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vergeben

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
vergeben
Worttrennung
ver·ge·ben
Präsens
vergibt
Präteritum
vergab
Partizip II
vergeben
Perfekt
hat vergeben
Hilfsverb
haben
Infinitiv
vergeben; zu vergeben
Trennbarkeit
nicht trennbar
Form
stark; teilweise reflexiv, bedeutungsabhängiger Kasus

Im Sinn verzeihen gehoben. Im Sport eine Chance nicht nutzen. Beim Kartenausteilen reflexiv im Akkusativ; in sich nichts vergeben steht dagegen Dativ.

Ergänzungen: jemandem (Dativ) etwas (Akkusativ) vergeben; etwas (Akkusativ) an jemanden vergeben; sich (Dativ) nichts vergeben; sich (Akkusativ) beim Kartenausteilen vergeben

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Vergeben kann verzeihen, einen Auftrag oder eine verfügbare Sache jemandem geben oder eine Chance ungenutzt lassen bedeuten. Außerdem kann jemand seinem Ansehen etwas vergeben oder sich beim Kartenausteilen vergeben. Der Zusammenhang entscheidet; die Formen heißen vergibt, vergab, hat vergeben.

Bedeutungen

Jemandem verzeihen

Im gehobenen Sprachgebrauch heißt jemandem etwas vergeben, einen Fehler oder eine Schuld zu verzeihen. Der betroffenen Person steht der Dativ zu: ihm, ihr, dem Freund. Der verziehene Fehler kann als Akkusativobjekt hinzukommen.

Nach dem klärenden Gespräch vergibt Jo seiner Freundin die unbedachte Bemerkung.

Das Beispiel nennt eine persönliche Reaktion. Es macht die Bemerkung nicht nachträglich ungeschehen und behauptet keine rechtliche Entscheidung.

Einen Auftrag, Platz oder Preis jemandem geben

Wer über etwas verfügt, kann es einer Person oder Einrichtung zuweisen. Dazu passen etwa Aufträge, Stellen, Stipendien, Preise oder verfügbare Karten. Eine solche Vergabe muss nicht kostenlos sein.

Die Jury vergibt den Preis für das Bühnenbild an die gemeinsame Theatergruppe.

Die Gruppe erhält die Auszeichnung. Das Verb allein nennt weder das Auswahlverfahren noch die Gründe der Jury. Bereits vergeben kann daneben heißen, dass etwas nicht mehr verfügbar ist; eine Person kann so auch ihre feste Beziehung oder eine bestehende Verabredung bezeichnen.

Dem eigenen Ansehen schaden

Sich etwas vergeben kann bedeuten, durch eine Handlung dem eigenen Ansehen oder der eigenen Würde zu schaden. Besonders gebräuchlich ist die verneinte Verbindung sich nichts vergeben. Das Reflexivpronomen steht hier im Dativ.

Die Leiterin vergibt sich nichts, wenn sie einen Irrtum offen zugibt.

Der Satz verneint einen Schaden für ihr Ansehen. Er behauptet gerade nicht, dass das Eingeständnis ihrer Würde entgegenstehe.

Eine günstige Gelegenheit nicht nutzen

Im Sport kann eine Person eine Chance, einen Torabschluss oder einen Elfmeter vergeben. Die Formulierung bezeichnet das Ausbleiben des möglichen Erfolgs. Auch ohne genanntes Objekt kann im Sportzusammenhang er vergab stehen.

Kurz vor Schluss vergibt die Spielerin die freie Chance zum Ausgleich.

Die Möglichkeit wird nicht erfolgreich genutzt. Der Satz behauptet keine Absicht, das Spiel zu verlieren, und erklärt für sich nicht die Ursache.

Beim Austeilen der Karten einen Fehler machen

Beim Kartenspiel kann sich vergeben heißen, die Karten fehlerhaft auszuteilen. Auch die Karten vergeben ist in diesem Sinn möglich. Bei der reflexiven Form steht sich im Akkusativ; hier lautet die Ich-Form ich habe mich vergeben.

Beim ersten Austeilen hat sich Nela vergeben; die Runde beginnt erst nach einer neuen Verteilung.

Das Beispiel betrifft einen Fehler beim Austeilen. Verzeihung oder ein vergebener Auftrag sind nicht gemeint; was bei diesem Spiel als Fehler zählt, bestimmen dessen Regeln.

vergeben: Synonyme und andere Wörter

Vergeben, verzeihen oder entschuldigen?

verzeihen · nachsehen · entschuldigen

Verzeihen ist bei einer Schuld die nahe, weniger gehobene Alternative. Entschuldigen kann auch eine Bitte um Nachsicht oder eine Erklärung für ein Verhalten bezeichnen; nicht jede Entschuldigung enthält bereits Vergebung. Die handelnde Person und die Satzrollen wechseln im zweiten Vergleich. Eine Bitte um Verzeihung darf nicht als schon erteilte Verzeihung ausgegeben werden.

„Sie vergibt ihm die Bemerkung“ kann „sie verzeiht ihm die Bemerkung“ heißen. „Er entschuldigt sich für die Bemerkung“ nennt dagegen seine Reaktion.

Bei Aufgaben und Gelegenheiten

zuteilen · zuweisen · ungenutzt lassen

Zuteilen oder zuweisen passt bei Aufgaben und verfügbaren Anteilen. Eine Chance vergeben bedeutet dagegen, sie nicht zu nutzen. Diese beiden Bedeutungen stehen in keinem austauschbaren Zusammenhang. Der Gegenstand und die Situation entscheiden über die Alternative. Eine bloße Synonymliste ohne Zusammenhang würde den Sinn verwechseln.

„Die Leitung vergibt eine Aufgabe“ kann eine Zuweisung beschreiben. „Die Spielerin vergibt eine Chance“ ist keine Zuteilung an eine andere Person.

Beispiele und Verwendung

Verfügbarkeit erklären

Die freien Termine sind bereits vergeben.

Die Termine stehen nicht mehr zur Auswahl. Der Satz lässt offen, an wen sie vergeben wurden.

Eine Aussage wiedergeben

Er sagt, er habe ihr längst vergeben.

Habe vergeben ist hier Konjunktiv I Perfekt und gibt seine Aussage wieder. Ob die andere Person sich ebenso versöhnt fühlt, ist eine andere Frage.

Den Reflexivkasus unterscheiden

Ich vergebe mir nichts; beim Kartenspiel habe ich mich dagegen schon einmal vergeben.

Mir ist Dativ in der Ansehensverbindung, mich Akkusativ beim fehlerhaften Austeilen. Trotz derselben Grundform haben die Sätze verschiedene Bedeutungen.

Grammatik und Beugung

Das starke Verb bildet vergibt – vergab – hat vergeben. Die Trennung lautet ver·ge·ben. Es ist nicht trennbar; der zu-Infinitiv heißt zu vergeben, das Partizip vergeben ohne zusätzliches ge-. Der Imperativ lautet vergib!, nicht vergebe! In jemandem einen Fehler vergeben ist die Person Dativ und der Fehler Akkusativ. Bei einem Auftrag heißt es etwas an jemanden vergeben. Die Tabellen zeigen die aktive Verbform ohne Reflexivpronomen. In der Wendung zum Ansehen ergänzt man mir/dir/sich, beim Kartenausteilen mich/dich/sich. Der Konjunktiv II lautet etwa vergäbe; für du sind vergäbest und vergäbst tatsächlich belegt.

vergeben: Präsens, Präteritum und Perfekt
PersonPräsensPräteritumPerfekt
ichich vergebeich vergabich habe vergeben
dudu vergibstdu vergabstdu hast vergeben
er/sie/eser/sie/es vergibter/sie/es vergaber/sie/es hat vergeben
wirwir vergebenwir vergabenwir haben vergeben
ihrihr vergebtihr vergabtihr habt vergeben
siesie vergebensie vergabensie haben vergeben
vergeben: Weitere Zeiten
PersonPlusquamperfektFutur IFutur II
ichich hatte vergebenich werde vergebenich werde vergeben haben
dudu hattest vergebendu wirst vergebendu wirst vergeben haben
er/sie/eser/sie/es hatte vergebener/sie/es wird vergebener/sie/es wird vergeben haben
wirwir hatten vergebenwir werden vergebenwir werden vergeben haben
ihrihr hattet vergebenihr werdet vergebenihr werdet vergeben haben
siesie hatten vergebensie werden vergebensie werden vergeben haben
vergeben: Konjunktiv I und II
PersonKonjunktiv IKonjunktiv II
ichich vergebeich vergäbe
dudu vergebestdu vergäbest / du vergäbst
er/sie/eser/sie/es vergebeer/sie/es vergäbe
wirwir vergebenwir vergäben
ihrihr vergebetihr vergäbet / ihr vergäbt
siesie vergebensie vergäben
vergeben: Konjunktiv: Vergangenheit
PersonKonjunktiv IKonjunktiv II
ichich habe vergebenich hätte vergeben
dudu habest vergebendu hättest vergeben
er/sie/eser/sie/es habe vergebener/sie/es hätte vergeben
wirwir haben vergebenwir hätten vergeben
ihrihr habet vergebenihr hättet vergeben
siesie haben vergebensie hätten vergeben
vergeben: Aufforderungsformen
AnredeForm
duvergib!
ihrvergebt!
Sievergeben Sie!
vergeben: infinite Formen
FormWortlaut
Infinitivvergeben
zu-Infinitivzu vergeben
Partizip Ivergebend
Partizip IIvergeben

Gebräuchliche Verbindungen

Vergeben und vergessen

Die Verbindung erklärt eine Sache für verziehen und abgeschlossen. „Nach der Aussprache sagt sie: ‚Für mich ist das vergeben und vergessen.‘“ Das ist eine Erklärung der Figur; sie beweist nicht, dass alle Beteiligten dieselbe Haltung haben.

Sich nichts vergeben

Die Wendung verneint, dass eine Handlung dem eigenen Ansehen schadet. „Du vergibst dir nichts, wenn du die jüngere Kollegin um Rat fragst.“ Der Rat hebt hervor, dass Nachfragen und Ansehen sich nicht ausschließen. Das Dativpronomen dir gehört zu dieser Bedeutung, nicht zur Kartenverteilung.