Meine Wörter

vergessen

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
vergessen
Worttrennung
ver·ges·sen
Präsens
vergisst
Präteritum
vergaß
Partizip II
vergessen
Perfekt
hat vergessen; reflexiv: hat sich vergessen
Hilfsverb
haben
Trennbarkeit
nicht trennbar

Erinnerungslücke, nicht beachten und zwei reflexive Verwendungen unterscheiden. Gewöhnlich Akkusativ; Genitiv veraltet/gehoben. Auf etwas vergessen: besonders süddeutsch und österreichisch. Tabellen nicht reflexiv.

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Vergessen heißt, sich nicht mehr zu erinnern oder an etwas nicht zu denken. Die Formen lauten vergisst, vergaß, hat vergessen. Bei sich vergessen muss der Zusammenhang zeigen, ob eine Figur völlig versunken ist oder ihre Beherrschung verliert.

Bedeutungen

Etwas nicht mehr im Gedächtnis haben

Ein früher bekannter Inhalt kann nicht mehr erinnert werden. Das können ein Name, eine Vokabel oder eine Einzelheit sein. Das Wort benennt nicht automatisch eine Ursache und ist keine medizinische Feststellung.

„Mila hat die drei Handgriffe für den alten Filmprojektor vergessen und liest die Anleitung noch einmal.“

Die früher bekannte Bedienungsfolge lässt sich gerade nicht abrufen. Die erneute Lektüre der Anleitung ist eine Reaktion auf diese konkrete Erinnerungslücke; sie erklärt noch nicht deren Ursache.

Nicht an eine Person, Sache oder Aufgabe denken

Etwas wird nicht berücksichtigt oder nicht rechtzeitig beachtet. Dazu gehört auch, einen Gegenstand nicht mitzunehmen oder irgendwo liegen zu lassen. Eine einzelne vergessene Sache beweist nicht von selbst Gleichgültigkeit.

„Erst vor dem Klassenraum merkt die Figur, dass sie die Mappe zu Hause vergessen hat.“

Die Mappe ist nicht mitgekommen. Ob die Figur ihren Aufbewahrungsort noch kennt, ist davon zu unterscheiden.

Reflexiv ganz in etwas versunken sein

Beim Erzählen, Spielen oder einer anderen Beschäftigung kann jemand die Umgebung und sich selbst vergessen. Die Aufmerksamkeit ist dann stark auf die Tätigkeit gerichtet. Ein Verlust des Wissens über die eigene Person ist nicht gemeint.

„Über der Zeichnung vergisst Mila die Zeit, ihre Umgebung und sich selbst.“

Die Formulierung hebt ihre Versunkenheit hervor. Sie behauptet keine umfassende Gedächtnisstörung.

Reflexiv die Beherrschung verlieren

Sich vergessen kann bedeuten, in starker Erregung die Selbstkontrolle zu verlieren. Oft wird damit ein unangemessenes Verhalten kritisiert. Welches Verhalten vorliegt, muss zusätzlich benannt werden.

„Im Streit vergisst sich die Figur und beschimpft die anderen vor der ganzen Gruppe.“

Die Beschimpfung ist die konkrete Handlung. Die Wortwahl erklärt oder entschuldigt sie nicht allein durch die Erregung.

Synonyme: andere Wörter für vergessen

Bei einer Erinnerungslücke

entfallen · nicht mehr wissen · nicht mehr erinnern

Entfallen kann denselben Erinnerungsinhalt betreffen, hat aber einen anderen Satzbau. Nicht wissen sagt für sich genommen noch nicht, dass der Inhalt früher bekannt war.

„Ich habe die Reihenfolge der Arbeitsschritte vergessen“ entspricht „Die Reihenfolge der Arbeitsschritte ist mir entfallen“. Die Person ist zuerst Subjekt, danach Dativobjekt.

Auch das Hilfsverb wechselt: habe vergessen, aber ist entfallen.

Bei einer ausgelassenen Handlung

nicht daran denken · versäumen · liegen lassen

Versäumen passt zu einer Aufgabe oder Gelegenheit. Liegen lassen erklärt einen zurückgelassenen Gegenstand. Absichtlich auslassen würde eine zusätzliche Absicht behaupten.

„Sie vergisst die Notiz“ kann ein Versehen beschreiben. „Sie unterdrückt die Notiz“ behauptet dagegen ein gezieltes Handeln.

Ein Anlass oder ein Motiv darf nicht durch einen stärkeren Ersatz erfunden werden.

Beispiele und Verwendung

Eine Eigenschaft begrenzt zuschreiben

„Sie hat einmal den Termin vergessen, ist aber sonst bei Absprachen verlässlich.“

Das einzelne Versehen trägt noch kein pauschales Urteil vergesslich. Für eine Eigenschaftsbeschreibung zählt das beobachtete Muster.

Wunsch und Ergebnis unterscheiden

„Die Figur möchte den peinlichen Auftritt vergessen, denkt aber weiter daran.“

Der Wunsch nach Vergessen ist nicht mit dem bereits erreichten Vergessen gleichzusetzen.

Grammatik und Beugung

Das starke Verb ist nicht trennbar: vergisst – vergaß – hat vergessen. Der Imperativ heißt vergiss!; der Konjunktiv II etwa vergäße.

Gewöhnlich steht ein Akkusativobjekt: den Namen vergessen. Ein Inhalt kann auch als Satz folgen: Sie hat vergessen, dass die Probe ausfällt. Eine Handlung lässt sich als Infinitiv anschließen: vergessen, die Mappe einzupacken.

Veraltet und noch gehoben kommt ein Genitivobjekt vor, etwa meiner Bitte nicht vergessen. Landschaftlich, besonders süddeutsch und österreichisch, ist auf etwas vergessen mit Akkusativ gebräuchlich; seltener steht an.

Die Tabellen zeigen nicht reflexive Aktivformen. Reflexiv verwendet das Perfekt ebenfalls haben: sie hat sich vergessen. Der Infinitiv mit zu lautet zu vergessen. Die schweizerisch regionale Verbindung vergessen gehen ist davon zu unterscheiden; sie bedeutet vergessen werden.

Gegenwart und Vergangenheit

Gegenwart und Vergangenheit
PersonPräsensPräteritumPerfekt
ichich vergesseich vergaßich habe vergessen
dudu vergisstdu vergaßest / du vergaßtdu hast vergessen
er/sie/eser/sie/es vergisster/sie/es vergaßer/sie/es hat vergessen
wirwir vergessenwir vergaßenwir haben vergessen
ihrihr vergesstihr vergaßtihr habt vergessen
siesie vergessensie vergaßensie haben vergessen

Vorvergangenheit und Zukunft

Vorvergangenheit und Zukunft
PersonPlusquamperfektFutur IFutur II
ichich hatte vergessenich werde vergessenich werde vergessen haben
dudu hattest vergessendu wirst vergessendu wirst vergessen haben
er/sie/eser/sie/es hatte vergessener/sie/es wird vergessener/sie/es wird vergessen haben
wirwir hatten vergessenwir werden vergessenwir werden vergessen haben
ihrihr hattet vergessenihr werdet vergessenihr werdet vergessen haben
siesie hatten vergessensie werden vergessensie werden vergessen haben

Konjunktiv und würde-Verbindung

Konjunktiv und würde-Verbindung
PersonKonjunktiv IKonjunktiv IIwürde-Verbindung
ichich vergesseich vergäßeich würde vergessen
dudu vergessestdu vergäßestdu würdest vergessen
er/sie/eser/sie/es vergesseer/sie/es vergäßeer/sie/es würde vergessen
wirwir vergessenwir vergäßenwir würden vergessen
ihrihr vergessetihr vergäßetihr würdet vergessen
siesie vergessensie vergäßensie würden vergessen

Aufforderungen

Aufforderungen
AnredeImperativ
duvergiss!
ihrvergesst!
Sievergessen Sie!

Schreibweise und Worttrennung

Die Worttrennung lautet ver·ges·sen. Präsens vergisst und Imperativ vergiss haben ss; Präteritum vergaß und Konjunktiv II vergäße haben ß. Das gleich geschriebene Partizip vergessen steht etwa in sie hat vergessen; vor einem Nomen kann es gebeugt werden, etwa eine vergessene Notiz.

Redewendungen und feste Verbindungen

Jemandem etwas nicht vergessen

Die Verbindung kann anhaltende Dankbarkeit oder dauernden Groll ausdrücken. Welche Richtung gemeint ist, zeigt das Verhalten, auf das sie sich bezieht.

„Die unerwartete Hilfe werde ich dir nicht vergessen.“

Hier klingt Dankbarkeit an. Nach einer schweren Kränkung kann dieselbe Verbindung dagegen einen Vorwurf enthalten.

Das kannst du vergessen

Umgangssprachlich kann die Wendung etwas als aussichtslos, unbrauchbar oder nicht zu erwarten zurückweisen. Es geht dann nicht um eine Erinnerungslücke.

„Die Figur sagt: »Den Ausflug am Montag kannst du vergessen; an diesem Tag fährt kein Bus.«“

Sie hält den Plan unter den genannten Bedingungen für nicht umsetzbar. Andere Möglichkeiten müssten gesondert geprüft werden.

Nicht zu vergessen …

Die Verbindung fügt bei einer Aufzählung einen weiteren wichtigen Punkt hinzu. Sie bedeutet sinngemäß und außerdem zu nennen.

„Zur Probe kamen die Darsteller, die Musiker und, nicht zu vergessen, die Helfer hinter der Bühne.“

Die Helfer werden ergänzend hervorgehoben. Ein tatsächlich vorher verlorener Gedächtnisinhalt wird nicht behauptet.