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edel

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
edel
Worttrennung
edel
Komparativ
edler
Superlativ
am edelsten

Die Grundform wird am Zeilenende nicht getrennt.

Edler kann eine gebeugte Grundform oder ein Komparativ sein. Der Satzbau entscheidet.

Formen und Verwendung im Detail

Edel: Von einer als moralisch vornehm bewerteten Haltung geprägt; bei Dingen auch hochwertig oder besonders schön.

Was bedeutet edel?

Edel bezeichnet bei einer Haltung oder Handlung eine besonders hoch geschätzte moralische Qualität. Wer trotz einer günstigen Gelegenheit zur Rache auf Demütigung verzichtet, kann edel handeln. Die Bezeichnung ist ein deutliches Werturteil und klingt in dieser Bedeutung gehoben. Welche Handlung so beurteilt wird, hängt auch von den Maßstäben der sprechenden Person ab.

Das Wort hat mehrere andere Verwendungen. Edles Holz wird wegen seiner Qualität geschätzt, eine edle Form wegen ihrer Schönheit. Die ältere Bedeutung adlig begegnet beispielsweise in historischen Texten. Aus vornehmer Herkunft, teurer Kleidung oder gepflegtem Auftreten folgt jedoch keine edle Gesinnung. Gerade in literarischen Texten können äußerer Rang und tatsächliches Verhalten weit auseinanderliegen.

Auch Ironie ist möglich: Wird eine rücksichtslose Handlung als sehr edel kommentiert, meint die Äußerung das Gegenteil des gewöhnlichen Lobes. Für das Verständnis zählen dann Situation und Ton. Eine Figur, die sich selbst ständig edel nennt, muss diese Bewertung nicht durch ihre Taten bestätigen.

Beispiele für edel

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Es war edel von Karim, den Irrtum seines Konkurrenten diskret zu berichtigen.“

Das Lob gilt dem Verzicht auf einen leicht erreichbaren Vorteil. Entscheidend ist hier die Rücksicht auf die Würde des anderen.

„Die Erbin sprach von edlen Zielen, ließ die Betroffenen aber nicht zu Wort kommen.“

Der Satz setzt einen hohen moralischen Anspruch zum tatsächlichen Verhalten in Beziehung. Die Ziele werden dadurch nicht schon als glaubwürdig bestätigt.

„Der Tisch besteht aus edlem Holz, doch seine Gestaltung ist schlicht.“

Hier bewertet edel ein Material. Die Bedeutung darf nicht als Aussage über den Charakter des Besitzers gelesen werden.

Synonyme für edel: passend zum Zusammenhang

Edel kann moralische Vornehmheit, die Qualität eines Materials oder eine geschätzte Gestaltung ausdrücken. In historischen Zusammenhängen kommt der Bezug zum Adel hinzu. Diese Bereiche dürfen beim Austausch nicht ineinanderfallen: Teure Ausstattung ist kein Beleg für eine edle Gesinnung.

Wortalternativen und ihre Unterschiede
ErsatzwortPasst beiUnterschied
edelmütigHaltungen und HandlungenBezieht sich ausdrücklich auf eine moralisch hoch bewertete Gesinnung.
hochwertigMaterial und VerarbeitungBeschreibt Qualität, ohne den Besitzer moralisch zu beurteilen.
elegantGestaltung und ErscheinungBetont geschmackvolle Wirkung, nicht notwendig Materialwert.
adlighistorische StandeszugehörigkeitNur beim gesellschaftlichen Rang passend, nicht als allgemeines Lob.

Wörter im Satz vergleichen

Die folgenden Satzpaare sind eigene Sprachbeispiele.

Ausgangssatz: „Sie verzichtet aus edlen Beweggründen auf den Vorteil.“
Alternative: „Sie verzichtet aus edelmütigen Beweggründen auf den Vorteil.“

Die Alternative macht das moralische Lob ausdrücklich. Welche Rücksicht oder Großzügigkeit gemeint ist, sollte der Text anhand der Entscheidung erklären.

Ausgangssatz: „Der Schrank besteht aus edlem Holz.“
Alternative: „Der Schrank besteht aus hochwertigem Holz.“

Der zweite Satz richtet die Bewertung auf das Material. Elegantes Holz wäre eine andere, ungewöhnlichere Aussage über die ästhetische Wirkung.

Hier passt der Austausch nicht: Eine adlige Figur ist nicht notwendig edelmütig. Die Zugehörigkeit zu einem Stand und das moralische Verhalten sind getrennte Aussagen, auch wenn historische Texte beide Vorstellungen verbinden können.

Bei „einer edlen Form“ kann „schlicht und elegant“ genauer beschreiben, was gefällt. In einer Analyse sollte außerdem Ironie berücksichtigt werden: „Das ist ja edel von dir“ kann ein rücksichtsloses Verhalten verspotten. Ein Ersatz ohne den erkennbaren ironischen Ton könnte das Urteil umkehren.

Weitere Abgrenzungen: Ähnliche Wörter unterscheiden
edelmütig
Bezieht sich ausdrücklich auf eine moralisch hoch bewertete Gesinnung. Es hat nicht die materialbezogenen Bedeutungen von edel.
adlig
Bezeichnet die Zugehörigkeit zum Adel. Ein gesellschaftlicher Stand ist von einem Urteil über die Haltung eines Menschen zu unterscheiden.
großzügig
Kann eine edle Handlung beschreiben, etwa das Verzeihen. Es kann aber auch schlicht um den Umfang einer Gabe oder einen weiten Spielraum gehen.

Grammatik und Beugung von edel

Die Grundform lautet edel. Vor einem Substantiv wird das Wort gebeugt: eine edle Tat, ein edler Gedanke, mit edlem Ziel. Dabei fällt das unbetonte e zwischen d und l weg. Die Endung richtet sich nach Artikel, Fall, Geschlecht und Zahl.

Steigerung: edel – edler – am edelsten

Der Komparativ lautet edler, der Superlativ am edelsten. Im Superlativ bleibt das e der Endung -el erhalten. Ein Vergleich ist zum Beispiel: „Von den beiden Gesten finde ich diese edler; am edelsten wäre es, auf die Belohnung zu verzichten.“ Der Satz bewertet Handlungen; er beschreibt keine messbare Eigenschaft.

Gebeugte Grundform

„Ein edler Gedanke.“

Edler gehört hier zum Substantiv Gedanke. Es ist die gebeugte Grundstufe, der Positiv. Es wird noch nichts miteinander verglichen.

Vergleichsform

„Dieser Gedanke ist edler als der andere.“

Hier steht edler als Komparativ. Der Satz vergleicht zwei Gedanken; als der andere nennt den Vergleichsmaßstab.

Worttrennung und Schreibweise

Die Grundform edel wird am Zeilenende nicht getrennt. Das einzelne e am Wortanfang darf nicht abgetrennt werden. Bei einer gebeugten Form ist zum Beispiel ed-les möglich. Die Worttrennung ist also von der Gliederung in Sprechsilben zu unterscheiden.

Deklinationstabelle: edel beugen

Die drei Tabellen zeigen die Grundstufe (Positiv) in allen vier Fällen. Wähle die Tabelle danach, ob das Adjektiv ohne Artikel, nach der/die/das oder nach ein/eine steht. In der gemischten Beugung zeigen die Pluralformen keine, denn ein hat keinen Plural.

Beugungstabellen für edel öffnenStarke, schwache und gemischte Deklination nach Fall und Geschlecht.
Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativedleredleedlesedle
Genitivedlenedleredlenedler
Dativedlemedleredlemedlen
Akkusativedlenedleedlesedle
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativder edledie edledas edledie edlen
Genitivdes edlender edlendes edlender edlen
Dativdem edlender edlendem edlenden edlen
Akkusativden edlendie edledas edledie edlen
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativein edlereine edleein edleskeine edlen
Genitiveines edleneiner edleneines edlenkeiner edlen
Dativeinem edleneiner edleneinem edlenkeinen edlen
Akkusativeinen edleneine edleein edleskeine edlen

Warum sich die Endungen ändern, erklärt der Überblick zu Adjektiven und ihrer Beugung. Als Gegenwort kommt unedel infrage; auch dabei ist die jeweils gemeinte Bedeutung zu beachten.

Herkunft und Wortbildung

Edel gehört zur Wortfamilie von Adel. Ältere Formen sind mittelhochdeutsch edel(e) und althochdeutsch edili. Die historische Verbindung erklärt, weshalb Herkunft und moralische Vornehmheit in der Wortfamilie zusammenkommen. Im heutigen Gebrauch müssen diese Bedeutungen dennoch getrennt werden.

Verwendung in einer Charakterisierung

‚Lena nutzt die Schwäche ihrer Gegnerin nicht aus, obwohl sie dadurch gewinnen könnte; ihr Verhalten lässt sich in dieser Szene als edel deuten.‘ Eine solche Formulierung nennt den Anlass des Lobes. Bei einer historischen Erzählung sollte zusätzlich geklärt werden, ob edel im Text die soziale Herkunft oder eine bewertete Haltung bezeichnet.

Wie sich Beobachtung und Deutung verbinden lassen, erklärt die Anleitung zum Schreiben einer Charakterisierung.

Edel in der Übersicht der Charaktereigenschaften