffen, der Konjunktiv II schliffe. Die schwachen Formen sind schleift – schleifte – geschleift; Konjunktiv II schleifte.

Die starke Reihe verwendet beim Schärfen, Glätten und hier erläuterten harten Ausbilden haben. Die landschaftliche Bedeutung auf einer Rutschbahn schlittern verwendet sein. Die ersten Tabellen zeigen diese beiden tatsächlich belegten Hilfsverben mit Schrägstrich; sie sind nach der Bedeutung auszuwählen.

Die schwache Reihe verwendet beim Ziehen und Niederreißen haben. Beim reibenden Berühren ist haben gewöhnlich und sein seltener; beim Schlurfen steht sein. Die schwache haben-Reihe und ihre zusätzliche sein-Tabelle werden getrennt gezeigt. Das gezogene oder bearbeitete Objekt steht im Akkusativ: die Kiste schleifen oder die Kante schleifen.

Stark: Indikativ – haben bei Bearbeitung/Ausbildung; sein beim regionalen Schlittern
PersonPräsensPräteritumPerfektPlusquamperfektFutur IFutur II
ichschleifeschliffhabe/bin geschliffenhatte/war geschliffenwerde schleifenwerde geschliffen haben/sein
duschleifstschliffsthast/bist geschliffenhattest/warst geschliffenwirst schleifenwirst geschliffen haben/sein
er/sie/esschleiftschliffhat/ist geschliffenhatte/war geschliffenwird schleifenwird geschliffen haben/sein
wirschleifenschliffenhaben/sind geschliffenhatten/waren geschliffenwerden schleifenwerden geschliffen haben/sein
ihrschleiftschliffthabt/seid geschliffenhattet/wart geschliffenwerdet schleifenwerdet geschliffen haben/sein
sieschleifenschliffenhaben/sind geschliffenhatten/waren geschliffenwerden schleifenwerden geschliffen haben/sein
Stark: Konjunktiv I – haben bei Bearbeitung/Ausbildung; sein beim regionalen Schlittern
PersonGegenwartVergangenheitFutur IFutur II
ichschleifehabe/sei geschliffenwerde schleifenwerde geschliffen haben/sein
duschleifesthabest/sei(e)st geschliffenwerdest schleifenwerdest geschliffen haben/sein
er/sie/esschleifehabe/sei geschliffenwerde schleifenwerde geschliffen haben/sein
wirschleifenhaben/seien geschliffenwerden schleifenwerden geschliffen haben/sein
ihrschleifethabet/seiet geschliffenwerdet schleifenwerdet geschliffen haben/sein
sieschleifenhaben/seien geschliffenwerden schleifenwerden geschliffen haben/sein
Stark: Konjunktiv II – haben bei Bearbeitung/Ausbildung; sein beim regionalen Schlittern
PersonGegenwartVergangenheitwürde-Formwürde-Form der Vergangenheit
ichschliffehätte/wäre geschliffenwürde schleifenwürde geschliffen haben/sein
duschliffesthättest/wär(e)st geschliffenwürdest schleifenwürdest geschliffen haben/sein
er/sie/esschliffehätte/wäre geschliffenwürde schleifenwürde geschliffen haben/sein
wirschliffenhätten/wären geschliffenwürden schleifenwürden geschliffen haben/sein
ihrschliffethättet/wär(e)t geschliffenwürdet schleifenwürdet geschliffen haben/sein
sieschliffenhätten/wären geschliffenwürden schleifenwürden geschliffen haben/sein
Schwach mit haben: ziehen/niederreißen – Indikativ Aktiv
PersonPräsensPräteritumPerfektPlusquamperfektFutur IFutur II
ichich schleifeich schleifteich habe geschleiftich hatte geschleiftich werde schleifenich werde geschleift haben
dudu schleifstdu schleiftestdu hast geschleiftdu hattest geschleiftdu wirst schleifendu wirst geschleift haben
er/sie/eser/sie/es schleifter/sie/es schleifteer/sie/es hat geschleifter/sie/es hatte geschleifter/sie/es wird schleifener/sie/es wird geschleift haben
wirwir schleifenwir schleiftenwir haben geschleiftwir hatten geschleiftwir werden schleifenwir werden geschleift haben
ihrihr schleiftihr schleiftetihr habt geschleiftihr hattet geschleiftihr werdet schleifenihr werdet geschleift haben
siesie schleifensie schleiftensie haben geschleiftsie hatten geschleiftsie werden schleifensie werden geschleift haben
Schwach mit haben: ziehen/niederreißen – Konjunktiv I Aktiv
PersonGegenwartVergangenheitFutur IFutur II
ichich schleifeich habe geschleiftich werde schleifenich werde geschleift haben
dudu schleifestdu habest geschleiftdu werdest schleifendu werdest geschleift haben
er/sie/eser/sie/es schleifeer/sie/es habe geschleifter/sie/es werde schleifener/sie/es werde geschleift haben
wirwir schleifenwir haben geschleiftwir werden schleifenwir werden geschleift haben
ihrihr schleifetihr habet geschleiftihr werdet schleifenihr werdet geschleift haben
siesie schleifensie haben geschleiftsie werden schleifensie werden geschleift haben
Schwach mit haben: ziehen/niederreißen – Konjunktiv II Aktiv
PersonGegenwartVergangenheitwürde-Formwürde-Form der Vergangenheit
ichich schleifteich hätte geschleiftich würde schleifenich würde geschleift haben
dudu schleiftestdu hättest geschleiftdu würdest schleifendu würdest geschleift haben
er/sie/eser/sie/es schleifteer/sie/es hätte geschleifter/sie/es würde schleifener/sie/es würde geschleift haben
wirwir schleiftenwir hätten geschleiftwir würden schleifenwir würden geschleift haben
ihrihr schleiftetihr hättet geschleiftihr würdet schleifenihr würdet geschleift haben
siesie schleiftensie hätten geschleiftsie würden schleifensie würden geschleift haben
Schwache Bewegungsreihe mit sein – schlurfen; bei reibendem Berühren seltener
PersonPerfektPlusquamperfektFutur IIKonjunktiv I: VergangenheitKonjunktiv II: VergangenheitKonjunktiv I: Futur IIwürde-Form der Vergangenheit
ichbin geschleiftwar geschleiftwerde geschleift seinsei geschleiftwäre geschleiftwerde geschleift seinwürde geschleift sein
dubist geschleiftwarst geschleiftwirst geschleift seinseiest geschleiftwärest geschleiftwerdest geschleift seinwürdest geschleift sein
er/sie/esist geschleiftwar geschleiftwird geschleift seinsei geschleiftwäre geschleiftwerde geschleift seinwürde geschleift sein
wirsind geschleiftwaren geschleiftwerden geschleift seinseien geschleiftwären geschleiftwerden geschleift seinwürden geschleift sein
ihrseid geschleiftwart geschleiftwerdet geschleift seinseiet geschleiftwäret geschleiftwerdet geschleift seinwürdet geschleift sein
siesind geschleiftwaren geschleiftwerden geschleift seinseien geschleiftwären geschleiftwerden geschleift seinwürden geschleift sein
Aufforderungsformen
Formtyp/AnredeForm
duschleif! / schleife!
ihrschleift!
Sieschleifen Sie!
Infinitive und Partizipien nach Bedeutung
Formtyp/AnredeForm
Infinitivschleifen
zu-Infinitivzu schleifen
Partizip Ischleifend
Partizip II: starkgeschliffen
Infinitiv Perfekt: starkgeschliffen haben / geschliffen sein
zu-Infinitiv Perfekt: starkgeschliffen zu haben / geschliffen zu sein
Partizip II: schwachgeschleift
Infinitiv Perfekt: schwachgeschleift haben / geschleift sein
zu-Infinitiv Perfekt: schwachgeschleift zu haben / geschleift zu sein

Was bedeutet etwas schleifen lassen?

Umgangssprachlich heißt etwas schleifen lassen, es zu vernachlässigen beziehungsweise nicht mit der nötigen Aufmerksamkeit weiterzuführen. Es wird keine wörtliche Oberflächenbearbeitung beschrieben.

„Während der Prüfungswoche hat sie die regelmäßigen Absprachen mit der Gruppe etwas schleifen lassen.“

Die Aussage betrifft eine bestimmte Gewohnheit in einem Zeitraum. Daraus folgt kein pauschales Urteil über ihre Zuverlässigkeit in allen Bereichen.