Meine Wörter

spannen

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
spannen
Worttrennung
span·nen
Präsens
spannt
Präteritum
spannte
Partizip II
gespannt
Perfekt
hat gespannt
Hilfsverb
haben
Infinitiv
spannen
Trennbarkeit
nicht trennbar
Kasus
etwas (Akkusativ) spannen; sich (Akkusativ) spannen

Sich über einen Raum spannen gehoben; beobachten umgangssprachlich; begreifen besonders süddeutsch und österreichisch.

Reflexiver Gebrauch: auch sich spannen

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Spannen kann bedeuten, etwas straff zu ziehen, zu befestigen oder unter Spannung zu bringen. Ein Kleidungsstück spannt, wenn es zu eng sitzt. Daneben besitzt das Verb räumliche, technische und regionale Bedeutungen, die der Zusammenhang klären muss.

Bedeutungen

1 Straff machen oder befestigen

Wer eine Leine spannt, bringt sie in einen straffen Zustand und kann sie zwischen Befestigungen anbringen. Auch Muskeln lassen sich spannen; reflexiv werden sie oder andere Dinge straff.

„Die Helferin spannt die Schnur zwischen zwei Pfosten.“

Die Schnur wird straff angebracht. Der Satz beschreibt weder ihre genaue Belastbarkeit noch die Sicherheit einer bestimmten Befestigung.

2 Festklemmen oder zum Auslösen bereit machen

Ein Werkstück kann in eine Halterung gespannt werden. Bei einem passenden Mechanismus kann spannen dagegen das Herstellen seiner Auslösebereitschaft meinen. Das sind unterschiedliche technische Vorgänge.

„Der Museumsführer erläutert, warum der alte Fotoapparat vor der Aufnahme gespannt wurde.“

Hier geht es um den Mechanismus des Apparats. Wie er bedient wird, erklärt die bloße Wortverwendung noch nicht.

3 Zu eng oder straff sitzen

Ein Kleidungsstück spannt, wenn es an einer Stelle zu eng beziehungsweise straff sitzt. Auch eine unangenehm straffe Empfindung der Haut kann so beschrieben werden.

„Beim Ausstrecken der Arme spannt die Jacke an den Schultern.“

Die Aussage betrifft die Passform bei einer Bewegung. Sie ist kein Urteil über den Körper der tragenden Person.

4 Ein Zugtier mit einem Fahrzeug verbinden

Ein Tier vor einen Wagen oder Pflug spannen heißt, es mit dem Zuggerät zu verbinden. Die Ergänzung nennt das Fahrzeug oder Gerät.

„Die historische Zeichnung zeigt, wie ein Pferd vor einen Wagen gespannt ist.“

Gemeint ist die Verbindung als Zugtier. Die Zeichnung allein erklärt weder eine heutige Arbeitsweise noch den Zustand des Tiers.

5 Sich über einen Raum erstrecken

Gehoben kann sich spannen ein Überspannen oder Wölben über eine Strecke beschreiben. Fachsprachlich kann ein Tier oder Bauteil außerdem eine bestimmte Spannweite spannen.

„Im Gedicht spannt sich ein Regenbogen über die Stadt.“

Die reflexive Form beschreibt seine räumliche Ausdehnung. Niemand zieht den Regenbogen wie ein Seil straff.

6 Aufmerksam beobachten oder auf etwas lauern

Umgangssprachlich kann spannen das genaue Verfolgen eines Vorgangs oder ein lauerndes Warten meinen. Ohne passende Erläuterung kann es auch die abwertende Bedeutung des voyeuristischen Beobachtens haben.

„In der Erzählung spannt die Katze auf die Bewegung hinter der Schranktür.“

Die Katze lauert aufmerksam. Dieser Zusammenhang ist von einer Beschreibung menschlichen übergriffigen Beobachtens zu unterscheiden.

7 Regional: etwas merken oder begreifen

Besonders süddeutsch und österreichisch kann etwas spannen heißen, es zu bemerken oder zu verstehen. In einem überregionalen Sachtext sind merken oder begreifen oft eindeutiger.

„In dem regional gefärbten Dialog sagt die Figur, sie habe den Zusammenhang erst spät gespannt.“

Gemeint ist ein Erkenntnisgewinn. Es wird kein Gegenstand befestigt und keine Spannung gemessen.

spannen: Synonyme und andere Wörter

Spannen, straffen oder dehnen?

Straffen hebt hervor, dass etwas weniger locker wird. Dehnen betont die Vergrößerung einer Ausdehnung. Spannen kann zusätzlich das Befestigen zwischen Punkten bezeichnen.

Die Vorgänge können zusammenhängen, sind aber nicht in jedem Satz identisch. Ein Seil kann gespannt werden, ohne dass damit eine bestimmte Längenänderung angegeben wird.

„Sie spannt die Leine zwischen den Pfosten.“ – „Sie dehnt die Leine.“ Der zweite Satz würde eine Ausdehnung behaupten, nicht denselben Aufbau beschreiben.

Gespannt oder spannend?

Gespannt kann einen hergestellten Zustand oder aufmerksame Erwartung beschreiben. Spannend bezeichnet dagegen häufig etwas, das Interesse und Erwartung erzeugt.

Beides sind eigene adjektivische Verwendungen. Sie ersetzen nicht einfach die Verbhandlung spannen. Ein spannender Bericht spannt kein Seil.

„Der Bericht ist spannend, die Zuhörer sind gespannt.“ Die beiden Wörter verteilen die Rollen zwischen Auslöser und aufmerksamen Personen.

Beispiele und Verwendung

Die Konstruktion mitlesen

„Die Helferin spannt das Seil.“ – „Das Seil spannt sich.“

Im ersten Satz handelt eine Person an einem Gegenstand. Im zweiten wird das Straffwerden des Seils selbst beschrieben; die Ursache kann unerwähnt bleiben.

Gleich geschriebene Formen unterscheiden

„Wir spannen eine Leine.“ – „Die Figuren spannen im Märchen Wolle.“

Im ersten Satz ist spannen die Gegenwart dieses Verbs. Im zweiten kann spannen die Vergangenheitsform von spinnen sein. Gleiche Buchstaben begründen keine gleiche Grundlemmaidentität.

Grammatik und Beugung

Die Formen lauten spannt – spannte – hat gespannt. Spannen ist ein schwaches, nicht trennbares Verb; die Worttrennung lautet span·nen. Das Partizip II erhält ge-. Die gleich geschriebene Vergangenheitsform wir/sie spannen gehört dagegen zum starken Verb spinnen.

Bei etwas spannen steht der Gegenstand im Akkusativ. In sich spannen ist das Reflexivpronomen ebenfalls Akkusativ: ich spanne mich, du spannst dich. Gegenstand und Zusammenhang entscheiden, welche Ergänzung passt. Die Tabellen zeigen die aktiven Formen mit haben, keine erfundene besondere Beugung für jede Bedeutung.

spannen: Indikativ Aktiv
PersonPräsensPräteritumPerfektPlusquamperfektFutur IFutur II
ichich spann / ich spanneich spannteich habe gespanntich hatte gespanntich werde spannenich werde gespannt haben
dudu spannstdu spanntestdu hast gespanntdu hattest gespanntdu wirst spannendu wirst gespannt haben
er/sie/eser/sie/es spannter/sie/es spannteer/sie/es hat gespannter/sie/es hatte gespannter/sie/es wird spannener/sie/es wird gespannt haben
wirwir spannenwir spanntenwir haben gespanntwir hatten gespanntwir werden spannenwir werden gespannt haben
ihrihr spanntihr spanntetihr habt gespanntihr hattet gespanntihr werdet spannenihr werdet gespannt haben
siesie spannensie spanntensie haben gespanntsie hatten gespanntsie werden spannensie werden gespannt haben
spannen: Konjunktiv I Aktiv
PersonGegenwartVergangenheitFutur IFutur II
ichich spanneich habe gespanntich werde spannenich werde gespannt haben
dudu spannestdu habest gespanntdu werdest spannendu werdest gespannt haben
er/sie/eser/sie/es spanneer/sie/es habe gespannter/sie/es werde spannener/sie/es werde gespannt haben
wirwir spannenwir haben gespanntwir werden spannenwir werden gespannt haben
ihrihr spannetihr habet gespanntihr werdet spannenihr werdet gespannt haben
siesie spannensie haben gespanntsie werden spannensie werden gespannt haben
spannen: Konjunktiv II Aktiv
PersonGegenwartVergangenheitwürde-Formwürde-Form der Vergangenheit
ichich spannteich hätte gespanntich würde spannenich würde gespannt haben
dudu spanntestdu hättest gespanntdu würdest spannendu würdest gespannt haben
er/sie/eser/sie/es spannteer/sie/es hätte gespannter/sie/es würde spannener/sie/es würde gespannt haben
wirwir spanntenwir hätten gespanntwir würden spannenwir würden gespannt haben
ihrihr spanntetihr hättet gespanntihr würdet spannenihr würdet gespannt haben
siesie spanntensie hätten gespanntsie würden spannensie würden gespannt haben
Aufforderungsformen
AnredeForm
duspann! / spanne!
ihrspannt!
Siespannen Sie!
Infinitive und Partizipien
FormtypForm
Infinitivspannen
Infinitiv Perfektgespannt haben
zu-Infinitivzu spannen
zu-Infinitiv Perfektgespannt zu haben
Partizip Ispannend
Partizip IIgespannt

Was bedeutet jemanden auf die Folter spannen?

Die bildliche Wendung bedeutet, jemanden auf eine erwartete Auskunft oder Auflösung warten zu lassen. „Verrate uns endlich den Ausflugsort und spann uns nicht länger auf die Folter.“ In diesem umgangssprachlichen Satz wird die Ungeduld ausgedrückt, keine tatsächliche Gewalttat beschrieben.