ticken
Form & Grammatik
Verb- Stichwort
- ticken
- Worttrennung
- ti·cken
- Präsens
- er tickt
- Präteritum
- er tickte
- Partizip II
- getickt
- Hilfsverb
- haben
Denken und handeln: umgangssprachlich. Begreifen: salopp. Leicht berühren: selten. Zusammenschlagen: Jargon.
Definition · kurz erklärt
Ticken bezeichnet zunächst kurze, gleichmäßig wiederkehrende Geräusche, etwa die einer Uhr. Umgangssprachlich fragt man mit Wie tickt jemand? nach dessen Denk- und Handlungsweise. Weitere, besonders markierte Bedeutungen sind begreifen, leicht berühren und im Jargon jemanden zusammenschlagen.
Bedeutungen
Bedeutung 1: Kurze wiederkehrende Töne erzeugen
Eine Uhr oder ein anderer Gegenstand tickt, wenn in gleichmäßiger Folge kurze, helle Geräusche entstehen. Das Verb kann auch das Hervorbringen eines solchen Geräuschs bezeichnen.
Im stillen Zimmer hörte sie nur die alte Wanduhr ticken.
Die Stille hebt das Geräusch hervor. Der Satz erklärt nicht den technischen Zustand des Uhrwerks.
Bedeutung 2: Auf eine bestimmte Weise denken und handeln
Umgangssprachlich beschreibt ticken die typische Denk- oder Handlungsweise eines Menschen. Zusätze wie anders oder ähnlich nennen einen Vergleich, ohne die Person vollständig zu erklären.
Die beiden arbeiten gern zusammen, obwohl sie bei Zeitplänen sehr unterschiedlich ticken.
Die Verschiedenheit wird auf die Planung begrenzt. Der Satz behauptet keinen Unterschied in jeder Eigenschaft.
Bedeutung 3: Salopp: etwas begreifen
In einer saloppen Verwendung kann ticken verstehen oder begreifen heißen. Das Verstandene kann als Akkusativobjekt oder durch den Zusammenhang genannt werden.
Erst nach der zweiten Erklärung tickte sie, warum die Reihenfolge wichtig war.
Die saloppe Wortwahl beschreibt ein Verstehen. In einem sachlichen Aufsatz wäre begriff oder verstand unauffälliger.
Bedeutung 4: Selten: leicht berühren
Seltener bezeichnet ticken ein leichtes Antippen oder eine kurze Berührung. Besonders der Finger oder die berührte Stelle kann den Bezug verdeutlichen.
Das Kind tickte die Spielpartnerin mit einem Finger an der Schulter.
Die leichte Berührung ist der Vorgang. Es wird kein Geräusch einer Uhr beschrieben.
Bedeutung 5: Im Jargon: jemanden zusammenschlagen
In einem besonderen Jargon kann ticken einen gewaltsamen Angriff auf einen Menschen, mitunter auch eine Beraubung, bezeichnen. Diese Verwendung ist weder mit dem Uhrgeräusch noch mit einer bloßen Meinungsverschiedenheit gleichzusetzen.
Im Kriminalroman bedeutet die Drohung, jemanden zu ticken, einen angekündigten körperlichen Angriff.
Der Satz erklärt eine spezielle Wortverwendung innerhalb einer erfundenen Szene. Der Jargon macht aus einer gewöhnlichen Meinungsverschiedenheit eine deutlich stärkere Behauptung.
Synonyme: andere Wörter für ticken
Bei Geräuschen
Ticktack machen · kurze Töne erzeugen
Die Umschreibung nennt das wiederholte Geräusch. Klopfen oder klicken können ähnliche Klänge bezeichnen, legen aber andere Geräuscharten nahe.
„Die Uhr tickt“ ist genauer als „Die Uhr macht ein Geräusch“.
Bei Menschen und Verstehen
denken und handeln · begreifen · berühren
Denken und handeln passt zu einer typischen Art. Begreifen passt zur saloppen Verstehenslesart. Berühren gehört dagegen zur seltenen körperlichen Lesart; die Wörter sind keine austauschbare Gesamtliste.
„Ich verstehe jetzt den Ablauf“ ist sachlicher als „Jetzt habe ich den Ablauf getickt“.
Beispiele und Verwendung
Nach einer Haltung fragen
Wie tickt die neue Leiterin, wenn kurzfristig etwas geändert werden muss?
Die Frage zielt auf ihre Reaktion und Arbeitsweise in einem bestimmten Bereich, nicht auf einen Uhrmechanismus.
Ein Bild im Text erkennen
Der Erzähler beschreibt den ungeklärten Konflikt als tickende Zeitbombe.
Das ist eine zugespitzte Metapher für ein drohendes späteres Unglück. Eine wirkliche Sprengvorrichtung wird damit nicht zwingend behauptet.
Grammatik und Beugung
Die schwachen Hauptformen lauten tickt – tickte – hat getickt. Die Worttrennung ist ti·cken. Das Perfekt verwendet haben.
Die Tabellen zeigen die Beugung des Verbs. Welche Bedeutung passt, richtet sich nach Subjekt, Ergänzungen und Sprachebene. Bei der Denkweise steht zum Beispiel sie tickt anders.
Ticken und tippen sind nicht in allen Verwendungen gleichbedeutend. Die seltene Berührungslesart rechtfertigt keinen Austausch von eine Uhr tickt durch eine Uhr tippt.
| Person | Präsens | Präteritum | Perfekt |
|---|---|---|---|
| ich | ich ticke | ich tickte | ich habe getickt |
| du | du tickst | du ticktest | du hast getickt |
| er/sie/es | er/sie/es tickt | er/sie/es tickte | er/sie/es hat getickt |
| wir | wir ticken | wir tickten | wir haben getickt |
| ihr | ihr tickt | ihr ticktet | ihr habt getickt |
| sie | sie ticken | sie tickten | sie haben getickt |
| Person | Plusquamperfekt | Futur I | Futur II |
|---|---|---|---|
| ich | ich hatte getickt | ich werde ticken | ich werde getickt haben |
| du | du hattest getickt | du wirst ticken | du wirst getickt haben |
| er/sie/es | er/sie/es hatte getickt | er/sie/es wird ticken | er/sie/es wird getickt haben |
| wir | wir hatten getickt | wir werden ticken | wir werden getickt haben |
| ihr | ihr hattet getickt | ihr werdet ticken | ihr werdet getickt haben |
| sie | sie hatten getickt | sie werden ticken | sie werden getickt haben |
| Person | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|
| ich | ich ticke | ich tickte |
| du | du tickest | du ticktest |
| er/sie/es | er/sie/es ticke | er/sie/es tickte |
| wir | wir ticken | wir tickten |
| ihr | ihr ticket | ihr ticktet |
| sie | sie ticken | sie tickten |
| Anrede | Form |
|---|---|
| du | ticke! |
| ihr | tickt! |
| Sie | ticken Sie! |
Redewendungen und feste Verbindungen
Nicht richtig ticken
Die umgangssprachliche Wendung wirft jemandem vor, unvernünftig oder nicht bei Verstand zu sein. Sie ist abwertend und keine sachliche Feststellung einer Diagnose.
Die Figur reagiert auf den Vorschlag mit dem scharfen Vorwurf, der andere ticke wohl nicht richtig.
Das Beispiel gibt die Bewertung einer Figur wieder. Eine genaue Inhaltsangabe kann stattdessen benennen, welchen Vorschlag sie ablehnt.
