Meine Wörter

wollen

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
wollen
Worttrennung
wol·len
Präsens
will
Präteritum
wollte
Partizip II
gewollt
Ersatzinfinitiv
wollen bei einem weiteren Infinitiv
Perfekt
hat gewollt; mit weiterem Infinitiv zum Beispiel hat arbeiten wollen
Hilfsverb
haben

Formen und Verwendung im Detail

Wollen drückt vor allem einen Wunsch oder eine Absicht aus. Häufig steht es vor einem weiteren Verb: etwas lernen wollen. In anderen Zusammenhängen kann es eine Behauptung wiedergeben oder beschreiben, was besondere Aufmerksamkeit verlangt.

Was bedeutet wollen?

Ein Vorhaben ist noch kein Ergebnis. „Mira will die Aufgabe heute abschließen“ sagt, was sie beabsichtigt. Der Satz behauptet weder, dass sie es tatsächlich schafft, noch, dass sie schon damit begonnen hat. Wer eine Handlung genau beschreibt, sollte diese Unterschiede erhalten.

  • Eine Absicht ausdrücken: „Die Gruppe will einen Lesekreis gründen.“ Hier geht es um ein Vorhaben.
  • Etwas wünschen: „Ich will einen ruhigeren Arbeitsplatz.“ Das Gewünschte kann auch als Nomen stehen.
  • Eine eigene Behauptung wiedergeben: „Der Besucher will das Geräusch gehört haben.“ Er sagt, dass er es gehört hat; die berichtende Person bestätigt dies mit dieser Formulierung nicht.
  • Auf nötige Sorgfalt hinweisen: „Eine solche Entscheidung will gut überlegt sein.“ Gemeint ist, dass sorgfältiges Überlegen nötig ist, nicht, dass die Entscheidung selbst einen Wunsch hat.

Umgangssprachlich kann auch ein Gegenstand „nicht wollen“: „Die Schublade will nicht aufgehen.“ Der Satz beschreibt dann ein Problem beim Öffnen. Der Schublade wird im Alltag bildlich ein eigener Wille zugeschrieben.

Wollen, möchten, wünschen oder beabsichtigen?

AlternativePasst beiUnterschied
beabsichtigeneiner geplanten HandlungStellt die Absicht sachlich heraus; danach steht gewöhnlich ein Infinitiv mit zu.
vorhabeneinem konkreten VorhabenWirkt häufig alltagssprachlicher als beabsichtigen und betont den Plan.
möchteneinem Wunsch oder einer BitteKlingt oft zurückhaltender. Es ist nicht einfach die Vergangenheitsform von wollen.
sich wünschenetwas ErhofftemKann einen Wunsch benennen, ohne einen eigenen Handlungsplan vorauszusetzen.

Ein Vorhaben sachlich ausdrücken

Ausgangssatz: Die Theatergruppe will im Frühjahr ein neues Stück aufführen.

Alternative: Die Theatergruppe beabsichtigt, im Frühjahr ein neues Stück aufzuführen.

Die eigenen Beispielsätze nennen dieselbe Absicht. In der zweiten Fassung ändern sich Satzbau und Verbform: Aus aufführen wird aufzuführen. Keine der beiden Fassungen garantiert, dass die Aufführung stattfindet.

Eine Bitte freundlicher formulieren

Ausgangssatz: Ich will einen Termin am Nachmittag.

Alternative: Ich möchte einen Termin am Nachmittag.

Der gewünschte Zeitpunkt bleibt gleich. Die Alternative wirkt in einer Anfrage meist höflicher. Der Ausgangssatz ist deshalb nicht in jeder Situation unhöflich: Tonfall, Beziehung und Gesprächsanlass spielen ebenfalls eine Rolle.

Grammatik: will, wollte, gewollt

Wollen ist ein unregelmäßig gebeugtes Verb und wird besonders häufig als Modalverb verwendet. Dabei steht das weitere Verb im Infinitiv ohne zu: Sie will schreiben. Die Person und die Zeit werden am Modalverb erkennbar.

Konjugation von wollen
Sechs Personen im Aktiv: Präsens, Präteritum, Konjunktiv I und Konjunktiv II. Die Tabelle zeigt finite Formen; Ergänzungen und Hilfsverb richten sich nach der jeweiligen Bedeutung. Unregelmäßige Stammformen werden als solche gezeigt; die Markierung verändert keine Wortschreibung.
PersonPräsensPräteritumKonjunktiv IKonjunktiv II
ichwillwolltewollewollte
duwillstwolltestwollestwolltest
er/sie/eswillwolltewollewollte
wirwollenwolltenwollenwollten
ihrwolltwolltetwolletwolltet
sie/Siewollenwolltenwollenwollten

Ohne weiteren Infinitiv kann das Perfekt hat gewollt lauten: „Sie hat diese Änderung gewollt.“ Zusammen mit einem weiteren Verb verwendet man den Ersatzinfinitiv wollen: „Sie hat den Termin verschieben wollen.“ Für eine Absicht in der Vergangenheit ist auch das Präteritum sehr geläufig: „Sie wollte den Termin verschieben.“

Der Konjunktiv I lautet beispielsweise er wolle: „Er erklärte, er wolle früher anfangen.“ Wollte kann sowohl Präteritum als auch Konjunktiv II sein; der Zusammenhang entscheidet. Bei der Wiedergabe einer fremden Aussage sollte deshalb klar werden, wer welche Absicht äußert.

Wollen oder Wollen?

Das Verb schreibt man klein, mit ll. Als substantivierter Infinitiv wird es großgeschrieben: das Wollen allein genügt nicht. Davon zu unterscheiden ist das seltene Materialadjektiv wollen, das „aus Wolle“ bedeutet.

Absicht und Verhalten unterscheiden

In einer Charakterisierung reicht „Die Figur will erfolgreich sein“ noch nicht als Beleg für Willensstärke. Ein erfundener Vergleich macht das deutlich: Eine Figur kündigt täglich an zu üben; eine andere hält tatsächlich an einem Übungsplan fest. Erst die beschriebene Handlung erlaubt eine begründete Deutung. Der geäußerte Wunsch bleibt eine wichtige Information, ersetzt aber die Beobachtung nicht.

Weitere Bedeutungen und Formen findest du im Wörterbuch der Verben.