wissen
Form & Grammatik
- Stichwort
- wissen
- Worttrennung
- wis·sen
- Präsens
- weiß
- Präteritum
- wusste
- Partizip II
- gewusst
- Perfekt
- hat gewusst
- Hilfsverb
- haben
- Trennbarkeit
- nicht trennbar
- Ergänzungen
- etwas wissen (Akkusativ); wissen, dass/wie …
Unregelmäßig: ich weiß, du weißt, wir wissen; Präteritum wusste, Konjunktiv II wüsste. Perfekt hat gewusst. Die Stammwechsel sind keine angehängten Endungen.
Wissen bedeutet, über eine Information oder Kenntnis zu verfügen. Es kann sich auf Tatsachen, Zusammenhänge oder darauf beziehen, wie etwas gemacht wird.
Bedeutung und Verwendung
„Ich weiß die Antwort“ benennt eine bekannte Information. „Ich weiß, wie das funktioniert“ umfasst einen Zusammenhang oder ein Vorgehen. Wer etwas weiß, stellt es als vorhandene Kenntnis dar; die bloße Sicherheit der sprechenden Person beweist allerdings noch nicht die Richtigkeit der Aussage.
Nicht jede Kenntnis wird mit wissen ausgedrückt. Personen, Orte und Werke kennt man: „Ich kenne den Roman.“ Einen Sachverhalt oder die Antwort auf eine Frage kann man dagegen wissen. Diese Unterscheidung hilft besonders beim Formulieren und beim Deutschlernen.
Grammatik: die wichtigen Formen
| Person | Form |
|---|---|
| ich | weiß |
| du | weißt |
| er / sie / es | weiß |
| wir | wissen |
| ihr | wisst |
| sie / Sie | wissen |
| Form | Beispiel |
|---|---|
| Präteritum | ich wusste |
| Perfekt | ich habe gewusst |
| Konjunktiv II | ich wüsste |
| Infinitiv mit zu | zu wissen |
Im Präsens wechseln die Formen: ich weiß, du weißt, wir wissen, ihr wisst. Der kurze Vokal in wissen, wusste, gewusst steht vor ss; weiß enthält einen Doppellaut und wird im deutschen und österreichischen Standard mit ß geschrieben. In der Schweiz steht auch hier ss.
Unregelmäßig: ich weiß, du weißt, wir wissen; Präteritum wusste, Konjunktiv II wüsste. Perfekt hat gewusst. Die Stammwechsel sind keine angehängten Endungen.
Konjugation von wissenPräsens, Präteritum und Konjunktiv
| Person | Präsens | Präteritum | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|---|---|
| ich | weiß | wusste | wisse | wüsste |
| du | weißt | wusstest | wissest | wüsstest |
| er/sie/es | weiß | wusste | wisse | wüsste |
| wir | wissen | wussten | wissen | wüssten |
| ihr | wisst | wusstet | wisset | wüsstet |
| sie/Sie | wissen | wussten | wissen | wüssten |
Ein folgender Nebensatz wird mit Komma abgetrennt: „Ich weiß, dass du kommst.“ Auch bei einer indirekten Frage steht das Komma: „Sie weiß, wann der Bus fährt.“ Die Form weißt ist nicht dasselbe wie weist.
Eigene Beispielsätze erklärt
Die folgenden Beispiele sind eigens für diese Erklärung formuliert.
Ich weiß, warum die Überschrift missverständlich ist.
Der Nebensatz enthält den bekannten Zusammenhang. Vor warum steht ein Komma.
Ihr wisst bereits, welche Aufgabe morgen besprochen wird.
Bei ihr heißt die Form wisst mit ss, nicht „weißt“.
Wenn ich die Lösung wüsste, könnte ich sie erklären.
Wüsste ist Konjunktiv II. Der Umlaut kennzeichnet hier eine vorgestellte Bedingung.
Synonyme für wissen: passend zum Zusammenhang
Wissen stellt eine Information als vorhandene Kenntnis dar. Passende Umschreibungen hängen davon ab, ob eine einzelne Antwort, ein Sachzusammenhang oder der Stand eines Vorgangs gemeint ist. Kennen, glauben und können sind dabei keine beliebig austauschbaren Ersatzverben: Sie verändern entweder die Aussage oder den Satzbau.
| Alternative | Passend bei | Unterschied |
|---|---|---|
| Kenntnis haben | Vorhandenen Informationen | Ist formeller; gewöhnlich folgt von statt eines einfachen Akkusativobjekts. |
| Bescheid wissen | Vertrautheit mit einem Sachstand | Betont Orientierung in einer Angelegenheit, nicht jede beliebige Einzelinformation. |
| kennen | Antworten, Regeln oder Wegen | Passt bei bestimmten Ergänzungen; Personen kennt man, man weiß sie nicht. |
| sich bewusst sein | Erkanntem Umstand | Hebt die bewusste Wahrnehmung hervor und verlangt eine andere Satzkonstruktion. |
Eigene Sprachbeispiele: Die Satzpaare zeigen, was sich beim Ersetzen verändert.
Erstes Satzpaar
Ausgangssatz: Die Kursleiterin weiß bereits von der Änderung.
Alternative: Die Kursleiterin hat bereits Kenntnis von der Änderung.
Die zweite eigene Fassung klingt förmlicher. Beide geben den Informationsstand wieder. Bescheid wissen könnte darüber hinaus nahelegen, dass die Leiterin die Einzelheiten kennt; die erste Formulierung beschränkt sich auf die Änderung als solche.
Zweites Satzpaar
Ausgangssatz: Mara weiß die Lösung, kann den Rechenweg aber noch nicht erklären.
Alternative: Mara kennt die Lösung, kann den Rechenweg aber noch nicht erklären.
Hier ist kennen möglich, weil Lösung eine bekannte Antwort bezeichnet. Der zweite Satzteil verhindert die Gleichsetzung mit Können: Das Ergebnis zu kennen und es selbst herzuleiten oder zu erläutern sind verschiedene Leistungen.
Grenze des Austauschs: Vermuten und glauben schwächen den behaupteten Wissensstatus ab. Die feste Überzeugung einer Person beweist allerdings nicht, dass ihre Information stimmt. Bei Wissen als Aussage über einen Text sollte deshalb die Perspektive der Figur oder des Erzählers erkennbar bleiben.
Die Formen ich weiß und wir wissen gehören zum selben Verb. Das gleich geschriebene Adjektiv weiß ist eine Farbbezeichnung. Ein angeschlossener Nebensatz erhält ein Komma: Sie weiß, weshalb der Versuch scheiterte. Bei Kenntnis von folgt dagegen eine Wortgruppe.
Weitere Abgrenzungen: Wortwahl und typische Verwechslungen
Glauben und vermuten lassen Unsicherheit erkennen. Kennen bezeichnet Vertrautheit mit einer Person oder Sache. Können betrifft eine Fähigkeit: Eine Regel zu wissen und sie sicher anwenden zu können sind verschiedene Dinge.
Das gleich geschriebene Adjektiv weiß bezeichnet eine Farbe. Der Satzbau zeigt den Unterschied: „Das Papier ist weiß“ enthält ein Adjektiv, „Ich weiß die Antwort“ eine Verbform.
