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verfehlen

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
verfehlen
Worttrennung
ver·feh·len
Präsens
er/sie/es verfehlt
Präteritum
er/sie/es verfehlte
Partizip II
verfehlt
Perfekt
hat verfehlt
Hilfsverb
haben
Infinitiv
verfehlen
Trennbarkeit
untrennbar

Im Sinn von versäumen gehoben. Sich verfehlen = eine Verfehlung begehen ist veraltend.

Die Tabellen zeigen die nicht reflexive aktive Verwendung.

Ergänzungen: jemanden oder etwas verfehlen: Akkusativ

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Verfehlen bedeutet, jemanden oder etwas nicht zu erreichen oder ein angestrebtes Ziel nicht zu treffen. Man kann einen Zug, eine Person oder das Thema eines Aufsatzes verfehlen. Gehoben kann das Verb außerdem versäumen heißen; die ältere reflexive Verbindung sich verfehlen bezeichnet ein Fehlverhalten.

Bedeutungen

Nicht mehr erreichen oder antreffen

Man kann einen Zug oder einen Menschen verfehlen, wenn man am vereinbarten Ort oder Zeitpunkt nicht zusammentrifft. Der Satz sollte deutlich machen, wen oder was die vergebliche Suche oder Eile betrifft.

„Als sie am Bahnsteig ankommt, hat sie den Zug bereits verfehlt.“

Der Zug ist ohne sie abgefahren. Welche Verspätung oder welcher Umstand dazu geführt hat, bleibt offen.

Ein Ziel nicht treffen oder nicht erreichen

Ein Wurf kann eine Zielscheibe verfehlen. Übertragen kann ein Text am Thema vorbeigehen oder eine Maßnahme ihr Ziel verfehlen. Das Ziel muss deshalb nicht immer ein räumlicher Punkt sein.

„Der Aufsatz erzählt den Inhalt nach und verfehlt damit die geforderte Frage nach der Erzählperspektive.“

Der Satz nennt den Maßstab der Kritik. Er behauptet nicht, dass jede Angabe im Aufsatz falsch sei.

Gehoben: etwas versäumen

In förmlicher Sprache kann nicht verfehlen, etwas zu tun heißen, eine Gelegenheit oder Pflicht nicht ungenutzt zu lassen. Solche Formulierungen wirken heute bewusst gehoben.

„Die Vorsitzende möchte nicht verfehlen, den freiwilligen Helfern zu danken.“

Sie kündigt den Dank an. Gemeint ist nicht, dass sie die Helfer räumlich vergeblich sucht.

Veraltend: eine Verfehlung begehen

Die reflexive Verbindung sich verfehlen kann in älteren Texten bedeuten, sich falsch oder schuldhaft zu verhalten. Welches Verhalten missbilligt wird, muss der Text erklären.

„In der älteren Erzählung gesteht die Figur, sich gegen die Regeln des Hauses verfehlt zu haben.“

Das Beispiel nutzt bewusst den älteren Ausdruck. In einer heutigen Zusammenfassung wäre gegen die Regeln verstoßen oft deutlicher.

Synonyme: andere Wörter für verfehlen

Nicht treffen oder verpassen

nicht treffen · nicht erreichen · verpassen · danebengehen

Verpassen passt etwa zum Zug oder zu einer Begegnung. Danebengehen kann einen Wurf oder einen Versuch als Subjekt haben. Beim Austausch verändert sich deshalb oft der Satzbau.

„Der Wurf verfehlt den Korb.“ → „Der Wurf geht daneben.“

Die zweite Fassung nennt den nicht getroffenen Korb nicht ausdrücklich. Für einen genauen Bericht kann diese Information wichtig bleiben.

Beispiele und Verwendung

Abweichung und Ziel nennen

„Die Gruppe verfehlt die vereinbarte Stückzahl um zwei Exemplare.“

Um zwei Exemplare bezeichnet die Abweichung. Ohne die vereinbarte Zielzahl bleibt der absolute Umfang offen.

Das Partizip im Urteil verstehen

„Die Erzählerin hält die vorgeschlagene Strafe für völlig verfehlt.“

Verfehlt bewertet die Maßnahme hier als falsch oder unpassend. Die Begründung des Urteils muss zusätzlich im Text stehen.

Grammatik und Beugung

Verfehlen ist schwach und untrennbar. Das Perfekt lautet hat verfehlt. Die genannte Person oder das Ziel steht im Akkusativ, etwa den Zug oder das Thema verfehlen.

Die Tabellen gelten für die nicht reflexiven aktiven Verwendungen. Beim veraltenden sich verfehlen tritt das passende Reflexivpronomen hinzu: ich verfehle mich, sie hat sich verfehlt. Die heutige bloße Zielverfehlung benötigt dieses Pronomen nicht.

Gegenwart und Vergangenheit

Gegenwart und Vergangenheit
PersonPräsensPräteritumPerfekt
ichich verfehleich verfehlteich habe verfehlt
dudu verfehlstdu verfehltestdu hast verfehlt
er/sie/eser/sie/es verfehlter/sie/es verfehlteer/sie/es hat verfehlt
wirwir verfehlenwir verfehltenwir haben verfehlt
ihrihr verfehltihr verfehltetihr habt verfehlt
siesie verfehlensie verfehltensie haben verfehlt

Vorvergangenheit und Zukunft

Vorvergangenheit und Zukunft
PersonPlusquamperfektFutur IFutur II
ichich hatte verfehltich werde verfehlenich werde verfehlt haben
dudu hattest verfehltdu wirst verfehlendu wirst verfehlt haben
er/sie/eser/sie/es hatte verfehlter/sie/es wird verfehlener/sie/es wird verfehlt haben
wirwir hatten verfehltwir werden verfehlenwir werden verfehlt haben
ihrihr hattet verfehltihr werdet verfehlenihr werdet verfehlt haben
siesie hatten verfehltsie werden verfehlensie werden verfehlt haben

Konjunktiv und würde-Verbindung

Konjunktiv und würde-Verbindung
PersonKonjunktiv IKonjunktiv IIwürde-Verbindung
ichich verfehleich verfehlteich würde verfehlen
dudu verfehlestdu verfehltestdu würdest verfehlen
er/sie/eser/sie/es verfehleer/sie/es verfehlteer/sie/es würde verfehlen
wirwir verfehlenwir verfehltenwir würden verfehlen
ihrihr verfehletihr verfehltetihr würdet verfehlen
siesie verfehlensie verfehltensie würden verfehlen

Aufforderungen

Aufforderungen
AnredeImperativ
duverfehl! / verfehle!
ihrverfehlt!
Sieverfehlen Sie!

Schreibweise und Worttrennung

Die Worttrennung lautet ver·feh·len. Das Partizip verfehlt erhält kein zusätzliches ge. In ein verfehlter Vorschlag steht eine Endung am attributiv gebrauchten Partizip.

Redewendungen und feste Verbindungen

Seine Wirkung nicht verfehlen

Die Verbindung bedeutet, dass etwas die erwartete oder erkennbare Wirkung tatsächlich erzielt. Welche Wirkung eintritt, bestimmt der Kontext.

„Die unerwartete Pointe verfehlte ihre Wirkung nicht: Im Saal wurde gelacht.“

Der zweite Satzteil benennt die Wirkung. Ein dauerhaftes Einverständnis des Publikums wird daraus nicht abgeleitet.

Du hast deinen Beruf verfehlt

Diese Aussage kann scherzhaft eine besondere Fähigkeit außerhalb des ausgeübten Berufs loben. Wörtlich kann sie dagegen die Berufswahl kritisieren.

„Nach dem gelungenen Bühnenauftritt sagt ihre Kollegin scherzhaft: »Du hast deinen Beruf verfehlt!«“

Der ausdrücklich scherzhafte Ton macht das Lob verständlich. Ohne diesen Zusammenhang könnte der Satz verletzend wirken.