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schnappen

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
schnappen
Worttrennung
schnap·pen
Präsens
schnappt
Präteritum
schnappte
Partizip II
geschnappt
Perfekt
hat geschnappt; bei schnellender Bewegung: ist geschnappt
Hilfsverb
haben; bei schnellender Bewegung in eine Lage: sein
Trennbarkeit
nicht trennbar; zu schnappen

Rasches Zugreifen und Festnehmen sind umgangssprachliche Verwendungen.

Bei einem schnappenden Mechanismus steht gewöhnlich die dritte Person; die Tabellen enthalten die vollständigen grammatischen Personenreihen.

Reflexiver Gebrauch: Beim Sichnehmen fakultatives Dativpronomen: ich schnappe mir etwas; du schnappst dir etwas.

Gebrauch: Schwaches Verb. Haben bei Zugriff, Schnappgeräusch und festen Verbindungen; sein bei der schnellenden Bewegung etwa eines Riegels.

Ergänzungen: nach jemandem/etwas (Dativ) schnappen; jemanden/etwas (Akkusativ) schnappen; sich (Dativ) etwas (Akkusativ) schnappen

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Schnappen heißt, mit Maul, Zähnen oder Schnabel rasch nach etwas zu greifen oder etwas zu fassen. Umgangssprachlich kann man etwas oder jemanden schnappen. Bei einem Mechanismus bezeichnet das Verb eine schnelle Bewegung oder ein dabei entstehendes Geräusch.

Bedeutungen

1 Mit dem Maul nach etwas greifen

Ein Tier versucht durch eine schnelle Bewegung mit Maul, Schnabel oder Zähnen etwas zu fassen. Mit nach bezeichnet der Satz das Ziel; ob das Tier es erreicht, bleibt zunächst offen.

„Die junge Gans schnappt nach dem flatternden Band, erreicht es aber nicht.“

Der zweite Satzteil grenzt den Versuch vom erfolgreichen Fassen ab. Das Verb allein behauptet keine Verletzung.

2 Etwas rasch mit dem Maul fassen

Ohne nach kann das erfasste Objekt direkt genannt werden. Dann liegt nicht nur ein Versuch vor, sondern ein Fassen.

„Im Bilderbuch schnappt der Fuchs das heruntergefallene Brot und verschwindet hinter dem Zaun.“

Das Brot wird gefasst. Die beschriebene Bewegung gehört zur erfundenen Geschichte; ihr weiterer Ausgang bleibt offen.

3 Etwas rasch an sich nehmen

Umgangssprachlich betont schnappen das schnelle Zugreifen oder Mitnehmen. Mit einem Dativpronomen kann die handelnde Person ausdrücken, dass sie etwas für sich nimmt.

„Vor der Theaterprobe schnappt sich Jule einen leeren Notizblock und setzt sich zu ihrer Gruppe.“

Gemeint ist rasches Zugreifen. Ein Diebstahl wäre eine zusätzliche Aussage und folgt aus schnappen nicht.

4 Jemanden fassen oder festnehmen

Umgangssprachlich kann das Verb heißen, dass jemand zu fassen bekommen oder festgenommen wird. Der Kontext unterscheidet ein Fangspiel von einer tatsächlichen Festnahme.

„Im erfundenen Krimi schnappen die Ermittler den fliehenden Verdächtigen am Bahnhof.“

Das Beispiel beschreibt eine Festnahme innerhalb der Geschichte. Die Bezeichnung Verdächtiger bedeutet noch nicht, dass die Person einer Tat überführt ist.

5 Eine schnelle mechanische Bewegung ausführen

Ein Teil bewegt sich schnellend in eine bestimmte Lage. Für diese Bewegungsbedeutung steht das Perfekt mit sein.

„Beim Schließen der Requisitenkiste ist der kleine Riegel in die Halterung geschnappt.“

Die Halterung nennt das Ziel der Bewegung. Ob die ganze Kiste dadurch gegen jedes Öffnen gesichert ist, muss gesondert beschrieben werden.

6 Ein klappendes Geräusch hervorbringen

Beim Schnappen kann auch das Geräusch einer schnellen Bewegung im Mittelpunkt stehen. In diesem Sinn lautet das Perfekt hat geschnappt.

„Während die Schneiderin die Stoffreste kürzt, hat ihre Schere mehrmals hörbar geschnappt.“

Beschrieben ist das klappende Geräusch. Das Hilfsverb unterscheidet diese Aussage von der vorherigen Bewegung eines Riegels.

schnappen: Synonyme und andere Wörter

Schnappen oder ergreifen?

Ergreifen ist beim körperlichen Zugriff neutraler oder gehobener. Schnappen betont die Raschheit und klingt in diesem Zusammenhang umgangssprachlich.

„Sie schnappt sich den Notizblock.“ → „Sie ergreift den Notizblock.“

Die Alternative klingt förmlicher. Das zusätzliche Sichnehmen tritt zurück; der Satz darf nicht ohne Anlass behaupten, sie entwende den Block.

Schnappen oder krallen?

Krallen kann salopp ebenfalls rasches An-sich-Nehmen meinen. Wörtlich hebt es dagegen die Finger oder Krallen hervor.

„Sie schnappt sich die freie Karte“ und „Sie krallt sich die freie Karte“ können dasselbe rasche Zugreifen beschreiben.

Bei einem Schnabel oder bei einem klappenden Mechanismus passt die wörtliche Krallenbewegung nicht als allgemeiner Ersatz.

Das verwandte Verb zuschnappen

Zuschnappen betont bei einer Tür oder Falle den plötzlichen Schließvorgang. Schnappen kann allgemeiner eine schnellende Bewegung oder ihr Geräusch bezeichnen.

„Der Riegel schnappt in die Halterung“ nennt eine Bewegung; „Der Deckel schnappt zu“ nennt das plötzliche Schließen.

Die Wörter sind verwandt, aber ihre Satzergänzungen und die jeweils gemeinte Bewegung sollten erhalten bleiben.

Beispiele und Verwendung

„Ich schnappe mir den Stift; du schnappst dir das Lineal.“

Mir und dir stehen hier im Dativ. Stift und Lineal sind die Akkusativobjekte.

„Die Figur sagt, der Verschluss sei in seine Halterung geschnappt.“

Sei geschnappt ist Konjunktiv I Perfekt der Bewegung mit sein. Ein Passiv der Festnahme würde anders eingeordnet: Er wurde geschnappt.

Grammatik und Beugung

Die schwachen Formen lauten schnappt – schnappte – geschnappt. Die Worttrennung ist schnap·pen, der zu-Infinitiv zu schnappen. Beim Fassen und beim Geräusch steht haben: hat die Karte geschnappt; die Schere hat geschnappt. Bei der schnellenden Bewegung in eine Lage steht sein: der Riegel ist in die Halterung geschnappt. Die Tabellen enthalten beide tatsächlich verwendeten Reihen. Die Pronomen in Klammern gehören zum Sichnehmen: ich schnappe mir etwas, nicht zu jeder Bedeutung. Nach der Karte schnappen verlangt nach mit Dativ; die Karte schnappen nennt das Gefasste im Akkusativ.

schnappen: Indikativ: Gegenwart und Vergangenheit
PersonPräsensPräteritumPerfekt
ichschnappe (mir)schnappte (mir)habe (mir) geschnappt / bin geschnappt
duschnappst (dir)schnapptest (dir)hast (dir) geschnappt / bist geschnappt
er / sie / esschnappt (sich)schnappte (sich)hat (sich) geschnappt / ist geschnappt
wirschnappen (uns)schnappten (uns)haben (uns) geschnappt / sind geschnappt
ihrschnappt (euch)schnapptet (euch)habt (euch) geschnappt / seid geschnappt
sieschnappen (sich)schnappten (sich)haben (sich) geschnappt / sind geschnappt
schnappen: Indikativ: weitere Zeiten
PersonPlusquamperfektFutur IFutur II
ichhatte (mir) geschnappt / war geschnapptwerde (mir) schnappenwerde (mir) geschnappt haben / werde geschnappt sein
duhattest (dir) geschnappt / warst geschnapptwirst (dir) schnappenwirst (dir) geschnappt haben / wirst geschnappt sein
er / sie / eshatte (sich) geschnappt / war geschnapptwird (sich) schnappenwird (sich) geschnappt haben / wird geschnappt sein
wirhatten (uns) geschnappt / waren geschnapptwerden (uns) schnappenwerden (uns) geschnappt haben / werden geschnappt sein
ihrhattet (euch) geschnappt / wart geschnapptwerdet (euch) schnappenwerdet (euch) geschnappt haben / werdet geschnappt sein
siehatten (sich) geschnappt / waren geschnapptwerden (sich) schnappenwerden (sich) geschnappt haben / werden geschnappt sein
schnappen: Konjunktiv I und II
PersonKonjunktiv IKonjunktiv I PerfektKonjunktiv IIKonjunktiv II Vergangenheit
ichschnappe (mir)habe (mir) geschnappt / sei geschnapptschnappte (mir)hätte (mir) geschnappt / wäre geschnappt
duschnappest (dir)habest (dir) geschnappt / sei(e)st geschnapptschnapptest (dir)hättest (dir) geschnappt / wär(e)st geschnappt
er / sie / esschnappe (sich)habe (sich) geschnappt / sei geschnapptschnappte (sich)hätte (sich) geschnappt / wäre geschnappt
wirschnappen (uns)haben (uns) geschnappt / seien geschnapptschnappten (uns)hätten (uns) geschnappt / wären geschnappt
ihrschnappet (euch)habet (euch) geschnappt / seiet geschnapptschnapptet (euch)hättet (euch) geschnappt / wär(e)t geschnappt
sieschnappen (sich)haben (sich) geschnappt / seien geschnapptschnappten (sich)hätten (sich) geschnappt / wären geschnappt
schnappen: Aufforderungen
AnredeForm
duschnapp (dir) / schnappe (dir)
ihrschnappt (euch)

Feste Verbindungen

Luft schnappen oder nach Luft schnappen?

Frische Luft schnappen heißt umgangssprachlich, ins Freie zu gehen, um an der Luft zu sein. „Nach der langen Sitzung gehen die Figuren im Hof kurz frische Luft schnappen.“ Das Beispiel nennt eine Unterbrechung im Freien. Nach Luft schnappen beschreibt dagegen rasches, mühsames Luftholen: „Nach dem Sprint schnappt die Figur nach Luft.“ Das verwandte japsen hebt einzelne hastige Atemzüge hervor. Die beiden Verbindungen sind nicht beliebig austauschbar.

Etwas geschnappt haben

Umgangssprachlich kann etwas geschnappt haben heißen, es begriffen oder verstanden zu haben. „Nach dem zweiten Modell hat die Gruppe den Zusammenhang geschnappt.“ Hier geht es um eine Erkenntnis, nicht um körperliches Greifen. Für einen sachlichen Lernbericht ist verstanden die unauffälligere Formulierung.