Meine Wörter

verschütten

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
verschütten
Worttrennung
ver·schüt·ten
Präsens
verschüttet
Präteritum
verschüttete
Partizip II
verschüttet
Hilfsverb
haben (Aktiv)
Trennbarkeit
nicht trennbar

Die Wendung es bei jemandem verschüttet haben ist landschaftlich. Diese Einschränkung gilt nicht pauschal für die übrigen Bedeutungen.

Reflexiver Gebrauch: Die erläuterten Grundkonstruktionen benötigen kein festes Reflexivpronomen.

Ergänzungen: etwas oder jemanden verschütten (Akkusativ); etwas mit Material verschütten; es bei jemandem verschüttet haben

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Verschütten kann heißen, etwas versehentlich daneben zu schütten, jemanden oder etwas unter einer Masse zu bedecken oder eine Vertiefung aufzufüllen. Übertragen kann etwas aus dem Blick geraten und später wieder zum Vorschein kommen.

Bedeutungen

Etwas versehentlich daneben schütten

Flüssigkeiten oder schüttbare Stoffe können beim Tragen, Einschenken oder Umfüllen unabsichtlich außerhalb des vorgesehenen Behälters landen. Verschütten nennt in dieser Verwendung das Missgeschick. Es beschreibt nicht jedes absichtliche Ausschütten.

„Beim Wegräumen der Spielutensilien stößt Ema gegen die geöffnete Tüte und verschüttet die Linsen auf dem Spielplan.“

Die Linsen waren hier als Spielsteine vorgesehen. Sie geraten versehentlich aus der Tüte; ob Ema den Spielplan dabei beschädigt, wird nicht gesagt.

Unter einer Masse bedecken

Erde, Trümmer oder andere Massen können Menschen, Tiere oder Gegenstände ganz bedecken. Die aktive Form nennt das, was jemanden oder etwas bedeckt; in einer Passivform steht die betroffene Person oder Sache im Vordergrund.

„Als die Wand des Gewächshauses einstürzt, verschütten Erde und zerbrochene Töpfe die Schildkröte.“

Die Schildkröte wird unter Material bedeckt. Aus dem Wort allein folgt noch keine Aussage über ihren Zustand danach. Der Satz beschreibt auch keine absichtliche Bestattung.

Übertragen: etwas verdeckt oder unzugänglich machen

Das Bild des Bedeckens kann sich auf Erinnerungen, Kenntnisse oder andere nicht körperliche Inhalte beziehen. Verschüttet bedeutet dann, dass etwas nicht mehr bewusst oder zugänglich ist. Es muss nicht endgültig vernichtet sein.

„Der Geruch von Bienenwachs ruft bei der Figur eine längst verschüttete Erinnerung an die Werkbank ihres Großvaters hervor.“

Die Erinnerung war nicht unter wirklicher Erde verborgen. Der neue Eindruck macht in dieser erfundenen Szene etwas wieder zugänglich, an das die Figur lange nicht gedacht hat.

Eine Vertiefung auffüllen

Verschütten kann auch das Zuschütten oder Auffüllen eines Hohlraums bezeichnen. Dabei muss kein Versehen geschehen: Die Handlung kann beabsichtigt sein. Diese Verwendung ist deshalb von versehentlich verschütteten Stoffen zu unterscheiden.

„Die Modellbauerin verschüttet die Öffnung unter der Rampe mit Sand, damit keine kleine Spielfigur darin verschwindet.“

Die Öffnung wird gezielt aufgefüllt. Der Sand landet hier nicht unabsichtlich daneben; das Ziel der Handlung ist aus dem Satz ausdrücklich erkennbar.

Synonyme: andere Wörter für verschütten

Versehentlich oder absichtlich ausgießen?

vergießen · ausschütten · auskippen

Vergießen liegt bei unabsichtlich verlorener Flüssigkeit nahe, passt aber nicht gleich gut zu jedem trockenen Schüttgut. Ausschütten und Auskippen können eine absichtliche Handlung meinen. Ein solcher Austausch kann den Anlass des Vorgangs verändern.

„Sie verschüttet die Linsen.“ → „Sie kippt die Linsen aus.“

Die erste Fassung bezeichnet ein Versehen. Die zweite lässt offen, ob sie die Tüte bewusst entleert. Diese Information sollte beim Umformulieren erhalten bleiben.

Überdecken oder bestatten?

begraben · unter sich bedecken

Begraben passt, wenn Massen etwas unter sich bedecken. Das Verb kann jedoch auch eine Bestattung bezeichnen oder das endgültige Aufgeben eines Plans. Diese anderen Bedeutungen sind keine allgemeinen Ersatzbedeutungen von verschütten.

„Erde und zerbrochene Töpfe verschütten die Schildkröte.“ → „Erde und zerbrochene Töpfe begraben die Schildkröte unter sich.“

Die Umschreibung betrifft dieselbe Überdeckung. Ein eigener Satz über ein Begräbnis würde eine andere Handlung benennen.

Den Umgang bewerten

plempern · sudeln

Plempern ist regional und kann ein unachtsames Verspritzen von Flüssigkeit beschreiben. Sudeln ist beim unsauberen Umgang mit nassen Stoffen umgangssprachlich und abwertend. Verschütten allein muss dagegen keinen Vorwurf gegen die Arbeitsweise enthalten.

„Beim Anheben des Eimers verschüttet Cem einen Schwall Tapetenkleister auf die Abdeckfolie“ beschreibt ein einzelnes Versehen. „Beim Bestreichen der Bahnen sudelt Cem mit dem Kleister und verteilt ihn über Tisch und Boden“ beanstandet seine unsaubere Arbeitsweise.

Die beiden eigenen Abläufe sind nicht gleichgesetzt: Beim ersten geht Kleister versehentlich verloren, beim zweiten wird der Umgang mit dem nassen Stoff kritisiert. Das zweite Verb wäre deshalb kein bloßer Ersatz im ersten Satz. Die regionalen weiteren Bedeutungen von plempern lassen sich ebenfalls nicht pauschal übertragen.

Beispiele und Verwendung

Aktiv und Passiv auseinanderhalten

„Die Erde hat das Fahrzeug verschüttet.“ – „Das Fahrzeug ist von der Erde verschüttet worden.“

Der erste Satz steht im Aktivperfekt mit haben. Der zweite stellt das Fahrzeug in den Vordergrund und ist eine Passivform. Sein gehört dort zur Passivbildung, nicht zu einem anderen aktiven Perfekt des Hauptverbs.

Ein Versehen nicht zum Charakterurteil machen

„Ema hat einmal Linsen verschüttet; beim nächsten Mal schließt sie die Tüte vor dem Wegräumen.“

Der einzelne Vorgang ist konkret beschrieben. Daraus allein ergibt sich keine dauerhafte Eigenschaft wie Nachlässigkeit oder Ungeschicklichkeit.

Grammatik und Beugung

Die schwachen Hauptformen lauten verschüttet – verschüttete – hat verschüttet. Das Verb ist nicht trennbar. Das Partizip II bekommt kein zusätzliches ge-; der Infinitiv mit zu lautet zu verschütten. Die Worttrennung lautet ver·schüt·ten.

Die bedeckte Person, die bedeckte Sache oder der verschüttete Stoff steht als direktes Objekt im Akkusativ: die Schildkröte verschütten, Linsen verschütten. In mit Sand verschütten steht das Material nach mit im Dativ. Die folgenden Tabellen zeigen die aktiven Formen. Bei du verschüttest stimmen Indikativ Präsens und Konjunktiv I in der Schreibung überein.

Präsens und Präteritum
PersonPräsensPräteritum
ichich verschütteich verschüttete
dudu verschüttestdu verschüttetest
er/sie/eser/sie/es verschütteter/sie/es verschüttete
wirwir verschüttenwir verschütteten
ihrihr verschüttetihr verschüttetet
siesie verschüttensie verschütteten
Perfekt und Plusquamperfekt
PersonPerfektPlusquamperfekt
ichich habe verschüttetich hatte verschüttet
dudu hast verschüttetdu hattest verschüttet
er/sie/eser/sie/es hat verschütteter/sie/es hatte verschüttet
wirwir haben verschüttetwir hatten verschüttet
ihrihr habt verschüttetihr hattet verschüttet
siesie haben verschüttetsie hatten verschüttet
Futur I und Futur II
PersonFutur IFutur II
ichich werde verschüttenich werde verschüttet haben
dudu wirst verschüttendu wirst verschüttet haben
er/sie/eser/sie/es wird verschüttener/sie/es wird verschüttet haben
wirwir werden verschüttenwir werden verschüttet haben
ihrihr werdet verschüttenihr werdet verschüttet haben
siesie werden verschüttensie werden verschüttet haben
Konjunktiv I und Konjunktiv II
PersonKonjunktiv IKonjunktiv II
ichich verschütteich verschüttete
dudu verschüttestdu verschüttetest
er/sie/eser/sie/es verschütteer/sie/es verschüttete
wirwir verschüttenwir verschütteten
ihrihr verschüttetihr verschüttetet
siesie verschüttensie verschütteten
Konjunktiv: Vergangenheit
PersonKonjunktiv I: PerfektKonjunktiv II: Vergangenheit
ichich habe verschüttetich hätte verschüttet
dudu habest verschüttetdu hättest verschüttet
er/sie/eser/sie/es habe verschütteter/sie/es hätte verschüttet
wirwir haben verschüttetwir hätten verschüttet
ihrihr habet verschüttetihr hättet verschüttet
siesie haben verschüttetsie hätten verschüttet
Konjunktiv: Futur I und würde-Form
PersonKonjunktiv I: Futur IKonjunktiv II: würde-Form
ichich werde verschüttenich würde verschütten
dudu werdest verschüttendu würdest verschütten
er/sie/eser/sie/es werde verschüttener/sie/es würde verschütten
wirwir werden verschüttenwir würden verschütten
ihrihr werdet verschüttenihr würdet verschütten
siesie werden verschüttensie würden verschütten
Konjunktiv: Futur II
PersonKonjunktiv IKonjunktiv II
ichich werde verschüttet habenich würde verschüttet haben
dudu werdest verschüttet habendu würdest verschüttet haben
er/sie/eser/sie/es werde verschüttet habener/sie/es würde verschüttet haben
wirwir werden verschüttet habenwir würden verschüttet haben
ihrihr werdet verschüttet habenihr würdet verschüttet haben
siesie werden verschüttet habensie würden verschüttet haben
Aufforderungsformen
AnredeForm
duverschütt! / verschütte!
ihrverschüttet!
Sieverschütten Sie!
Infinitive und Partizipien
FormWortform
Infinitivverschütten
Infinitiv Perfektverschüttet haben
Infinitiv mit zuzu verschütten
zu-Infinitiv Perfektverschüttet zu haben
Partizip Iverschüttend
Partizip IIverschüttet

Was bedeutet es bei jemandem verschüttet haben?

Die landschaftliche Wendung bedeutet, jemandes Wohlwollen verloren zu haben. Sie ist bildlich gemeint und bezieht sich nicht auf verschüttete Flüssigkeit oder Erde.

„Nach der dritten vergessenen Probe hatte Sven es beim Dirigenten verschüttet.“

Der Dirigent ist Sven in dieser Szene nicht mehr wohlgesinnt. Wie lange das anhält oder ob sich ihr Verhältnis später bessert, sagt die Wendung nicht. Bei jemandem benennt die betroffene andere Person und steht mit Dativ.