adlig
Adlig: Dem Adel angehörend oder auf ihn bezogen; in gehobener Sprache auch von edler Gesinnung oder vornehmer Wirkung.
Was bedeutet adlig?
Adlig bezeichnet in seiner häufigsten Bedeutung die Zugehörigkeit zum Adel oder einen Bezug zu diesem gesellschaftlichen Stand. In einer historischen Erzählung kann etwa von einer adligen Familie, adliger Herkunft oder einem adligen Haushalt die Rede sein.
Daneben gibt es gehobene Verwendungen: Eine adlige Gesinnung kann eine als edel bewertete Haltung bezeichnen, eine adlige Erscheinung eine vornehme Wirkung. Bei der Lektüre ist deshalb zu fragen, ob der Text soziale Herkunft oder eine bewertete Haltung beziehungsweise Wirkung meint.
Adlig oder adelig?
Beide Formen sind richtig. Neben adlig steht die gehobene Variante adelig. Entsprechend sind eine adlige Familie und eine adelige Familie möglich. Die längere Form bezeichnet nicht einen anderen gesellschaftlichen Rang.
Als Nomen werden die Personenbezeichnungen großgeschrieben: die Adlige, ein Adliger beziehungsweise die Adelige, ein Adeliger. Das Adjektiv bleibt dagegen klein: die adlige Besucherin.
Beispiele und Bedeutungsunterschiede
- „Die Figur stammt aus einer adligen Familie, lebt aber ohne großen Besitz.“ Herkunft und gegenwärtiger Wohlstand werden getrennt.
- „Der Erzähler lobt ihre adlige Gesinnung.“ In dieser gehobenen Verwendung wird ihre Haltung bewertet. Eine tatsächliche Adelszugehörigkeit ist damit nicht zwingend ausgesagt.
- „Die adlige Herkunft schützt ihn im Gespräch nicht vor Kritik.“ Das Wort bezeichnet den Hintergrund der Figur, nicht automatisch die Berechtigung ihres Standpunkts.
Adlig, edel und vornehm unterscheiden
- Aristokratisch
- Kann die Zugehörigkeit zum Adel oder einen damit verbundenen Stil betreffen. Auch hier entscheidet der Zusammenhang über die genaue Lesart.
- Edel
- Bezeichnet unter anderem eine positiv bewertete Haltung, aber auch hochwertige Materialien. Eine edle Handlung beweist keine adlige Herkunft.
- Vornehm
- Kann soziale Stellung, feines Verhalten oder eine elegante Wirkung meinen. Nicht jede vornehm gekleidete Figur gehört dem Adel an.
Gerade bei einer Figurenanalyse dürfen äußere Ausstattung und Charakter nicht miteinander verwechselt werden. Ein Titel, ein kostbares Kleid oder ein großes Haus sind kein ausreichender Beleg für Großzügigkeit oder moralische Überlegenheit.
Grammatik und Schreibweise
Adlig und adelig sind Adjektive. Die Tabellen unten zeigen die kürzere Grundform: adliger, adlige, adliges. Bei adelig bleibt das zusätzliche e im Stamm erhalten: adeliger, adelige, adeliges. Die Endungen richten sich in beiden Varianten nach demselben Muster.
Steigerung
Bei der Zugehörigkeit zum Adel ist eine gewöhnliche Steigerung sachlich nicht erforderlich. Höherer Rang, längere Familiengeschichte oder vornehmere Wirkung sind unterschiedliche Maßstäbe und sollten ausdrücklich benannt werden. In der übertragenen, wertenden Lesart kann eine vergleichende Form vorkommen; häufig ist edler oder vornehmer klarer.
Beugung im Überblick
Die Tabellen zeigen die gebeugten Formen vor einem Nomen. Die passende Endung richtet sich nach Artikel, Fall, Geschlecht und Zahl. Die Pluralformen der gemischten Beugung stehen beispielsweise nach keine oder meine; ein hat keinen Plural.
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | adliger | adlige | adliges | adlige |
| Genitiv | adligen | adliger | adligen | adliger |
| Dativ | adligem | adliger | adligem | adligen |
| Akkusativ | adligen | adlige | adliges | adlige |
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | adlige | adlige | adlige | adligen |
| Genitiv | adligen | adligen | adligen | adligen |
| Dativ | adligen | adligen | adligen | adligen |
| Akkusativ | adligen | adlige | adlige | adligen |
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | adliger | adlige | adliges | adligen |
| Genitiv | adligen | adligen | adligen | adligen |
| Dativ | adligen | adligen | adligen | adligen |
| Akkusativ | adligen | adlige | adliges | adligen |
Warum sich die Endungen ändern, erklärt der Überblick zu Adjektiven und ihrer Beugung.
Herkunft und Verhalten getrennt analysieren
Erfundene Situation: In einer historischen Erzählung wird Maras Familie ausdrücklich als adlig vorgestellt. Mara unterbricht beim gemeinsamen Essen einen Bediensteten, später entschuldigt sie sich bei ihm.
Mara ist durch ihre Familie dem Adel zugeordnet. Diese Herkunft beschreibt zunächst ihre gesellschaftliche Stellung. Ihr Verhalten ist davon getrennt zu betrachten: Das Unterbrechen wirkt zunächst respektlos, während die spätere Entschuldigung eine Korrektur dieses Verhaltens erkennen lässt.
Der Absatz verwendet adlig als Herkunftsangabe und beurteilt die Haltung anhand der Handlungen. Weder die Entschuldigung noch die erste Unhöflichkeit sollte ohne weitere Textbelege zu einem vollständigen Urteil über Maras Charakter ausgeweitet werden.
Weitere passende Wörter findest du in der Adjektivliste mit Suche und Wortauswahl.
